Anekdoten zum Abschluss der diesjährigen Festspiele

Die Trompete im Zug gelassen

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Dreieichenhain - Nach knapp sieben Wochen gehen am morgigen Sonntag die Burgfestspiele 2017 mit dem ausverkauften Konzert von Stefan Gwildis zu Ende. Von Holger Klemm 

Auch wenn das Wetter in diesem Jahr nicht immer mitspielte und es keinen weiteren Rekord gab, zeigt sich Festspielleiter Benjamin Halberstadt sehr zufrieden. Und er kann auch einige Anekdoten berichten. Zudem finden sich im Gästebuch schöne Einträge. Das Programm umfasste an 35 Tagen 37 Vorstellungen (zwei stehen noch aus). Die Platzausnutzung ist mit 89 Prozent im Vergleich zu 2016 gleich geblieben. 15 mal hieß es ausverkauft. Ein wenig rückläufig war nach vorläufigen Berechnungen mit 24.600 die Besucherzahl – im Vergleich zu 26.000 im Vorjahr. Das liegt nach Angaben von Halberstadt aber daran, dass es diesmal zwei Vorstellungen weniger gab. „Sonst hätten wir die Zahl von 2016 bestimmt wieder erreicht“, ist er sich sicher.

Die guten Zahlen sind angesichts des Wetters umso höher zu bewerten. Schon 2016 war es nicht so toll, doch diesmal war es noch durchwachsener. Bei zehn Vorstellungen regnete es, bei „Dollbohrer“ mit Henni Nachtsheim und Rick Kavanian sogar die ganze Zeit. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Überhaupt hat Halberstadt festgestellt, dass die Besucher noch lange von Vorstellungen erzählen, bei denen es geregnet hat oder windig war.

Die Programmmischung aus „Wiederholungstätern“ und Neuzugängen hat nach Angaben des Leiters wieder gestimmt. Durch Auftritte beispielsweise von Hannes Ringlstetter oder Max Mutzke sei auch ein jüngeres Publikum angesprochen worden. Qualitativ habe es ebenfalls keine Ausreißer „nach unten“ gegeben. Allerdings hätten Besucher manchmal andere Erwartungen gehabt. Das sei beim phänomenalen Auftritt von Gitte der Fall gewesen. Einige hätten sich da mehr alte Hits gewünscht. Doch an der gesanglichen Leistung hätten sie nichts auszusetzen gehabt.

Halberstadt hat auch einige Anekdoten auf Lager: „Gleich zweimal in wenigen Tagen haben Künstler ihr Gepäck vermisst.“ Nils Wülker, der für einen großartigen Abend mit Max Mutzke sorgte, saß bei der Anfahrt in einem Zug, der technische Probleme hatte. Bei einem unplanmäßigen Halt an einem Bahnhof stieg er aus, um sich ein Snickers zu holen. Doch plötzlich fuhr der Zug weiter mit den Sachen, Trompete und Laptop von Wülker. Durch Anrufe bei der Bahn gelang es, dass Halberstadt das Gepäck am Frankfurter Bahnhof in Empfang nehmen konnte. Der Musiker kam dann mit dem nächsten Zug nach.

Als Halberstadt Gayle Tufts und ihren Pianisten Marian Lux vom Flughafen abholte, vergaß letzterer beim Einsteigen ins Auto seinen Trolley. Das bemerkte er erst im Hotel. „Man kann sich ja vorstellen, was das am Flughafen auslösen kann“, meint Halberstadt, der sofort mit Fraport telefonierte. „Wir fuhren natürlich gleich zurück.“ Am Flughafen hatte ein Mann den Trolley geöffnet und bewunderte die Sonnenbrille. Doch Lux bekam sein Gepäck unversehrt zurück.

Halberstadt und Programmmacher Wolfgang Barth haben es sich zur Angewohnheit gemacht, die Künstler vom Flughafen oder Hauptbahnhof abzuholen. „Das hat sich bewährt“, erzählt er. So könne man mit den Künstlern schon Wichtiges besprechen und auf mögliche Probleme im Vorfeld reagieren.

Bilder: Auftakt der Burgfestspiele Dreieichenhain

Bei Donovan habe es Autogrammjäger gegeben, die den Kultsänger bis zum Auto verfolgten. „Dabei sind wir mit ihm nicht durch den Burggarten gegangen.“ Ganz geduldig habe auch Gitte Autogrammwünsche erfüllt. „Einer hat einen ganzen Stapel Bilder mitgebracht“, berichtet Halberstadt

Von den diesjährigen Vorstellungen bleiben neben den Erinnerungen und Fotos auch die Einträge im Gästebuch der Bürgerhäuser. Dieses liegt bei den Vorstellungen hinter der Bühne und wird rege genutzt. Die Künstler belassen es dabei nicht bei Autogrammen, sondern setzen meist einen schönen Spruch dazu. Philipp Weber schrieb beispielsweise: „Es war eine Ehre, ein Fest, ein Vergnügen, eine Nacht unter Sternen, Danke Euch.“ Anna Depenbusch verewigte sich mit den Worten: „Schön war’s! Herzlichen Dank und bis zum nächsten Mal!“

Das kann auch für die Burgfestspiele insgesamt gesagt werden. Die 2018er Ausgabe findet vom 4. Juli bis 19. August statt. Näheres zum Programm will sich Halberstadt nicht entlocken lassen. Nur soviel: Nachdem das Programm „Dollbohrer“ letztmals zu sehen war, planen Henni Nachtsheim und Rick Kavanian für die nächsten Burgfestspiele etwas Neues.

Am heutigen Samstag ist um 21 Uhr noch einmal das Rock’n’Roll-Fairytale „Cinderella“ zu sehen. Das Finale mit Stefan Gwildis beginnt morgen um 19 Uhr.

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