Von der Pandemie eingeholt

Corona-Alarm an Kita in Dreieich: Quarantäne-Maßnahmen verwundern

Eingang der Kita Schulstraße in Dreieich
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Geschlossen: Die Kita Schulstraße hat den Betrieb vorübergehend eingestellt.

Nachdem sich der Betrieb gerade wieder so halbwegs eingespielt hatte, ist die städtische Kita in der Schulstraße von der Corona-Pandemie eingeholt worden.

  • Corona-Alarm in einer Kita in Dreieich.
  • Ein Vater und sein Kind sind infiziert.
  • Die Einrichtung muss nun komplett dicht gemacht werden.

Dreieich – Nachdem sich der Betrieb gerade wieder so halbwegs eingespielt hatte, ist die städtische Kita in der Schulstraße von der Corona-Pandemie eingeholt worden. Wie berichtet, ist die Betreuungseinrichtung in Sprendlingen seit gestern bis voraussichtlich 4. August geschlossen, nachdem zunächst ein Vater und dann auch eines seiner beiden Kinder positiv auf Covid-19 getestet worden waren. Das Ergebnis für das Geschwisterkind ist nach Angaben von Kreis-Pressesprecherin Sandra-Kristin Klauß negativ ausgefallen. Die benachbarte Krippe Heckenborn ist – nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt – weiterhin offen.

Corona-Alarm in Kita in Dreieich: 60 Kinder und Erzieher in Quarantäne

Die Geschwister hatten die Kita am Montag und Dienstag noch besucht. Am Mittwochmorgen erreichte die Kitaleitung ein Anruf des Kreisgesundheitsamtes mit Hinweis auf den positiv getesteten Vater. Im Laufe des Tages seien dann alle betroffenen Eltern persönlich, telefonisch oder per E-Mail informiert worden, schildert Bürgermeister Martin Burlon den Ablauf. Das Gesundheitsamt empfahl den Eltern, ihre Kinder vorsichtshalber in häusliche Isolation zu nehmen; die Kitaleitung stellte es den Eltern anheim, ob sie ihr Kind bringen oder nicht. Burlon sieht darin nicht zwangsläufig einen Widerspruch.

Da die Eltern von dem Verdachtsfall Kenntnis hatten, „konnten sie während der Woche eigenständig entscheiden, die Kinder zu Hause zu lassen“. Ein Anlass für eine behördliche Schließung bestehe bei reinen Verdachtsfällen nicht. „In dieser Phase kann niemand vom Betrieb ausgeschlossen werden, es besteht ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Den können wir den Eltern nicht versagen“, sagt der Rathauschef. Der Kitaleitung attestiert er, vorschriftenkonform und umsichtig gehandelt zu haben.

Am frühen Freitagabend änderte sich die Lage grundlegend, als das Gesundheitsamt die Kita über das positive Testergebnis des Kindes unterrichtete. Daraufhin ging laut Burlon noch am Abend eine Rundmail an die Eltern raus, am Samstag setzte sich das Gesundheitsamt mit den betroffenen Familien in Verbindung. Die Behörde ordnete Quarantäne für etwa 60 Kinder und Erzieher an, da sie als enge Kontaktpersonen gelten.

Dreieich: Eltern lassen Corona-Test am Frankfurter Flughafen machen

Eines der betroffenen Kinder ist der Sohn von Kevin und Sarah Knecht. Er muss 14 Tage zu Hause bleiben, seine Eltern und seine Schwester nicht. „Eigentlich müssten auch Eltern und Geschwister in Quarantäne“, meint Kevin Knecht, der an der Informationspolitik von Stadt und Kreis nichts zu beanstanden hat. Eine Ausnahme von der Isolation durfte gestern im Übrigen sein. Die Eltern sind mit ihrem Sohn zum Flughafen gefahren und haben auf eigene Kosten einen Test machen lassen. Das Ergebnis sollte gestern Abend noch vorliegen, entbindet aber selbst im negativen Fall nicht von der Isolation.

Auch Tina Vieweber ist rätselhaft, warum nicht auch Eltern und Geschwister unter Quarantäne gestellt werden. Die Vorsitzende des Stadtelternbeirats nennt ein Beispiel. „Der große Bruder besucht die Kita Schulstraße, die kleine Schwester die Krippe. Jetzt muss der Junge daheim bleiben, das Mädchen theoretisch nicht.“ Wenn schon keine Quarantäne angeordnet werde, sollten wenigstens Tests angeordnet werden, meint Vieweber.

Corona: Bürgermeister von Dreieich führt Online-Tagebuch

Kreis-Sprecherin Klauß verweist auf die fehlende rechtliche Grundlage. Für Kontaktpersonen dieser Kategorie könne nach dem Infektionsschutzgesetz keine Isolation angeordnet werden, sondern lediglich eine Empfehlung, zu Hause zu bleiben.

Martin Burlon mahnt angesichts generell steigender Infektionszahlen weiterhin zu verstärkter Achtsamkeit. Der Bürgermeister führt eigens für die Coronakrise ein Online-Tagebuch, das im Netz unter burlonbloggt.com zu finden ist. (Von Frank Mahn)

Eine Initiative erhebt nach einer Corona-Infektion in einer Kita Vorwürfe gegen den Kreis Offenbach: Familien sollen eingeschüchtert worden sein. Der Kreis weist die Anschuldigung jetzt zurück.

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