Anker im Leben vieler Familien

Clubarbeit der Behindertenhilfe ist vorbildlich in der Region

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Beim Karnevalverein Die Bremser trägt Niels auch mal die Fahne oder packt anderweitig mit an. „Das ist gelebte Inklusion“, sagt Heidi Schäfer. Ein Herzenswunsch der 54-Jährigen ist, dass sich mehr Unternehmen auf Behinderte einlassen.

Dreieich - Die städtische Behindertenhilfe leistet seit 35 Jahren Vorbildliches. Unter ihrer Regie firmieren fünf Clubs, in denen Menschen mit Handicap ihre Freizeit verbringen. Zudem organisiert das Team Urlaubsfahrten, die sehr beliebt sind. Von Frank Mahn

Finanzielle Unterstützung leistet dabei ein Förderverein. Dessen lobenswerter Arbeit kommt der Erlös der Spendenaktion zugute, die Bürgerstiftung und unsere Zeitung gemeinsam aufs Gleis gesetzt haben. Der Rotstift machte auch vor den Angeboten der Behindertenhilfe nicht Halt. Einsparungen in Folge des Kienbaum-Gutachtens führten zu einer Verkürzung der Sommerfreizeiten von zwei Wochen auf eine. Statt zu hadern, ergriffen engagierte Eltern die Initiative und gründeten 2014 den Förderverein Behindertenhilfe Dreieich. Durch vielfältige Anstrengungen ist es den Akteuren gelungen, den einen oder anderen zusätzlichen Urlaubstag zu finanzieren.

Die Freizeiten sind für die knapp 80 Behinderten in den fünf Clubs, sie sind nach Altersgruppen gestaffelt, extrem wichtig. Viele könnten von Ferien sonst nur träumen. Doch auch die Eltern brauchen regelmäßig eine Auszeit, um den Akku aufzuladen. Erziehung und Betreuung eines behinderten Kindes kosten sehr viel Kraft.

Heidi Schäfer ist dankbar, dass es die Behindertenhilfe gibt. Deshalb war sie beim Förderverein von Anfang an dabei, inzwischen ist sie dessen Vorsitzende. Die 54-jährige Sprendlingerin ist alleinerziehend, Ehemann Berthold starb 2009 an Krebs. Sohnemann Niels ist inzwischen 21 und besucht eine Behindertenwerkstatt in Mörfelden-Walldorf. Seit Kurzem wohnt er wieder daheim, nachdem er zuvor zwei Jahre im Hochheimer Antoniushaus lebte, einer Einrichtung für behinderte Menschen, an die ein Internat angeschlossen ist.

„Ich möchte, dass er möglichst selbstständig ist. Die Zeit in Hochheim hat ihm gutgetan, er ist dadurch viel selbstbewusster geworden“, sagt Schäfer. Im Antoniushaus wohnte er in einer WG, erledigte Einkäufe und kochte im Team. Die Bewohner lernen dort alles, was für das tägliche Leben von Bedeutung ist. Nach mehreren Praktika hat Niels einen Berufswunsch: Er möchte „Alltagshelfer“ in einer Kita werden. Zudem hofft er, eine Freundin zu finden und träumt davon, eine eigene Wohnung zu beziehen.

Die Behindertenhilfe Dreieich ist seit zwölf Jahren ein Anker für die kleine Familie. Niels stieg mit neun Jahren bei den Kleinen Strolchen ein, danach war er im Teenie-Club, jetzt ist er bei den Zugvögeln. Und auch wenn Mutter und Sohn häufig gemeinsam in Urlaub fahren, freut Niels sich doch immer riesig, wenn es mit dem Club auf große Fahrt geht. Heidi Schäfer erinnert sich noch gut daran, als der Filius das erste Mal mit den Strolchen auf Reisen war. „Als er zurückkam, kam er aus dem Schwärmen kaum noch raus.“

Sportfest für Schüler mit Behinderungen: Bilder

Die Bürgerstiftung Dreieich und unsere Zeitung haben sich dieses Jahr entschlossen, den Förderverein in seiner segensreichen Arbeit zu unterstützen. Als Plattform dafür dient die Aktion „Wünsch Dir was!“ Sie fokussiert sich auf die Bedürfnisse der Kleinen Strolche und des Teenie-Clubs. Ein faltbarer Bollerwagen (für Ausflüge), Outdoor-Spielgeräte (Wippe, Kettcar, Doppeltaxi) und ein Ausflug in einen Freizeitpark haben sich die Kinder und Jugendlichen gewünscht. Damit aus der Theorie Praxis wird, brauchen wir Ihre Hilfe. Liebe Leser, schenken Sie Freude mit einer Spende! Im besten Fall kommt so viel zusammen, dass sich als Sahnehäubchen noch ein weiterer Urlaubstag finanzieren lässt.

Das Konto der Bürgerstiftung bei der Volksbank Dreieich hat die IBAN DE28 5059 2200 000 5059321; bitte den Hinweis „Wünsch Dir was!“ nicht vergessen. Jeder Spender bekommt eine Spendenquittung ausgestellt.

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