Zischkünste mit Biss

Mundart-Programm „Isch glaab, dir brennt de Kittel“ ist in Dreieich Kult

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Beliebtes Programm mit Tradition: Ulrike Neradt und Walter Renneisen (rechts) nehmen das Hessisch-Sein auf den Arm.

Dreieich - Mundart-Revue mit Kultcharakter: Bei den Burgfestspielen Dreieichenhain haben Ulrike Neradt und Walter Renneisen im heimischen Dialekt gewitzelt. Von Maren Cornils

Trefflich lässt sich darüber streiten, ob einer, der in Mainz geboren ist, die Voraussetzungen erfüllt, hessische Mentalität zu erläutern. Doch wenn es sich um Walter Renneisen handelt, der seit vielen Jahren an der Bergstraße wohnt und von hessischen Bühnen nicht wegzudenken ist, ist das eine rhetorische Frage. Zumal Renneisen (über dessen neues Soloprogramm wir vor Kurzem berichteten) in seiner Standortbestimmung unterstützt wird von der Rheingauer Frohnatur Ulrike Neradt, und ihre gemeinsame Revue längst Kultcharakter besitzt.

„Isch glaab, dir brennt de Kittel“ heißt das Mundart-Programm, mit dem das musikalisch von Frank Golischewski begleitete Duo zum elften Mal im Dreieichenhainer Burggarten gastiert. Obwohl die meisten Songs und Texte dem Stammpublikum bekannt sind, ist der Abend gut frequentiert. Kein Wunder, verstehen sie sich doch hervorragend darauf, ihr Publikum mit bissigen Pointen und kurzweiligen Späßen zu unterhalten.

So reiht sich, wie es Tradition ist, im Mehrteiler „Schnappschüsse aus Hessen“ Gag an Gag. In kurzen Dreizeilern widmen sich Neradt und Renneisen nervigen „Stubbefliesche“, lieblosen Ehemännern, enttäuschen Gattinnen, penetranten Kundinnen und dreisten Kellnern.

Da kommt nicht nur heraus, dass manche Dame zuhause auf den Einsatz des Geschirrspülers verzichten kann: „Isch bin der geborene Spieler!“ – „Ei und was sagt Ihne Ihre Fraa dazu?“ – „Ei, die trocknet ab.“ Es wird auch geklärt, warum das Leben in der rheinischen Tiefebene auf den Charakter abfärbt und woher die hessischen Zischlaute kommen. Da darf Friedrich Stoltzes „Wermsche uff’m Termsche“ als „Meisterwerk hessischer Zischkunst“ nicht fehlen.

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Fester Bestandteil sind der Sketch mit der arroganten Rottweiler-Besitzerin sowie die „Kuckucksuhr“. In beiden glänzt Golischewski – er ersetzt seit 2017 den 82-jährigen früheren Neradt-Weggefährten Alfred Nowacki – mal als sensibler Jagdhund, der eine Abneigung gegen Brillen tragende Passanten hat, mal als verspäteter Kuckuck, der Uhrbesitzern fluchend den Marsch bläst.

Und auch diesmal darf das „Filet ohne Knoche“ nicht fehlen: Wenn Neradt beim verzweifelten Metzger mit Nachdruck ein „Filetstück, aber ohne Knoche“ bestellt, kann sich das Publikum vor Lachen kaum halten.

Ohne Gesang wäre „Isch glaab, dir brennt de Kittel“ nicht denkbar. So stimmen Neradt und Renneisen ein ums andere Mal Lieder zum Mitklatschen an. Ein absoluter Kultklassiker!

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