„Mehr Geld für alle!“

Rundumschlag gegen die Finanzwelt

Dreieich - Geld allein macht nicht glücklich, so sagt man. Aber Steuerfahnder Siegmund von Treiber alias Chin Meyer weiß, „dass man mit Geld wesentlich leichter leidet als ohne“. Von Sina Gebhardt

Deshalb die Forderung des Finanz-Kabarettisten: Mehr Geld für alle! Und zwar gut gelaunt! Mit seinem Programm „Der Jubel rollt“ gastierte er im gut besuchten Bürgerhaus Sprendlingen und bewies sich als exzellenter Entertainer.

So stellt man sich den gemeinen Steuerfahnder vor: Anzug, Aktentasche, Hornbrille. Nicht unbedingt der sympathischste Zeitgenosse. Chin Meyer schlüpft in seinem Programm in die Rolle von Siegmund von Treiber und holt zum Rundumschlag gegen die Finanzwelt und darüber hinaus aus. Kritisch, analytisch und mit einer guten Portion schwarzen Humors beleuchtet er Steuerhinterziehung, Subventionen, Datensicherung und politische Skandale. Kurze, bizarre musikalische Darbietungen und „Tagebucheinträge aus dem Leben eines Finanzbeamten“ sorgen für die nötige Abwechslung und zeigen eine ganz andere Seite des prosaischen Staatsdieners.

Politischer Aspekt kommt nicht zu kurz

Der unterhaltsam-lehrreiche Informationsabend nimmt seinen Lauf, wenn Meyer die Zuschauer über die Bedrohung von „Taliban-Bambis“ aufklärt, eine Liste der in Deutschland vorhandenen Steuern runterrattert und anhand der Todesopfer von Krieg und Selbstmord festmacht, dass „ein Spaziergang durch Bagdad sicherer ist als ein Abend allein daheim.“ Als Marketingprofi Jack aus Amerika wird dann noch kurzerhand das Image der Behörde aufpoliert, aus dem Finanzamt die „Cashagency“ gemacht und die Steuererklärung in „science fiction document“ umbenannt, denn was da drin steht, ist sowieso frei erfunden.

Auch der politische Aspekt kommt nicht zu kurz, sodass Wulff und Co. ebenfalls ihr Fett wegkriegen. Bei so vielen Skandalen fragt sich Meyer, welche ungeahnten Machenschaften wohl noch ans Licht kommen („Sigmar Gabriel – heimlich kompetent.“). Aber es gibt auch gute Nachrichten, denn wer sich schon sorgt, woher die Gelder für Rettungsschirme und Steuergeschenke herkommen, wird beruhigt: Erst unsere Ur-ur-urenkel müssen zahlen, erklärt der Berliner boshaft, und „wenn die Bevölkerungsentwicklung so weitergeht, ist das sowieso ein türkisches Problem.“

Interaktion mit dem Publikum

Der Kabarettist legt viel Wert auf Interaktion mit dem Publikum und beweist sich dabei zu spontaner Komik fähig. Auf die Frage „Wie kommt man an Geld?“ reagiert die gut aufgelegte Zuhörerschaft mit zahlreichen Ideen, auf die der Humorist die richtige Reaktion weiß: „Drei kriminelle Vorschläge, keiner von Ihnen sagt was, aber einer sagt/meint ,arbeiten‘ und es gibt Gelächter.“

Chin Meyer besticht durch intelligenten Witz, eloquente Ausdrucksweise und sein nüchternes Auftreten. Für seinen scharfsinnigen Humor erntet er viele Lacher und Zwischenapplaus sowie lang anhaltende Ovationen am Ende. Einziges Manko ist seine Zugabe, die im Vergleich zu der ansonsten mitreißenden Vorstellung leider nur schwach ausgefällt.

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