Burgtheater spielt „Die Räuber“

Klassiker im modernen Gewand

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Mit einem reduzierten Bühnenbild und alltagstauglichen Kostümen verleiht Garlt dem Klassiker ein frisches Antlitz. Das Bild zeigt vorne Francesca Eifler als Amalia, Maximilian Nowak (Franz, Mitte) und Sven Johann Stripling (Karl Moor), hinten die Räuber.

Dreieichenhain - Neid, Leidenschaft, Intrigen – all das steckt in Schillers „Die Räuber“. Das Ensemble des Hainer Burgtheaters hat sich das Stück um zwei rivalisierende Brüder für seine Auftritte im Burggarten ausgesucht. Unter Regie von Tanja Garlt proben die Laien-Darsteller derzeit fast jeden Tag. Von Julia Radgen 

So ganz wollen die Holzteile noch nicht sitzen: Zusammen mit zwei Helfern aus ihrem Ensemble versucht Regisseurin Tanja Garlt auf der Freilichtbühne im Burgarten einen großen Holzrahmen, den sie mitgebracht hat, zusammenzusetzen. „Der soll später am rechten Bühnenrand hängen, denn ich arbeite mit Projektionen“, verrät die freischaffende Regisseurin, die seit Herbst 2015 die Regie des Dreieichenhainer Burgtheaters innehat. Diesmal griff die Theatergruppe des Geschichts- und Heimatvereins (GHV) Dreieichenhain ins Klassikerregal: Von Freitag, 25., bis Sonntag, 27. August, bringt die Theatergruppe allabendlich „Die Räuber“ von Schiller auf die Freilichtbühne im Burggarten. Nach „Der Glöckner von Notre-Dame“ ist es die zweite große Produktion unter Garlts Regie.

Derzeit proben die 13 beteiligten Darsteller montags und dienstags auf der Bühne im Burggarten – dann ist „festspielfrei“ – ansonsten im Sprendlinger Bürgerpark. Momentan ist die Bühne für die Burgfestspiel-Termine noch überdacht. „Bei uns ist die Bühne dann völlig nackt, echtes Freilichttheater eben“, sagt Garlt. Die Amateur-Truppe ist bunt gemischt – vom Studenten bis zum Rentner, sagt Dieter Krebs, der die Theatergruppe des GHV leitet und seit 1992 dabei ist. „Mit unserem alten Regisseur Dieter Stegmann haben auch ein paar Darsteller aufgehört“, erzählt Krebs. In der neuen Produktion sind manche Darsteller daher erstmals zu sehen. „Wir suchen aber immer weiteren Nachwuchs“, sagt Krebs.

Im Mai hat Garlt den Text verteilt, im Juni begannen die Proben. Je näher die Aufführungstermine rücken, desto häufiger trifft man sich. „Derzeit proben wir fast jeden Tag und an den Wochenenden vor der Premiere besonders intensiv“, erzählt Krebs, der im Stück Daniel, den alten Hausdiener der Familie Moor, spielt. Kleine Erinnerung an den Deutschunterricht: Die Handlung des Klassikers des Sturm und Drangs dreht sich um die beiden Söhne des Hauses – den jungen, beliebten Karl Moor (gespielt von Sven Johann Stripling), der dank Papas Finanzspritze sein Studentenleben in vollen Zügen genießt. Und seinen jüngeren Bruder Franz (Maximilian Novak), der kalt und berechnend die Gunst der Stunde nutzt, um eine Intrige gegen Karl zu spinnen, im Laufe derer Karl zum Hauptmann einer Räuberbande wird. Schließlich buhlen die Brüder nicht nur um die Gunst des Vaters, sondern auch um die der schönen Amalia (Francesca Eifler).

Bilder: Auftakt der Burgfestspiele Dreieichenhain

„Ich mag Schiller und klassische Texte – und sie passen gut in die Burg“, erklärt Regisseurin Tanja Garlt die Auswahl. Aber ihre Inszenierung sei ein „klassischer Text im modernen Gewand“, beschreibt die Regisseurin aus Rodgau. Denn die Sprache des Originals behält Garlt bei. So betont Sven Johann Stripling alias Karl Moor nach der Lektüre eines Buchs zu Helden der Antike: „Mir ekelt vor diesem tintenklecksenden Säkulum, wenn ich in meinem Plutarch lese von großen Menschen“. Garlt findet, dass heutige Zuschauer mit der Sprache Schillers durchaus etwas anfangen können – wenn sie sich bloß darauf einlassen. Auch die Fragen nach Individualität, Schuld und Freiheit, die das Stück aufwirft, seien ungebrochen aktuell.

Was Bühnenbild und Kostüme angeht, wird’s aber modern: „Ich arbeite mit Paletten und Erhöhungen“, erklärt Garlt ihr Bühnenbild, das bei den Proben schon in Ansätzen erkennbar ist. Ein „Kostümschinken“ geht ihr aber gegen den Strich. Daher tragen die Darsteller eher „abstrakte“ Bühnenoutfits. Die Räuber kommen beispielsweise in Lederjacke und Camouflage-Anzug daher. Bei den Proben gibt’s dazu noch letzte Anweisungen von der Regisseurin. Räuberin Roller gibt Garlt grünes Licht für das flatterige Hemd und die schwarzen Springerstiefel. „Aber ohne Kette und keinen Silberschmuck“, betont die Regisseurin. Neben ihrer Bühnenkleidung feilen die Schauspieler auch noch an ihrem Text und sogar am Gitarrenspiel. Denn bei Garlt treffen Schillers Räuber auf Musik von den Rolling Stones. Die Song-Einlage muss noch eine Strophe kürzer werden, fordert die Regisseurin, bevor es von „Paint It Black“ zum Moor’schen Monolog übergeht.

Aufführungen am 25., 26., 20 Uhr, und 27. August, 19 Uhr, im Burggarten. Karten für 14 Euro im Vorverkauf beim Ticketservice, Tel.: 60000, oder für 16 Euro an der Abendkasse

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