Ein Virtuose mit der Klarinette

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Giora Feidman verzaubert das Publikum mit wunderschönen Melodien.

Dreieichenhain - Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so still ist es im Burggarten. Langsam schreitet Giora Feidman den Mittelgang der Tribüne herunter und spielt auf seiner Klarinette eine traurige Melodie. Von Manuel Schubert

Gebannt richten sich die Blicke auf den kleinen Mann im grünen Sakko, der sein Instrument so sanft und mit so viel Gefühl zum Erklingen bringt, dass man es kaum hört. Es ist der Auftakt zu einem tollen Burgfestspielabend, bei dem drei Ausnahmemusiker ihr Können unter Beweis stellen.

Der 76-jährige Feidman lebt den Klezmer, die Volksmusik der osteuropäischen Juden. Elemente der Klassik und des Jazz erweitern das Klangspektrum - Feidman hat mit seinen Kompositionen einen ganz persönlichen Musikstil kreiert.

Auf der Bühne führt einem der gebürtige Argentinier vor Augen, was für ein tolles Instrument die Klarinette eigentlich ist: Meistens so leise wie ein Flüstern, hin und wieder schrill wie eine Trompete holt er alles aus der Klarinette heraus. Feidman ist ein Virtuose.

Im Mittelpunkt seines Auftritts stehen die wunderschönen Melodien, mit denen der Musiker sein Publikum verzaubert. Sein Auftritt ist intim und ruhig. Doch genau hier kommen die leisen Melodien zum Tragen und entfalten ihre Wirkung.

Im Zusammenspiel mit dem Publikum

Seine beiden Mitstreiter Enrique Ugarte am Akkordeon und Guido Jäger am Kontrabass halten sich über weite Strecken dezent im Hintergrund. Doch was sie abliefern, ist erste Sahne. Ab und zu überlässt Feidman ihnen das Feld und zieht sich zurück. Mit einem breiten Grinsen und geschlossenen Augen lauscht er dem Spiel der beiden und genießt offensichtlich, was er da hört.

Das tun auch die Zuschauer. Immer wieder sucht Feidman den Kontakt zu ihnen: Er fühle sich als Jude in Deutschland sehr zu Hause, betont der Klarinettist, der schon oft in Dreieichenhain Halt machte. Dies sei nicht überall auf der Welt der Fall. Immer wieder bittet er die Zuschauer, die Melodien seiner Lieder mitzusingen und freut sich, wenn der Klang aus vielen Kehlen den Burggarten erfüllt.

Gegen Ende zieht sich das Programm ein wenig: Viele der Lieder ähneln einander und es gibt kaum noch Überraschungen. Doch wenn man Feidman spielen sieht, ist es eine wahre Freude. Selten erlebt man einen Künstler, der seine Musik so sehr fühlt. Er erfreut sich nicht an seinem eigenen Können, sondern an der Musik, die auf der Bühne entsteht.

Nach zwei Stunden taucht man wieder auf aus der Welt der fernöstlichen Musik. Die Melodien aus Feidmans Klarinette kriegt man nicht so schnell aus dem Kopf. Nach solch einem Musikerlebnis kann man einen kleinen Ohrwurm jedoch verkraften.

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