Zählt schon zum Inventar

Heimspiel in der Burg für Max Mutzke

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Sein Stilmix aus Pop, Soul, Funk und Jazz wirkt völlig natürlich – und einen direkten Draht zum Publikum hat Mutzke auch.

Dreieichenhain - Viele Castingshow-Gewinner sind so schnell von der Bildfläche verschwunden, wie sie dort aufgetaucht sind. Das gilt nicht für Max Mutzke. der nun im Hayner Burggraben gastierte. Von Thomas Ungeheuer

„Wenn ihr aufsteht, dann rennen die Stühle nicht weg!“ Kaum haben Max Mutzke und seine Begleitband monoPunk ihren ersten Song in der ausverkauften Burg Hayn gespielt, reißt der Sänger mit diesen Worten die Fans von ihren Sitzen. Schon bei „Ohne dich“ klatschen sie im Takt und feiern danach seinen größten Hit „Can’t Wait Until Tonight“. Der Song, den Stefan Raab für ihn und seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2004 geschrieben hatte, klingt keineswegs wie eine lästige Pflichtübung. Vielmehr merkt man, dass Max Mutzke und seine Begleiter viel Spaß an ihrer neuen und vor allem langen Interpretation des Stücks haben.

Geschickt bindet der bekennende Schwarzwälder das Publikum ein. Wobei Mutze die Frauen souverän dazu anleitet, eine Oktave höher zu singen als die Männer. Was für ein Spaß! Es wird getanzt, geklatscht und gesungen. Um solch eine ausgelassene Stimmung zu erzeugen, brauchen manche Künstler über eine Stunde. Max Mutzke schafft es mühelos in Minuten.

Eigentlich sind die Auftritte bei den Burgfestspielen für den Musiker wie Heimspiele. „Wenn wir nächstes Jahr nicht dabei sein dürfen, dann zweifeln wir an uns selbst“, witzelt er. Überhaupt scheint der Mann, der wohl nie seine Schiebermütze in der Öffentlichkeit abnimmt, in bester Plauderlaune. Lobt er doch Dreieichenhain und vor allem deren Burgruine ausgiebig. Gerade eben bekommt er noch die Kurve, bevor er „nicht noch mehr von diesem Schleimding“ macht. Dabei wirkt dieser Mann eher wie ein Charmeur, denn wie ein Schmeichler. Aufmerksam hört man ihm zu, wenn er anspruchsvolle Balladen wie „Magisch“ oder „Schwarz auf Weiß“ vorträgt.

Als der Enddreißiger bemerkt, nun bereits ein „hohes Alter“ erreicht zu haben, quittieren das seine Fans mit einem heiter-ironischen Ausruf des Bedauerns. Nein, es gibt hier kein Mitleid! Wobei Max Mutzke gar nicht so sehr Unrecht hat. Hört man doch heute im Radio sehr viele junge Sänger, die sich in ihren deutschen Texten mit oft ähnlichen emotionalen Befindlichkeiten auseinandersetzen. Das hohe Niveau des „alten“ Max Mutzke und seiner langjährigen Begleitband erreichen jedoch nur die wenigsten von ihnen. Schließlich ist nicht nur Mutzkes Lyrik reizvoll. Auch vermag er seine Zeilen ausdrucksstark vortragen. Zudem besitzt er eine ausgereifte Gesangstechnik. Die Vermischung der Stile Pop, Soul, Funk und Jazz klingt völlig natürlich.

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Wobei sich auch Maik Schott (Keyboards), Tobias Held (Drums) und Danny Samar (Bass) als virtuos an ihren Instrumenten erweisen. Das zeigt sich spätestens, als jeder von ihnen sein Solo spielt. Ihr Sound hat erfrischend viele Ecken und Kanten. Außerdem haben sie jede Menge Humor. Nicht nur, dass sie und Mutzke sich den Song „Ene Dene Dotz“ von Gerd Knebel und Henni Nachtsheim (Badesalz) schreiben ließen – sie spielen ihn sogar, als die beiden Komiker überraschend zu ihnen auf die Bühne kommen. Was für ein Jubel! Witzig, großartig, schön. Es folgen Songs wie „Catch Me“ und „Nacht“.

„Wie der uns im Griff hat“, sagt zwischendurch eine Frau im Publikum, halblaut, erstaunt, aber anerkennend. Sie hat Recht. Selbst während eines kurzen Stromausfalls hält der Sänger sein Publikum mit Scherzen bei Laune. Dass er und monoPunk nach dem zweistündigen Konzert mit tosendem Applaus verabschiedet wurden, verwundert wohl keinen.

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