Durchbruch in Sachen Sicherheit

Burggarten: Zweiter Ausgang als Fluchtweg

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Sollte es im Burggarten zu einem Notfall kommen, können Besucher das Gelände nicht nur über die Burgbrücke, sondern auch über einen zweiten Ausgang verlassen. Er entsteht an der Stelle, an der früher eine Pforte war. Von außen wird eine Treppe angedockt.

Dreieichenhain - Die Thematik treibt die Verantwortlichen schon seit mehreren Jahren um, bald können sie beruhigter schlafen. Der Burggarten bekommt einen zweiten Ausgang, damit Besucher im Falle eines Falles schnell das Gelände verlassen können. Von Frank Mahn

Bei der Lösung, die sich in den vergangenen Monaten herauskristallisiert hat, ziehen der Geschichts- und Heimatverein (GHV) und die Stadt an einem Strang. Ein zweiter Flucht- und Rettungsweg sei notwendig, untermauert GHV-Vorsitzender Detlef Odenwald. „Es wäre fahrlässig, wenn wir nicht handeln würden.“ Das Unglück bei der Love Parade 2010 in Duisburg mit 21 Toten sei für den Vorstand der Auslöser gewesen, das Thema Sicherheit neu zu überdenken, sagt Odenwald. Überdenken zu müssen. Dem Verein gehört der größte Teil der hochmittelalterlichen Anlage. Mittel zum Erhalt generiert er unter anderem aus Mieteinnahmen, allen voran durch die Festspiele. Bei Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt, Kerb oder Töpfermarkt ist die Zahl der Besucher auf tausend begrenzt, weil es bislang nur den Zugang über die Burgbrücke gibt. Zum Burgfest kommen alljährlich so viele Leute, dass die Veranstalter einen provisorischen Notausgang installierten, um die Kapazität erhöhen zu können.

Die Suche nach einer Lösung erwies sich als problematisch. Gegen einen zunächst angedachten Mauerdurchbruch regte sich Widerstand, Odenwald spricht von einer „kleinen Gegenbewegung“. Bei dieser Diskussion sei der Sicherheitsaspekt in den Hinter-, der Denkmalschutz in den Vordergrund getreten, bedauert Odenwald. Manchmal seien Kompromisse erforderlich. Der Vorsitzende, seine Mitstreiter und auch die Verantwortlichen der Stadt sind sich sicher, eine gute Lösung gefunden zu haben. Der zweite Ausgang (kein Eingang) wird in der nördlichen Burgmauer zur Solmischen-Weiher-Anlage hin entstehen.

Bis dahin war es ein weiter Weg. Mehrere Gutachten wurden eingeholt, unter anderem, um zu sondieren, wo ein Eingriff in die Bausubstanz aus Gründen des Denkmalschutzes möglich ist. Das Entfernen des Efeus förderte dann eine Überraschung zutage: In der Mauer gab es schon einmal einen Durchlass. „Er ist vermutlich im frühen 19. Jahrhundert zugemauert worden“, sagt Professor Frank Oppermann, im GHV-Vorstand Experte für Denkmalschutz. Es sei nicht bekannt gewesen, dass es dort eine Pforte gegeben habe, aber sie entpuppte sich als Glücksfall. Denn: Gutachter, die Untere Denkmalschutzbehörde beim Kreis Offenbach und das Hessische Landesamt für Denkmalpflege gaben ihr Okay, den Notausgang an dieser Stelle zu schaffen. Verein und Stadt haben sich auf den Terminus „Reaktivierung“ des früheren Zugangs verständigt. Vor ein paar Wochen erteilte der Kreis Offenbach die Baugenehmigung.

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Mit der Planung wurde das Büro Jourdan & Müller beauftragt, das auch die Sanierung der Burgkirche begleitet. Heute soll die Einrichtung der Baustelle erfolgen. Die Arbeiten sind umfangreich, weil es Niveau-Unterschiede zu bewältigen gilt. So wird von außen eine Treppe angedockt, eine „luftige, leichte Metallkonstruktion“, wie Oppermann betont. Sie wird aus Cortenstahl sein. Er hat die Eigenschaft, eine besondere Patina zu bilden.

Das Projekt erfordert auch finanziell einige Anstrengungen. Detlef Odenwald schätzt die Kosten auf etwas mehr als 100 000 Euro. Aber der GHV steht nicht alleine da. Die Stadt werde sich über den regulären jährlichen Zuschuss hinaus „angemessen“ beteiligen, sichert Erster Stadtrat Martin Burlon zu. Und auch die „Solidargemeinschaft“ (Odenwald) der Hainer Vereine bringt sich ein. Spätestens bis zum Burgfest im September werde alles fertig sein, schätzt GHV-Bau-Fachmann Helmut Holzmann.

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Der Vorstand ist erleichtert, der städtische Baudezernent auch. „Wir schaffen mit dieser Maßnahme noch mehr Sicherheit für alle Veranstaltungsbesucher sowie Beteiligten, als dies ohnehin bereits der Fall ist. Uns geht es nicht darum, noch mehr Besucher zu gewinnen, sondern im Notfall, gerade bei kulturellen Höhepunkten, bei denen es keine Einlasskontrolle zum Burggarten gibt, geeignete Fluchtwege bieten zu können“, sagt Burlon. Nach aktuellen Berechnungen ist die Räumung des Geländes mit einem zweiten Ausgang in zehn Minuten möglich. Darüber ist auch Bürgerhaus-Chef Benjamin Halberstadt als Veranstalter der Festspiele „sehr, sehr froh“.

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