Kind mit Vorerkrankung

Familie aus Dreieich erhält Testergebnisse zu Coronavirus – Sie war in Risikogebiet 

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Seit die Familie mit Symptomen aus dem Urlaub zurückgekehrt ist, wartet sie auf den Coronavirus-Test - auch die vorerkrankte Tochter (Symbolbild).

Coronavirus in Offenbach: Eine Familie aus Dreieich, die nach einem Besuch in Tirol Symptome aufwies, hat jetzt Gewissheit.

  • Eine Familie kehrt mit Symptomen des Coronavirus Sars-CoV-2 aus Tirol zurück.
  • Inzwischen gibt es Gewissheit.
  • Eine Ärztin aus Frankfurt half beim Test auf das Coronavirus.

Update vom Sonntag, 22.03.2020, 19.47 Uhr: Eine Ärztin aus Frankfurt, die den Hilferuf von Jürgen Graf gelesen hat, sorgt für Klarheit: Die Dreieicher Familie, die am 13. März krank aus dem Tirol-Urlaub zurückgekehrt war, ist negativ auf das Coronavirus getestet worden. „Wir sind natürlich sehr erleichtert über diese Nachricht.

 Meiner Lebensgefährtin und meiner Tochter geht es auch schon viel besser. Nur unser Sohn hustet noch ziemlich schlimm“, ist Graf froh, dass die Medikamente angeschlagen haben. Der Infekt, der die ganze Familie erwischt hat, war also offensichtlich „nur“ eine ganz normale Grippe.

Familie nach Verdacht auf Coronavirus noch in Quarantäne

Das Gesundheitsamt in Dietzenbach hat sich jeden Tag telefonisch nach dem Befinden der vierköpfigen Familie erkundigt. „Überhaupt war die Resonanz riesig und wir haben viel Unterstützung bekommen. 

Wenn alles vorbei ist und wir alle wieder richtig fit sind, würde ich gerne etwas davon zurückgeben und helfen, wo Hilfe notwendig ist“, sagt Jürgen Graf. Noch ist die Familie aber in Quarantäne. 

Mädchen mit Vorerkrankung wartet seit Tagen auf Corona-Test

Dreieich – „Ich will wirklich niemanden verrückt machen und auch keine Panik schüren“, betont Jürgen Graf. Aber der Dreieicher möchte die Menschen um sich herum für die Vorsichtsmaßnahmen und die immer umfassender werdenden und aus seiner Sicht äußerst sinnvollen Einschränkungen sensibilisieren. 

Denn er und seine Familie sind schon betroffen von der Quarantäne und den typischen Krankheitsanzeichen. Ob sie tatsächlich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert sind, ist bislang allerdings noch nicht getestet worden.

Verdacht auf Coronavirus Sars-CoV-2 in Dreieich (Kreis Offenbach)

Rückblick: Am vergangenen Freitag brach die Familie ihren Tirol-Urlaub ab, nachdem beide Kinder in Österreich mehrere Tage Fieber und heftigen Husten hatten. „Weder Fiebersaft, Fieberzäpfchen, noch Antibiotika haben angeschlagen“, erzählt der Familienvater. Zuhause in Dreieich angekommen, begibt sich die Familie sicherheitshalber in eine selbst auferlegte Quarantäne

Das Wochenende verbringt Graf mit dem Versuch, die Servicenummer der Kassenärztlichen Vereinigung zu erreichen. Die 116 117 ist dauerbesetzt. Er fliegt immer wieder aus der Leitung oder es kommt der Hinweis, er solle es in ein paar Minuten wieder versuchen.

Am Sonntag bekommt auch seine Lebensgefährtin Fieber. Husten hat das Paar schon seit ein paar Tagen. Am Montagvormittag erreicht Graf endlich einen Mitarbeiter des Gesundheitsamts im Kreis Offenbach. „Er war auch sehr freundlich und ehrlich bemüht, mir zu helfen“, sagt der Dreieicher. 

Die Familie bekommt offiziell eine Amtsanordnung zur häuslichen Isolation. Auf die Frage, ob die Familie einen Test machen könne, erhält Graf die Antwort, dass es derzeit keinen Sinn mache und es an der Situation nichts ändern würde, falls der Test positiv ausfiele.

Dreieich (Landkreis Offenbach): Verdacht auf Coronavirus - Test nicht möglich

Die Lage im heimischen Krankenlager spitzt sich am Montag zu: Die kleine Tochter hat mit obstruktiver Bronchitis eine Vorerkrankung. Ihr Fieber schwankt zwischen 38,5 und 40,2 Grad, sie bekommt schlecht Luft und will nicht essen und trinken. Ein Kinderarzt untersucht das Mädchen, diagnostiziert eine beginnende Lungenentzündung und verschreibt Antibiotika.

„Dafür waren wir schon sehr dankbar, denn er begibt sich damit ja auch in Gefahr einer Ansteckung“, so Graf. Die Ansage lautet dann: weiter in Isolation bleiben und das Kind in die Klinik bringen, falls sich die gesundheitliche Situation weiter verschlechtert. Der Familienvater greift wieder zum Telefonhörer, bringt eine Amtsärztin vom Gesundheitsamt auf den neuesten Stand. Graf wünscht sich einen Test, um Gewissheit zu bekommen. Dieser sei aber derzeit nicht möglich, kein Labor habe mehr Kapazitäten zur Auswertung.

Verdacht auf Coronavirus in Dreieich (Kreis Offenbach): Viel Solidarität und Unterstützung

Dem Sohn geht es inzwischen schon deutlich besser. Auch Graf selbst fühlt sich soweit gut. „Wir haben ganz tolle Nachbarn, die für uns einkaufen und zur Apotheke gehen. Aber dieses Kopfkino, gerade im Hinblick auf unsere Tochter, treibt uns über unsere Belastungsgrenze.“ 

Graf wünscht sich, dass die Leute die Situation ernst nehmen und soziale Kontakte wirklich auf das Notwendigste beschränken. „Panik hilft uns jetzt aber auch nicht weiter. Nur gemeinsam werden wir die Lage in den Griff bekommen können und dazu gehört es, mit Bedacht zu agieren und verständnisvoll zu handeln.“ Er habe viele Anrufe und Mails mit Anteilnahme und Hilfsangeboten bekommen, erzählt Graf. „Die Solidarität ist riesig.“

Verdacht auf Coronavirus Sars-CoV-2: Behörden in Offenbach überlastet

Ursula Luh, Pressesprecherin des Kreises Offenbach, bestätigt, dass das Gesundheitsamt – Stand Dienstagmittag (17.03.2020) – derzeit keine Tests machen kann, weil die Labore überlastet sind. „Aus diesem Grund sind die Zahlen der aktuellen Corona-Fälle derzeit wenig belastbar“, so Luh. 

Weiter heißt es aus dem Kreishaus: Wer aus einem Risikogebiet zurückkommt und eindeutige Symptome zeigt, erhält eine so genannte Absonderungsverfügung und wird damit 14 Tage in Quarantäne geschickt. Der Abstrich wird dann später nachgeholt. Das Gesundheitsamt ist nach Luhs Worten personell verstärkt worden, damit die Anrufe bedient und alle Fälle aufgenommen werden könnten.

Verdacht auf Coronavirus Sars-CoV-2: Erstmal zu Hause bleiben

Die Kassenärztliche Vereinigung sagt auf Anfrage, dass die Anzahl der Anrufe auf der 116117 derzeit den Normalbetrieb um ein Vielfaches übersteige. Dadurch könne es zu einer eingeschränkten Erreichbarkeit kommen. Die KV arbeite mit Hochdruck an Lösungen, um so viele Anrufe wie möglich zu bearbeiten, versichert Pressesprecher Alexander Kowalski. 

Er rät Personen, die entsprechend der Kriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI) ein begründeter Coronavirus-Verdachtsfall sind und die 116117 nicht erreichen können – soweit es ihr gesundheitlicher Zustand erlaubt – zunächst einmal zu Hause zu bleiben und darüber hinaus die Handlungsempfehlungen des RKI zu beachten.

Von Nicole Jost

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