Drei Frauen kümmern sich um die Künstler

Burgfestspiele: Wohlfühlatmosphäre hinter der Bühne

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Silke Pfaff, Silvia Pleiß und Petra Rupp-Masal (von links) sorgen dafür, dass sich die Künstler bei den Burgfestspielen in Dreieichenhain rundum wohl fühlen.

Dreieich - Sie garantieren einen reibungslosen Ablauf der Burgfestspiele. In den vergangenen Wochen haben wir die zahlreichen Mitarbeiter vorgestellt, ohne die das Sommervergnügen nicht denkbar wäre. Heute geht es um die drei Frauen, die sich um die Künstler kümmern.

Es gibt sie natürlich, die Gerüchte über Künstler, die sich ausschließlich in rein-weißen Garderoben auf ihren Auftritt vorbereiten wollen, die nur den guten Champagner trinken und ausschließlich von den roten Gummibärchen naschen. Solche Extravaganzen kommen bei den Burgfestspielen Dreieichenhain aber nicht vor. Die meisten Musicaldarsteller, Musiker, Kabarettisten, Sänger und Schauspieler seien überaus unkompliziert. Damit sie sich dennoch rundum wohl fühlen und ihnen jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird – dafür sind während der sechs Festspielwochen die Künstlerbetreuerinnen da. Petra Rupp-Masal, Silvia Pleiß und Silke Pfaff sind ein eingespieltes Team, die diese Betreuung auch sehr eigenverantwortlich organisieren.

„Natürlich gibt es auch für uns Wunschlisten, die uns unser Chef Benjamin Halberstadt frühzeitig gibt. Manche Künstler wollen beispielsweise nur Vittel Wasser trinken, aber das passiert schon eher selten. Meist stehen da so Dinge drauf, dass ein Vegetarier mit anreist oder dass es um Lebensmittelunverträglichkeiten geht, dass wir bitte glutenfreies Brot vorhalten sollen. Das machen wir dann natürlich“, sagt Petra Rupp-Masal.

Ein freundlicher Empfang ist schon mal das Wichtigste für die drei Damen. Manche Künstler seien auch schon mal etwas angespannt, wenn sie gegen 15 Uhr anreisen. „Aber die meisten kennen wir ja schon und die, die schon mal hier waren, sind doch sehr locker und entspannt. Das ist eher ein freudiges Wiedersehen“, berichtet Silvia Pleiß von vielen netten Begegnungen. Da gilt es nur, für eine Wohlfühlatmosphäre zu sorgen. Die Bühnenstars und ihre Begleitung bekommen Kaffee angeboten. Frisches Obst und Süßigkeiten – für die Nerven im Falle von Lampenfieber – stehen immer bereit. Für das Catering und die Vorbereitung ist Silke Pfaff zuständig. „Ich komme als Erste, fülle den Kühlschrank mit Getränken. Ich kaufe frisches Brot, bereite Wurst- und Käseplatten vor. Auch Gemüsesticks und Dipp stehen für die Künstler zur Auswahl, wenn sie kommen“, erzählt die langjährige Mitarbeiterin. Und dann sei es sehr individuell, wie es die Sänger und Schauspieler haben wollen. Manche wollen nur einen Snack vor dem Abendprogramm, andere ein richtiges Abendessen. Das Team vom Varieté unter Sternen isst überhaupt erst nach der Vorstellung richtig. Akrobatik und Jonglage mit vollem Magen ist eben nicht so sinnvoll. „Henni Nachtsheim wünscht sich immer die guten Bockwürstchen. Das hat schon Tradition“, erzählt Petra Rupp-Masal schmunzelnd ein kleines Detail.

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Nach dem ersten Willkommen halten sich die Damen in den roten Blusen aber weitgehend zurück. Die Gäste sollen sich wohl und heimisch – und eben nicht von ihnen verfolgt fühlen. Es gehe darum, dafür zu sorgen, dass immer alles aufgeräumt und sauber ist. Die engagierten Betreuerinnen tragen das benutzte Geschirr weg, wischen Krümel weg und füllen Süßigkeiten auf. Und auch wenn mal ein Knopf an einer Bühnenhose ab ist, dann nähen sie ihn fix wieder an. Auch ein Bügeleisen steht immer bereit, um ein im Koffer zerknittertes Hemd wieder aufzufrischen. „Im vergangenen Jahr habe ich Stefan Gwildis vor dem Auftritt noch einen Riss in der Hose genäht“, erinnert sich Silvia Pleiß. Gwildis sei einer ihrer absoluten Lieblingskünstler. „Er ist unfassbar nett und charmant. Auch Konstantin Wecker betreue ich schon seit Jahren. Er ist auch ein echt guter Typ“, sagt Pleiß. Überhaupt können die Dreieichenhainerinnen das Vorurteil, Bühnenkünstler seien alle unausstehliche Diven, überhaupt nicht bestätigen. „Manchmal sind es die Manager und Tourbetreuer, die ein bisschen viel Wind um ihren Star machen. Die Künstler selbst sind eigentlich alle nett und überraschend unkompliziert“, sagt Rupp-Masal. Gespannt waren sie alle drei auf Dunja Rajter, die dieses Jahr in der Burg aufgetreten ist. „Ich hätte mir vielleicht vorstellen können, dass sie möglicherweise eine Diva ist. Aber das hat sich gar nicht bestätigt. Sie war unfassbar nett, offen und sehr herzlich. Eine tolle Frau“, plaudert Silke Pfaff aus dem Nähkästchen.

„Varieté unter Sternen“ bei den Burgfestspielen Dreieich: Bilder

Natürlich verlaufen die Abende an der Burg hinter den Kulissen auch höchst unterschiedlich. Wenn es nur zwei, drei Künstler sind, dann sind es sehr entspannte Stunden. Wenn das Team von der Italienischen Opernnacht mit 40 Künstlern zu Gast ist, geht es auch seitlich von dem Zuschauerraum etwas rasanter zu. „Ich mag es ganz besonders, wenn die Musicalensembles bei uns gastieren. Dann wimmelt es hier richtig, mit all den jungen Leuten. Das ist echt schön“, genießt Petra Rupp-Masal diese Arbeitsstunden sehr.

Insgesamt habe sich das Leben hinter den Kulissen mehr und mehr professionalisiert. Es gibt mehr überdachte Fläche, wo die Künstler und das Team sich im Falle von Regen im Trockenen vorbereiten können. Es gibt eine Dusche und – bei den Künstlern ganz begehrt – die riesige Holzwanne, wo sie nach einem Auftritt an heißen Tagen mal schnell rein hüpfen können. „Gerade in diesem Jahr stand ich wieder einmal plötzlich vor einem nackten Menschen, als ich in diesen Bereich reingelaufen bin. Aber das verrate ich jetzt nicht, wer das war“, so Silvia Pleiß.

Alle drei sind sich einig, dass diese sechs Wochen eine komplette „andere Welt“ sind. Die Arbeit an der frischen Luft, der Umgang mit Künstlern, die sich in der Burg sehr wohl fühlen und ein Team, das perfekt und sehr freundschaftlich zusammenarbeite, das fühle sich einfach großartig an. An diesem Wochenende endet der kulturelle Freiluft-Spaß schon wieder – mit einem beim Betreuerinnen-Team besonders beliebten Künstler: Konstantin Wecker. (zcol)

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