Auf Sparflamme

Wegen Corona: „Kerb light“ in Dreieich

Kerb, Dreieich, Festzelt, Feiern
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Ein Bild aus besseren Zeiten: Dass viele Menschen auf engem Raum zusammen feiern, ist momentan ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Kerb im Stadtteil Sprendlingen in Dreieich fällt im gewohnten Ausmaß wegen der Corona-Krise flach. Trotzdem soll ein kleines bisschen Kerb-Feeling zu spüren sein.

Dreieich – Es waren rauschende Partys, die in den vergangenen Jahren auf dem Kerbplatz an der Mittelstraße in Dreieich gefeiert wurden. Seit die Kerb 2016 zu ihrem 300-jährigen Jubiläum aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde, ging dort Mitte August regelmäßig fünf Tage lang die Post ab. Music- und Showacts lockten an den Abenden Tausende von Besuchern ins Zelt. In diesem Jahr bremst Corona das Sprendlinger Kerbteam aus. Volksfeste sind untersagt. Vom 14. bis 18. August gibt’s deshalb nur eine „Kerb light“.

Das Virus und die damit einhergehenden Verordnungen ließen dem Kerbteam keine andere Wahl, wie Vorsitzender Olli Bohrer sagt. Virtuelle Aktionen, wie an Pfingsten in Dreieichenhain bei der „Stillen Kerb“, sind nicht vorgesehen, so Bohrer weiter. Ein bisschen Kerbfeeling sollen die Sprendlinger allerdings spüren. „Wir werden wie in den Vorjahren die Stadt schmücken und Fahnen aufhängen“, kündigt der Vorsitzende an. Auch der Verkauf von Kerbbäumchen ist geplant. Das übernehmen 21 Kerbborschen. Der gemischte Jahrgang – der jüngste ist 25, der älteste 53 – hat seinen großen Auftritt erst im nächsten Jahr. Sie alle wollen nach Bohrers Worten 2021 wieder mitmachen.

Normalerweise ist dem bunten Treiben an der Mittelstraße ein „Warm-up“ auf dem Lindenplatz vorgeschaltet. Am 25. Juli sollte Eine Band namens Wanda den Besuchern zu Füßen der Erasmus-Alberus-Kirche einheizen. Daraus wird aufgrund der Corona-Vorgaben nichts. Die Gruppe soll im nächsten Jahr auftreten. Das trifft auch auf alle Bands zu, die vom 14. bis 18. August die Leute auf dem Festplatz unterhalten sollten. Dazu zählen Die Junx aus Hamburg, die Frankfurter Oktober Festband und – die Fab Four in ihrer alten Besetzung.

Aufgrund der Pandemie ist das Aufstellen eines Zeltes wie in den vergangenen vier Jahren undenkbar. Olli Bohrer und seine Mitstreiter hegen aber noch die leise Hoffnung, dass die Schaustellerfamilie Hausmann einen Biergarten auf dem Platz an der Mittelstraße öffnen wird. Vor dem Hintergrund der aktuell gültigen Verordnungen – ohne Ausnahmegenehmigung liegt die Obergrenze bei 250 Besuchern – wäre das aus wirtschaftlicher Sicht ein Balanceakt. „Wir hoffen auf eine weitere Lockerung“, sagt Bohrer.

In jedem Fall geöffnet sei die SKG-Gaststätte mit ihrem Garten. „Wir treffen uns dann halt ohne großes Tamtam in der Sporthalle. So war es ja früher auch“, meint Bohrer. Eine Tradition hält das Kerbteam auch im Coronajahr aufrecht: das Aufstellen eines Kerbbaums. „Er wird allerdings kleiner ausfallen als sonst und nicht mit Muskelkraft hochgehievt, sondern mit einem Kran“, so der Vereinsvorsitzende.

Wie in den vergangenen neun Jahren erscheint zudem eine Kerbzeitung, die Anfang August an die Sprendlinger Haushalte verteilt wird. Statt 36 hat sie zwar nur 24 Seiten, ist aber ordentlich bestückt mit Anzeigen. Die sind für die Gewerbetreibenden diesmal kostenlos. „Das soll ein kleines Dankeschön sein an alle, die uns in der Vergangenheit mit Inseraten unterstützt haben“, erläutert Bohrer. Viele seien darüber „total happy gewesen“. Einige hätten auch gespendet. Das Sprendlinger Kerb-Blättsche, verantwortet von Peter Held und Michael Häfner, hat eine Auflage von 4000 Exemplaren. Die Kosten von 3000 Euro gehen voll zu Lasten des Kerbteams.

Am Mittwoch (15.07.2020) teilte der Magistrat mit, dass er sich unter Abwägung aller Belange schweren Herzens dazu entschieden hat, das für 3. Oktober geplante Stadtfest abzublasen. Ein ausführlicher Bericht folgt in unserer morgigen Ausgabe. (Frank Mahn)

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