"Es läuft doch sehr mühsam"

Corona-Krise: Unterricht Zuhause? Familien am Limit - Eine Mutter erzählt

Die Zeiten für Eltern sind momentan alles andere als einfach. Viele befinden sich im Homeoffice, der Unterricht Zuhause belastet den Alltag. Eine Mutter aus Dreieich berichtet.

  • In der Corona-Krise sind Schulen und Kitas betroffen
  • Wegen Kontaktverbot haben Kinder Unterricht Zuhause
  • Coronavirus*-Pandemie belastet mehr und mehr Familien

Dreieich – Viele versuchen, das Lehren zu Hause so gut es geht umzusetzen, vermissen dabei aber die Unterstützung von Schulen und Lehrern. „So wie es jetzt läuft, ist es doch sehr mühsam“, sagt Friederike Arta, Mutter von drei Kindern.

Unterricht Zuhause: Alltag in der Corona-Krise mit vielen Herausforderungen

Sie berichtet über ihren aktuellen Alltag, der mit etlichen Herausforderungen verbunden ist. Viele Experten regen angesichts der geschlossenen Schulen eine feste Tagesstruktur in den Familien an, die wichtig für den Nachwuchs sei. So hat die Mutter den Tag konsequent geplant – mit Zeiten für Unterricht, aber auch die Freizeit. Der Familie kommt dabei entgegen, dass sie einen großen Garten mit entsprechenden Betätigungsmöglichkeiten hat. „Ich frage mich, wie Familien das ohne einen solchen machen können“, sagt Arta.

Corona-Krise: Jedes Kind geht in andere Schule

Beim täglichen Unterricht in den heimischen vier Wänden kommt dagegen für die Mutter erschwerend hinzu, dass zwei ihrer Kinder auf eine weiterführende und eines in die Grundschule geht – mit ganz unterschiedlichen Anforderungen. Einer ihrer Hauptkritikpunkte ist, dass die Arbeitsaufträge von den Lehrern sehr unterschiedlich kommen, sowohl von der Menge als auch von der Form. „Mal kommen die Aufträge als Wochenaufgabe, mal für drei Wochen und mal alle zwei Tage.“

Hilfreich wäre es auch, wenn sich die Lehrer an feste Zeiten halten könnten. So hätten ihre Jungs beispielsweise montags um 8 Uhr vor wenig Aufgaben gesessen, die erst den Vormittag über oder sogar noch später eintrudelten. Teilweise habe die Familie als Vorgabe nur ein handschriftliches Foto erhalten. Besser sehe es da bei der Grundschule aus, die die Arbeitsaufträge bereits am Sonntagabend verschickt.

Schulschließung wegen Corona: "Das ist nicht leistbar"

Ein weiterer Kritikpunkt von Arta ist, dass einige Lehrer, die sonst nie Hausaufgaben geben, in ihrem jeweiligen Unterrichtsfach nun ein großes Pensum vorgeben. „Mein Eindruck ist, dass davon ausgegangen wird, dass die Kinder die gleiche Zeit und Menge, die sie in der Schule haben, nun daheim lernen soll. Das ist nicht leistbar“, betont die Frau.

Bei mehreren Kindern entwickele sich das in dieser Situation zu einem Fulltime-Job. Und da würden die Schulen es nicht einfacher machen, da sie so unterschiedlich reagieren. So sei es sehr schwer, im Home-Schooling die Zeit richtig einzuteilen, „da wir nicht wissen, was in den einzelnen Fächern noch kommt“. „Die Kinder brauchen planbare Größen, sonst haben sie nie wirklich frei“, sagt die Offenthalerin. Ferner sei ihr aufgefallen, dass selbstverständlich davon ausgegangen werde, dass jeder einen PC/Laptop, Drucker oder Scanner zu Hause habe. Das Smartphone reicht nicht immer.

Unterricht Zuhause: Braucht es Kontrollen?

„Ich habe es noch gut, da ich nicht arbeiten muss“, sagt sie. Doch anders sehe es für Frauen im Homeoffice aus. Zudem stelle sie sich die Frage, wie eher bildungsferne Familien mit der Krise zurechtkommen. „Für keinen ist die Situation leicht und aller Anfang ist schwer, aber es ist wichtig, dass wir auch in diesen Zeiten über Strukturen nachdenken. Sollten die Schulen geschlossen bleiben, muss über die einheitliche Vergabe von Arbeitsaufträgen und deren Kontrolle zwingend nachgedacht werden.“ Sie habe einige Lehrer ihrer Kinder sowie den Direktor der weiterführenden Schule über ihre Kritikpunkte informiert.

In den nächsten Tagen wollen wir bei Schulen nachfragen, wie sie mit der Situation umgehen und welche Vorschläge sie haben.

VON HOLGER KLEMM

Kontaktsperren und Homeoffice: Die Corona-Krise hat die Regionen rund um Offenbach, Hanau und Darmstadt fest im Griff. Wir berichten über die aktuellen Entwicklungen. 

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Rubriklistenbild: © Foto: Antti Aimo-Koivisto/Lehtikuva/dpa

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