Kleine Oase im Grünen

Campingplatz Offenthal: Seit 50 Jahren im Besitz der Familie Schönweitz

Rund um die Uhr für ihre Gäste da: Cora und Gerhard Schönweitz übernehmen fast alle Aufgaben auf ihrem Campingplatz selbst – und wohnen auch selbst auf dem Gelände.
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Rund um die Uhr für ihre Gäste da: Cora und Gerhard Schönweitz übernehmen fast alle Aufgaben auf ihrem Campingplatz selbst – und wohnen auch selbst auf dem Gelände.

Seit 50 Jahren gehört der Campingplatz zur Stadt. In dieser Zeit ist er ein festes Stück der Gemeinde geworden.

Dreieich – Der Morgen beginnt gemächlich auf dem Campingplatz Offenthal. Als Gerhard und Cora Schönweitz gegen halb elf zu einem kleinen Rundgang über das Gelände aufbrechen, ist noch kaum ein menschliches Gesicht zu sehen. Die Sonne lugt langsam hinter den hohen Bäumen, die das Gelände einrahmen, hervor, der Wind streichelt die Blätter einer Trauerweide. Aus einem Zelt hört man ein Kinderlachen. Für etwas Aufsehen sorgt nur ein Gast, der heute abreist, seinen Wohnwagen per Fernsteuerung in Schritttempo zum Ausgang navigiert und den schmalen Weg versperrt. „Ich gebe schon Vollgas“, entschuldigt er sich lachend. „Kein Problem!“, entgegnet Inhaber Gerhard Schönweitz.

Stress und Hektik sind hier ohnehin Fremdwörter, in dieser kleinen Oase im Grünen zwischen Offenthal und Dietzenbach, die seit genau 50 Jahren im Besitz der Familie Schönweitz ist. Auch wenn es am Morgen noch eher gemütlich zugeht und sich viele Übernachtungsgäste noch in ihren Wohnwagen verstecken: Man kann sich vorstellen, wie lebhaft es hier an einem lauen Sommerabend oder an einem sonnigen Wochenende zugehen muss. Vor allem die vielen Dauercamper haben ordentlich Arbeit in ihre Grundstücke gesteckt: Hier steht ein Trampolin, da ein Gasgrill. Viele haben Pavillons aufgebaut und aufwendige Beete angelegt, einer sogar Rollrasen verlegt.

Über einen schmalen Pfad zwischen zwei Stellplätzen laufen Gerhard und Cora Schönweitz weiter in Richtung Rezeptionshäuschen. Vor einem Wohnwagen stehen zwei ältere Frauen und plaudern in der Morgensonne, die beiden Inhaber winken ihnen aus einigem Abstand zu. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auch auf dem Campingplatz allgegenwärtig. Der Kontakt zu den Gästen sei aktuell etwas distanziert, erzählt Gerhard Schönweitz. „Das ist schon ein bisschen schade. Die Gemeinschaft ist eigentlich das Schöne hier.“ Ausgerechnet im Jubiläumsjahr.

Schönweitz schließt die Tür zur Rezeption auf, am Eingang hängt eine Plexiglasscheibe als Spuckschutz. Am benachbarten Sanitärgebäude sind Desinfektionsmittelspender und eine Ampel angebracht, die dafür sorgt, dass sich nicht mehr als sechs Personen gleichzeitig im Haus aufhalten. Schönweitz setzt sich und schlägt die Beine übereinander. „Ab und zu muss man jemanden ermahnen, Abstand zu halten“, sagt er. „Aber ansonsten sind wir zufrieden.“ Er klopft dreimal auf den Holztisch. „Wir haben hier noch keinen Corona-Fall festgestellt.“

Für das Ehepaar Schönweitz war das Jubiläumsjahr ein sonderbares. Von Mitte März bis Mitte Mai blieb der Campingplatz komplett geschlossen. „Gespenstisch“ sei das gewesen, sagt Gerhard Schönweitz, der mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern selbst in einem Bungalow auf dem Platz wohnt. Doch immerhin: Im Sommer, nach der schrittweisen Öffnung, lief es ausgezeichnet. Camping-Urlaub biete sich zurzeit an, findet Schönweitz. „Man ist viel draußen und muss nicht viel Kontakt zu anderen Leuten haben. Davon werden wir noch profitieren.“ Der Fortbestand des Betriebs war indes nie in Gefahr. „Wir sind ohne fremde Unterstützung durch die Krise gekommen“, betont Schönweitz, nicht ohne Stolz.

Offenthal ohne Campingplatz, das wäre auch gar nicht vorstellbar. 1970 haben Gerhard Schönweitz’ Eltern das 32 000 Quadratmeter große Grundstück gekauft, das zuvor schon zehn Jahre lang als Campingplatz genutzt worden war – und davor, in den Fünfzigern, Heimat einer Hühnerfarm. 1983, nach einer kaufmännischen Lehre und einem BWL-Studium, stieg Gerhard Schönweitz in den Betrieb ein. 1990, als er seine Cora heiratete, zogen sich die Eltern – beide sind mittlerweile verstorben – langsam zurück.

Heute übernehmen Gerhard und Cora Schönweitz fast alle Aufgaben, die auf ihrem Platz anfallen, selbst. Sie haben einiges ausgebaut und modernisiert, neuestes Angebot ist ein kleines Zwei-Zimmer-Apartment – „für Leute, die mal ausprobieren wollen, ob Camping was sie ist“, erklärt Cora Schönweitz. 105 Stellplätze gibt es, 75 für Dauercamper, 30 für Touristen, dazu ist auf einer Wiese Platz für fünf bis zehn Zelte. Macht um die 7000 Übernachtungen pro Jahr, da fällt natürlich einiges an Arbeit an. „Irgendwer will immer was“, sagt Cora Schönweitz und lacht. „Feierabend gibt’s hier nicht.“ Auch Dinge wie der Verkauf von Apfelschorle und Zahnpasta im kleinen Kiosk oder die Reinigung des Swimmingpools gehören zum Arbeitsalltag.

Und manchmal wird Gerhard Schönweitz auch zum Touristenführer. Neulich war ein Ehepaar aus Berlin zu Gast und fragte nach Tipps. Schönweitz empfahl einen Besuch an der Alten Oper, der Neuen Altstadt in Frankfurt, der Burg Hayn oder des Klosters in Seligenstadt, dazu vielleicht ein hessisches Essen im Gasthaus Alte Burg. „Und was haben sie gemacht? Sie haben alles gemacht! Und sie waren begeistert“, erzählt Schönweitz. „Es ist schön, wenn man den Leuten die Gegend ein bisschen vorstellen kann.“ (Von Manuel Schubert)

Klares Wasser: Auch das Säubern des Swimmingpools gehört zu den täglichen Aufgaben.
Grünes Licht: Eine Ampel sorgt dafür, dass nicht zu viele Leute gleichzeitig das Sanitärgebäude betreten.

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