Initiative „Wir für Hier.“ bringt Einzelhändler und Kunden zusammen

Mit Dreieichscheinen Existenzen retten

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Mit Gutscheinen können die Dreieicher lokale Unternehmen unterstützen. (Symbolbild)

Die neue Initiative „Wir für Hier.“ aus Dreieich will in der Corona-Krise Einzelhändler und Kunden zusammen bringen.

Dreieich – Der wirtschaftliche Schaden, den das Coronavirus verursacht, ist nicht abzusehen. Selbst große Unternehmen werden an der Krise schwer zu knabbern haben. Ungleich schwerer wird es für kleine Betriebe, den Kopf über Wasser zu halten.

Sie haben oft kein finanzielles Polster, von dem sie zehren können. Ihnen möchte eine private Non-Profit-Initiative helfen, die sich dieser Tage unter dem Namen „Wir für Hier. “ gegründet hat. Deren Online-Plattform bringt Einzelhändler und Kunden zusammen. Die Initiative wünscht sich, dass viele Dreieicher Gutscheine erwerben und dadurch helfen, lokalen Unternehmen das Überleben zu sichern.

Die Idee stammt von Kevin Knecht, der seit vier Jahren mit seiner Familie in Sprendlingen lebt. Der verheiratete Vater von zwei Kindern kam angesichts vieler geschlossener Geschäfte in der Innenstadt ins Grübeln. Ein Beispiel aus seinem privaten Umfeld: „Meine Tochter wäre megatraurig, wenn der Spielwarenladen nicht mehr öffnen würde.“ Klar. Man könne alles bei großen Versandhändlern bestellen, aber das sei eben nicht das Gleiche.

Seine Idee schilderte er zunächst seiner Frau – die fand sie gut. Über WhatsApp informierte er die Nachbarschaftsgruppe und suchte nach Mitstreitern. Inzwischen besteht „Wir für Hier.“ aus sechs Personen. Neben dem Initiator engagieren sich Dr. Stefanie Bünger-Meyer, Denis Celik, Sarah Knecht, Christian Kolbe und Sarah Reichelt ehrenamtlich für die gute Sache. Innerhalb weniger Tage haben sie ein Konzept entwickelt und eine Homepage an den Start gebracht. Die Gruppe kümmert sich um Gestaltung, Design und Druck der Gutscheine und hilft bei der Vermarktung.

Das Team hofft, dass viele Dreieicher angesichts der dramatischen Situation ein Zeichen der Solidarität setzen. „Geschäfte müssen schließen und regelmäßige Einnahmen bleiben aus, aber laufende Kosten müssen dennoch gedeckt werden. Das ist eine ernsthafte Bedrohung für alle Unternehmen, speziell für lokale Betriebe. Es geht um Existenzen“, sagt Knecht. Dauerhafte Geschäftsschließungen und Insolvenzen seien mögliche Folgen der Corona-Krise.

Mit dem Erwerb eines Dreieichscheins – wie die Initiative die Gutscheine nennt – gibt der Kunde dem registrierten Unternehmer seiner Wahl eine Finanzspritze in selbst festgelegter Höhe. Die Scheine sind in unterschiedlicher Stückelung verfügbar, fünf, zehn, 20, 50, 100 und 200 Euro. Gestern Nachmittag waren unter www.wirfuerhier.org erst zwei Unternehmen registriert, aber das Projekt steht ja noch ganz am Anfang. Von der Homepage führen Links zu den teilnehmenden Betrieben, bei denen dann direkt ein Schein erworben werden kann.

Dass der Bund auch kleine Unternehmer unterstützen will, findet Knecht natürlich gut. Aber aus seiner Sicht braucht es auch die Kunden vor Ort, um den Einzelhandel am Leben zu erhalten. Dabei appelliert die Initiative an die Solidarität jedes einzelnen. Ist die Corona-Krise überstanden, löst der Kunde seinen Gutschein ein. So die Theorie. Eine Garantie gibt’s dafür freilich nicht. „Muss ein Unternehmer sein Unternehmen schließen, wird der Kunde den Gutschein nicht einlösen können“, erklärt Teammitglied und Rechtsanwältin Dr. Stefanie Bünger-Meyer.

Die Initiative könne im Übrigen über die Stadtgrenze von Dreieich hinaus funktionieren. „Sie kann überall umgesetzt werden. Solidarität kennt keine Grenzen“, sagt Sarah Knecht, die für das Marketing verantwortlich zeichnet.

VON FRANK MAHN

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