Auftritt bei den Burgfestspielen

Kabarettist Willy Astor: Viel mehr als Blödelei

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Ganz locker geht es bei Willy Astor und seinen „Chance Songs“ zu.

Dreieichenhain - Willy Astor hat sich als reimender Wortakrobat einen Namen gemacht. Doch im Kabarettisten steckt auch ein famoser Liedermacher, was er mit seinen „Chance Songs“ am Freitagabend bei den Burgfestspielen Dreieichenhain unter Beweis stellte. Von Holger Klemm

Natürlich kann ein Kabarettist vom Schlage Willy Astor das Blödeln nicht lassen. So beginnt er den Auftritt als „Wiederholungstäter“ bei den Festspielen mit einem Lied für Dreieich, dann nimmt er noch einen Besucher in der ersten Reihe auf die Schippe und lädt das „beste Publikümer“ dazu ein, die Mondfinsternis mit ihm auf der Bühne zu betrachten (was, na klar, nicht passiert). Doch als Sänger beweist er rasch, dass in ihm mehr steckt als nur ein Blödelbarde. Schon zu Beginn nennt er als seine Helden Reinhard Mey, Konstantin Wecker und Hannes Wader. Er spricht auch von den Schwierigkeiten als deutscher Texter, keine Schlager zu schreiben. Die Angst ist unbegründet, Astor gelingen wunderschöne poetische Zeilen zu eingängigen Melodien.

Die Themen sind bisweilen klassisch: Liebe, eine Beziehung, die auseinandergeht. Doch im Mittelpunkt steht der Wunsch, das Leben zu genießen und nicht zu glauben, dass es schöner wird („Heb dir nichts für später auf“), auch auf die unwichtigen Dinge zu achten und deren Schönheit zu erkennen. Da kann auch ein Marmeladenbrot zum Ausgangspunkt eines Liedes werden. Politischer wird Astor, wenn er in „Insel der Glückseligkeit“ von Zeitgenossen singt, die sich im Schlaraffenland beschweren, während um ihnen die Welt auseinanderfliegt.

Bilder: Auftakt der Burgfestspiele Dreieichenhain

Zu den poetischen Texten passt eine Musik, die oft die Richtung wechselt: mal Pop, mal Country und Folk, mal Rock. Dabei stehen Astor versierte Musiker wie Nick Flade (Piano und Arrangements), Ferdinand Kirner (Gitarre), Patrick Scales (Bass) und Peter Oskar Kraus (Schlagzeug) zur Seite, die ihm auch mal mit Humor aus der Patsche helfen, als er textlich ins Stocken gerät. Überhaupt ist der Grundtenor des Abends entspannt. Astor, der vor Beginn in der Fahrgasse mit seiner Band ein Eis aß und auf der Burgbrücke Erinnerungsfotos machte, kommt leger in Flip-Flops auf die Bühne. Diese lockere Haltung überträgt sich aufs Publikum, das diesen perfekten Sommernachtsabend mit einer Musik, die nicht besser passen könnte, genießt.

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