Kunstaktionen zu den Festspielen

Mit Licht die Burg verzaubern

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„Lichtgespinste“ nennt das Frankfurter Künstlerpaar Martin Böttcher und Corinna Zürcher seine Video-Projektion, die während der Festspiele mit der Burgruine spielen wird. Links eine der Nymphen, die auf dem Burgweiher schwimmen werden.  

Dreieich - Da ist der Dreieicher Kunstinitiative ein Coup gelungen. Während der Burgfestspiele vom 4. Juli bis 20. August wird die Burgruine zum Schauplatz einer Videoprojektion, wie es sie an dem Ort noch nie gegeben hat. Von Holger Klemm 

Bei einer weiteren Kunstaktion auf dem Weiher wird eine Hayner Legende mit der Gegenwart verbunden. Seit 2015, als die 25. Kunsttage das ganze Jahr über gefeiert wurden, ist auch die Burg während der Festspiele zum Ausstellungsort geworden. „Doch so etwas wie dieses Jahr gab es noch nie“, verspricht Bürgerhaus-Chef und Festspielleiter Benjamin Halberstadt. Das Frankfurter Künstlerpaar Martin Böttcher und Corinna Zürcher hat eigens für die Burg die Video-Projektion „Lichtgespinste“ geschaffen, die weit über eine herkömmliche Illumination herausgeht. Beide haben dafür das 3D-Mapping oder Video-Mapping genutzt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren für passgenaue Projektionen. Die projizierten Filme werden anhand eines Computermodells des Gebäudes und einer speziellen 3D-Animationssoftware erstellt. So wird es möglich, Gebäudebestandteile „virtuell“ zu verändern, Mauern einstürzen oder in den Fenstern fantastische Geschichten erzählen zu lassen.

Martin Böttcher und Corinna Zürcher haben sich vom Charme der Burgruine inspirieren lassen. In „Lichtgespinste“ kriechen solche und Schattengestalten aus den Ritzen und Spalten des alten Gemäuers, nehmen die Ruine in ihren Besitz und verwandeln sich in abstrakte Gebilde aus Linien und pulsierenden Flächen. Die Projektion wird während der Festspiele nach Beendigung der Abendveranstaltungen zu sehen sein sowie an spielfreien Tagen immer im halbstündigen Abstand um 22.30 und 23 Uhr. In den Pausen präsentieren die Künstler ihre Aktion „Look@the world through my eyes“ für mehr Toleranz und Mitgefühl, an der sich unter anderem auch Schüler der Ricarda-Huch-Schule beteiligen. Ursprünglich für den Unesco-Welttag der kulturellen Vielfalt in Berlin 2015 geplant, wird das Projekt nun in Dreieich verwirklicht. Mithilfe von Videosoftware werden Fotoporträts von Menschen, die sich zu einer kulturell vielfältigen, mitfühlenden und toleranten Gesellschaft bekennen, separiert und von anderen Porträts überlegt. Das steht sinnbildlich für die Bereitschaft, die Welt auch einmal mit den Augen eines anderen zu sehen.

Bilder zum Abschluss der Burgfestspiele 2016

Doch damit nicht genug: Zum Jubiläum 40 Jahre Dreieich verwirklicht Tanja Hoffmann mit Unterstützung des Vereins Zukunft Dreieich ihre Installation „§ Artikel 2 des Grundgesetzes“. Auf dem Burgweiher werden sechs etwa 1,65 Meter große Nymphen zu sehen sein, die abends besonders illuminiert werden. Und abends scheint zudem ein goldener Ring im Weiher zu schimmern. Das erinnert an die Sage der Adeligen Frastrada, die ihren Ehemann, Karl den Großen, den es auch immer wieder zu anderen Frauen zog, für immer an sich binden wollte. Sie soll einen Ring in den Burgweiher geworfen haben, der Karl mit Zauberkräften anzog. Die Dreieicher Künstlerin möchte aber auch die Brücke zur Gegenwart bauen, indem sie die Legende mit dem Artikel 2 des Grundgesetzes verbindet. Demnach hat jeder das Recht auf freie Entfaltung, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt. Als Symbole der Freiheit stehen Nymphen für ein selbstbestimmtes Leben. „Menschen sollten nicht durch Zwang an einen Ort gebunden werden, sollten das Recht auf geistige Freiheit und freie Meinungsäußerung haben“, sagt die Künstlerin, die an einer Auflage von 40 Nymphen arbeitet. Hoffmann möchte die Figuren, die aus Fiberglas bestehen und in mehreren Schritten bearbeitet werden, zu einem Preis von 4000 Euro verkaufen und damit gemeinnützige Projekte der Stadt unterstützen.

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