PROZESS 55-jährige zu 7 200 Euro Geldstrafe verurteilt

Crashfahrt einer Dreieicherin mit drei Promille

Symbolbild Gericht
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Vor dem Langener Amtsgericht ging es um die Alkoholfahrt einer Dreieicherin.

Eine Alkoholfahrt kommt einer Dreieicherin teuer zu stehen. Neben einer Geldstrafe wird ihr für ein halbes Jahr der Führerschein entzogen.

Dreieich/Langen – Eigentlich wollte sie nur das Auto vorm Haus umparken. Mit drei Promille Alkohol im Blut war das keine gute Idee. So schaffte es die 55-jährige Götzenhainerin am Abend des 7. August 2020, innerhalb weniger hundert Meter drei Schäden mit dazu gehöriger Unfallflucht zu kreieren. Als ob das noch nicht gereicht hätte, fuhr sie am nächsten Morgen – ohne Führerschein, den hatte die Polizei abends einkassiert – und mit reichlich Restalkohol das Auto zur Werkstatt.

Und wurde erwischt. Das Ergebnis am Langener Amtsgericht: 7200 Euro Geldstrafe und eine sechsmonatige Führerscheinsperre wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung, unerlaubten Entfernens vom Unfallort und Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Richter Volker Horn würdigte die glaubhafte Reue und Geständigkeit der Frau, die sich bis dato nie etwas zuschulden hatte kommen lassen. Hintergrund des Fehlverhaltens sollen familiäre Probleme gewesen sein, die die Dreieicherin ohne Berührungsängste und ohne Verteidiger offenlegt.

„Mein Chef fuhr mich an dem Tag mit meinem Auto nach Hause, weil ich zwei Flachmänner Wodka geleert hatte“, beginnt die Angeklagte ihre Geschichte. Da er das Auto aber woanders als gewohnt abgestellt hatte, habe sie sich abends entschlossen, es umzuparken. „Ich hab’ absoluten Bockmist gebaut. Es ist nicht zu entschuldigen. Ich schäme mich sehr dafür. Gott sei Dank ist kein Mensch zu Schaden gekommen.“ Sie könne sich das selbst nicht erklären. Jahrelanges Leid mit dem inzwischen erwachsenen Sohn hätten zu einer Dauerbelastung geführt, die auch die Ehe gefährdete. Inzwischen gehe es ihr aber besser.

Schon beim Ausparken touchiert sie das Auto der Nachbarin. Kalkulierter Schaden: 1 200 Euro. Im weiteren Verlauf kommt sie von der Fahrbahn ab und beschädigt den Stahlschutz eines Straßenbaums. Geschätzte Schadensumme: 1000 Euro. Kurz darauf scheitert sie erneut beim Parkmanöver, rammt eine Mauer und ein weiteres Fahrzeug. Bereits beglichene Kosten: 1478 Euro.

Noch am selben Abend nimmt ihr die Polizei den Führerschein ab. Was sie aber nicht daran hindert, sich am nächsten Morgen hinters Steuer zu setzen, um in der Werkstatt den bei der Vorabendaktion kaputt gefahrenen Reifen zu ersetzen. Glücklicherweise diesmal ohne Unfall, aber wieder mit Blutprobe.

Was den Richter stutzig macht, ist die Alkoholmenge. „Mit 0,2 Liter Wodka können Sie selbst mit ihrer Statur unmöglich auf drei Promille gekommen sein. Sind Sie sicher, dass Sie nicht noch etwas anderes getrunken haben?“, fragt Horn. Doch die Frau beteuert, dass da außer einer Flasche Bier nichts gewesen sei. Auch sei sie keine Gewohnheitstrinkerin oder gar abhängig.

So lässt Horn die Sache auf sich beruhen. Die Konsequenzen sind ohnehin schmerzhaft genug. Neben dem erheblichen Problem, wie sie nun weiterhin ohne Auto zur Arbeit in Weiterstadt kommt, summieren sich Geldstrafe, Prozesskosten, Regressforderungen der Versicherungen und die drohende MPU locker auf einen fünfstelligen Betrag. (Von Silke Gelhausen)

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