Clubs sind ein Stück Heimat

Städtische Behindertenbetreuung fördert selbstbestimmtes Gestalten der Freizeit

Das Angebot sucht seinesgleichen in der Region: Die städtische Behindertenbetreuung in Dreieich offeriert Menschen mit Handicap umfangreiche Leistungen.

Dreieich – Das Angebot sucht seinesgleichen in der Region: Die städtische Behindertenbetreuung offeriert Menschen mit Handicap umfangreiche Leistungen. Ursula Zimmermann und Michael Krüger beraten zum Schwerbehindertengesetz, zur Pflegeversicherung und unterstützen Ratsuchende in schwierigen Lebenssituationen. Weitere wichtige Säule ihrer Arbeit neben der Beratung: Die freizeitpädagogische Clubarbeit, die sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer geistigen Behinderung richtet und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

Die 77 Mitglieder der fünf Clubs sind im Alter zwischen sieben und derzeit 72 Jahren aus dem Dreieicher Stadtgebiet, aber auch aus anderen Städten und Gemeinden im Westkreis Offenbach. „Die Platzkapazität der einzelnen Clubs ist abhängig vom individuellen Betreuungsbedarf der einzelnen Teilnehmer. Wir haben in einzelnen Clubs immer mal wieder Plätze frei“, sagt Zimmermann. Aufgrund der hohen Nachfrage gebe es jedoch für einige Clubs der Erwachsenen eine Warteliste, in die sich Interessierte eintragen lassen können. Ursula Zimmermann, hauptamtliche pädagogische Mitarbeiterin, leitet die Betreuungskräfte an, die die Clubteilnehmer bei den Veranstaltungen betreuen, und begleitet diese fachlich. Für die Clubarbeit entstanden im vergangenen Jahr Personalkosten für Betreuungskräfte in Höhe von rund 175 110 Euro (2018: 166 346).

Für die gesamte Behindertenarbeit, Freizeiten und die ganzjährige Clubarbeit waren im Jahr 2019 insgesamt 334 114 Euro zu verbuchen.

„Die Betreuungspersonen bringen ein hohes Maß an Engagement, Verantwortungsbewusstsein, Methodik und vor allem sehr viel Herzblut in ihre Arbeit ein“, erklärt Zimmermann. „Großen Wert legen wir darauf, unsere Mitarbeiter inhaltlich bei der Arbeit zu unterstützen und weiterzubilden, um das hohe Niveau unseres Angebotes sicherstellen und ausbauen zu können.“

Die Kosten des eigenen Konsums bei den Freizeitaktivitäten und einen Teil der Kosten für die Clubfreizeiten bestreiten die Mitglieder weiterhin selbst. Seit 2014 müssen sich die Clubbesucher zusätzlich mit einer monatlichen Teilnahmegebühr von zehn Euro an den Kosten beteiligen. Der Stadt-Zuschuss deckt weitere Kosten, etwa für die Betreuungskräfte.

Die Inklusion spielt ebenfalls eine große Rolle. Ein Projekt der Clubarbeit, das eine Wiederholung verdient habe, hebt das Team der Behindertenbetreuung da anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts 2019 noch einmal besonders hervor: „Natur trifft Kunst trifft Hip-Hop.“ In Kooperation mit dem Jugendbildungswerk des Kreises Offenbach und der Heinrich-Heine-Schule startete im April 2018 dieses Inklusionsprojekt. Unter dem Motto trafen sich zwölf Schüler des Kurses Service Learning der Heine-Schule mit den Teilnehmern des Teenie-Clubs.

Die Projektinhalte hatten alle Teilnehmer selbst festgelegt und erarbeitet. In dem Kurs lernten sich die Jugendlichen kennen und arbeiteten kreativ zusammen. Je nach Interesse und Fähigkeit wurden die verschiedenen Projektelemente „Natur“, „Kunst“ und „Hip-Hop“ bei den Treffen mit unterschiedlichen Methoden bearbeitet. Den Abschluss bildete ein erstes „Inklusives Jugendkulturfestival“ im Bürgerhaus in Dietzenbach. Alle konnten auf der Bühne ihre Ergebnisse präsentieren, Stände luden zum Mitmachen ein.

Jeder Club hat zusätzlich zur regelmäßigen Arbeit in Dreieich im vergangenen Jahr den Besuchern eine Freizeit angeboten. Die Kosten hierfür beliefen sich 2019 für die 64 Teilnehmer auf etwa 84 570 Euro (2018: 78 249 Euro, 62 Teilnehmer). Die Stadt bezuschusste die Arbeit der Behindertenbetreuung für die Clubfreizeiten im Jahr 2019 mit 19 209 Euro.

Die Teilnehmer an Freizeiten, deren Herkunftskommunen die verbleibenden Kosten (zwischen 500 und 1300 Euro) nicht oder nur zum Teil tragen, müssen diese Kosten selbst tragen. Dies betrifft derzeit zehn Clubbesucher anderer Kommunen.

Bei den Freizeiten kommt dem Förderverein, der die Behindertenbetreuung tatkräftig inhaltlich wie finanziell unterstützt, große Bedeutung zu. Gestartet als eine Elterninitiative, gründete sich 2014 der Förderverein. Und auch 2019 konnten sich dadurch die Freizeitteilnehmer der drei Erwachsenenclubs über je einen Tag Verlängerung der Freizeit freuen, der vom Förderverein mit einem Betrag von 7411 Euro finanziert wurde. „Wir freuen uns, dass der Verein dies ermöglicht, denn im Rahmen des Projektes Schuldenbremse haben wir als eine Maßnahme zur Kostenreduzierung in der Behindertenbetreuung, die eine freiwillige Leistung der Stadt ist, die Freizeiten für die Erwachsenen von 13 auf acht Tage verkürzt“, erläutert Zimmermann.

Bürgermeister Martin Burlon zeigt sich überzeugt von dem integrativen Konzept der Arbeit für Menschen mit Behinderung: „Wir ermöglichen damit schon seit vielen Jahren insbesondere Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Behinderung, ihre Freizeit mit Assistenz selbst zu gestalten“, sagt Burlon. 

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