Clowndoktoren im Haus Dietrichsroth

Lächeln in die Herzen zaubern

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Die rote Nase darf nicht fehlen: Constantin Offel als Dr. Johannis Krauf weiß, wie er ein Lächeln auf die Gesichter seiner „Patienten“ zaubert. Das Haus Dietrichsroth ist das erste Pflegeheim in Stadt und Kreis Offenbach, das die Clown Doktoren engagiert.

Dreieichenhain - Frau Dr. Löwenzahn war zufrieden: Als Elisa Friedrich in ihrer Rolle als Clown Doktor nach ihrer ersten Visite im Haus Dietrichsroth ihre Sachen einpackte, den weißen Kittel auszog und ihre rote Clown-Nase absetzte, war das passiert, was die Clown Doktoren sich immer wünschen:

„Ich habe schon einige Lächeln in den Herzen gesehen.“ Zum ersten Mal waren Elisa Friedrich und ihr Kollege Constantin Offel als Dr. Johannis Kraut in einer Wohngruppe des Dreieichenhainer Altenpflegeheims zu Gast, um die 13 dementen Bewohner emotional zu erreichen, ihnen Hoffnung und Lebensmut zu geben. Ermöglicht hat diesen und die kommenden Besuche der Clown Doktoren im Haus Dietrichsroth die vorweihnachtliche Spendenaktion des Vereins Bürgerhilfe Dreieich. Hauptsächlich Leser unserer Zeitung haben so viel Geld zur Verfügung gestellt, dass die rund 6000 Euro für die Besuche der therapeutischen Spaßmacher gesichert sind.

Mit Besuchen der Clown Doktoren in einem Altenpflegeheim nimmt das Haus Dietrichsroth in Stadt und Kreis Offenbach eine Vorreiterrolle ein. Solch ein Angebot gehört natürlich nicht zum Standard-Programm welches Pflegeheims auch immer, wird von keinem Heimträger und keiner Pflegekasse finanziert.

Für die beiden Clown Doktoren, die zum Wochenbeginn ihre erste Visite bei den Bewohnern des Heims machten, stellt die Beschäftigung mit an Demenz Erkrankten eine gewaltige Herausforderung dar. Man könne sich, sagt Elisa Friedrich als Dr. Löwenzahn, auf nichts im Detail vorbereiten, weil man nie wisse, wie die Reaktionen aussehen, ob es möglich ist, die „Patienten“ zwischen 70 und 103 Jahren zu erreichen. Die sitzen zunächst auch recht teilnahmslos am großen Tisch ihres Gemeinschaftsraums – mit wenigen Ausnahmen fast schon apathisch.

Clowndoktoren belustigen Senioren

Die Clowndoktoren haben Bewohner des Pflegeheims Haus Dietrichsroth in Dreieich besucht. Dort sorgten sie für Spaß und Heiterkeit.

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Dr. Löwenzahn und Dr. Johannis Kraut haben ihre Utensilien dabei: das Kostüm, die rote Nase, Dosen mit Flüssigkeit, mit denen man Seifenblasen machen kann, eine Violine und mehr – verpackt in einem überdimensionalen Koffer. Bevor sie sich der Reihe nach mit den Bewohnern beschäftigen, mit ihnen ins Gespräch kommen (es zumindest versuchen), haben sie sich zuvor bei Wohngruppenleiterin Jihong Zhou darüber informiert, wer überhaupt ansprechbar ist, wer sich wie gut oder wie schlecht an diesem Tag fühlt, ob man auf Besonderheiten Rücksicht nehmen muss.

Die ersten Reaktionen auf die Späße der Clown Doktoren mit den Bewohnern lassen dann auch gar nicht so lange auf sich warten. Eine Frau glaubt plötzlich, den beiden Protagonisten Ansagen machen zu müssen, trägt ihnen auf, was sie tun und was sie lassen sollen. Als sie allerdings nach knapp zwei Stunden danach gefragt wird, wie ihr die Doktoren gefallen haben, weiß sie gar nicht mehr, dass die bei ihr gewesen sind.

Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus: Einmal sind es die Seifenblasen, die ein Lächeln auf ein Gesicht zaubern, dann sind es die Verrenkungen und Kopfstände von Constantin Offel, die bei einigen Bewohnern die anfängliche Apathie lösen. Offel und Friedrich haben im Laufe der Jahre gelernt, wie sie auf demente Menschen eingehen müssen; sie wissen, dass es manchmal reicht, einfach die Hand zu halten, dass sie manchmal aber auch ganz dick auftragen müssen mit ihren Späßen, um die Menschen zu erreichen.

Käthe Drees gibt Initialzündung

Als Dr. Löwenzahn die Violine auspackt und einige Melodien anstimmt, entsteht urplötzlich gemeinsamer Gesang. Viele der 13 „Patienten“ erinnern sich an das Lied „Muss i denn zum Städtele hinaus…“ und singen laut mit. Und ebenso plötzlich greift einer der Bewohner zu seinem Schifferklavier und unterhält die Runde zusammen mit den Clown Doktoren auf seine Weise. Elisa Friedrich und Constantin Offel sind nicht überrascht, denn sie wissen: Musik ist immer ein gutes Mittel, um demente Menschen „aufzutauen“.

Und wer nicht zu reagieren vermag, der beobachtet das Geschehen zumindest aufmerksam. So etwa die 103-jährige Sophie Kieser in ihrem Rollstuhl. Pflegedienstleiterin Erika Gems weiß: „Auch wenn sie sich nicht beteiligt, sie ist interessiert und verfolgt alles.“ So ist es auch bei einigen anderen. Aber, finden Jihong Zhou und Erika Gems gleichermaßen: „Es ist schon erstaunlich, wie schnell die Clown Doktoren es bei einigen geschafft haben, aufzumachen.“ Die Visiten, sagen Gems und Zhou, sind jedenfalls hoch willkommen, denn aus eigenen Mitteln könnte das Pflegeheim ein solches Projekt nicht finanzieren.

Die Clown Doktoren besuchen das Haus zunächst einmal im Monat. Ob das Programm über das Jahr hinaus fortgesetzt wird, ist nicht zuletzt eine Frage der Finanzen der Bürgerhilfe Dreieich. Die Kosten für die erste Visite hat die Vorsitzende der Bürger-Aktive „Die Uhus“, Käthe Drees, übernommen. Sie ist auch diejenige, die schon 2012 die Initialzündung dafür gegeben hatte, die Clown Doktoren ins Haus Dietrichsroth zu holen.

es

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