Online-Kurse kein Ersatz

„Schlicht inakzeptabel“: Vereine hoffen auf Ende des Corona-Lockdowns

Schwebebalken und Trampolin verstauben momentan in der leeren STG-Halle, die der Verein erst im vergangenen Jahr umbauen ließ. Auf eine offizielle Eröffnungsfeier muss die Turngemeinde weiter warten.
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Schwebebalken und Trampolin verstauben momentan in der leeren STG-Halle, die der Verein erst im vergangenen Jahr umbauen ließ. Auf eine offizielle Eröffnungsfeier muss die Turngemeinde weiter warten.

Der Lockdown ist verlängert. Wie gehen die Sportvereine mit dem Beschluss der Bundesregierung um und wie schätzen sie die Aussichten für 2021 ein?

Dreieich – Matthias Matthes ist sauer. „Unser Vereinsgelände ist am Ende des Lockdowns ein Vierteljahr am Stück geschlossen. Das ist schlicht inakzeptabel“, empört sich der Vorsitzende der Sprendlinger Turngemeinde (STG). Am meisten ärgert ihn, dass die Politik keine Konzepte vorlege, die Vereinen zumindest kontaktloses Training ermöglichen. „Man fühlt sich in den vergangenen Monaten wirklich verlassen“, kritisiert Matthes.

Ein paar Monate konnte die Turngemeinde ihre in den vergangenen Jahren sanierte Halle nutzen, bevor es seitens des Kreises hieß: Wieder dichtmachen! Für Matthes schwer zu ertragen. Daher hofft der STG-Vorsitzende, dass Landrat Oliver Quilling auf sein Schreiben reagiert und zeitnah Lösungen für die Vereine anbietet, wie und wann diese ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Für Matthes sind Sport und die Gemeinschaft der Mitglieder schließlich „wichtig für die physische und psychische Gesundheit“.

Corona im Kreis Offenbach: Vereine hofften auf Training und Veranstaltungen

Anke Engel, Vorstandsmitglied der Sportgemeinschaft Götzenhain (SGG), hofft ebenfalls, den Trainingsbetrieb bald wieder aufzunehmen. Je nach Infektionslage hat die SGG sogar schon Veranstaltungen für 2021 geplant. So sind ein Open-Darts-Turnier und die Vereinsmeisterschaft der Sportakrobaten vorgesehen. Für den Vatertag wünsche sich der Verein eine Open-Air-Veranstaltung, berichtet Engel. Eine passende Band habe die SGG bereits.

Für Jürgen Dechert, Sportvorstand des Sportvereins Dreieichenhain (SVD), hat die erneute Verlängerung des Lockdowns „viele Hoffnungen zunichtegemacht“. Er ist sich sicher, dass ein unbefristeter Lockdown für die Sportlerinnen und Sportler des SVD sehr belastend sei. Vor allem für die Basketballer oder Fußballer, da deren Saison „vermutlich schon jetzt gelaufen ist“. Daher hofft auch Dechert, dass die Vereine ihren Betrieb bald wieder aufnehmen können, weiß aber: „Bis die Impfungen ihre Wirkung zeigen, wird noch einige Zeit ins Land gehen.“

Reinhard Arndt ist sich sicher, dass es erst im Laufe des Jahres möglich sein wird, „zu einem normalen Vereinsleben zurückkehren“. Der Vorsitzende der Susgo weiß aber auch, dass viele Mitglieder ungeduldig auf einen Neustart warten. So wollen die Fußballer ihre Saison unbedingt beenden, versichert Arndt, und auch die jüngsten Mitglieder könnten es kaum erwarten, wieder in die Halle und auf den Sportplatz in Offenthal zurückzukehren.

Corona-Lockdown: Vereinsleben findet nicht statt - Mitglieder treten aus

„Vereinsleben findet aktuell gar nicht statt. Das betrübt mich sehr“, sagt Heiko Lenhard, Vorstandssprecher des TV Dreieichenhain. Es falle schwer, den Kontakt zu den Abteilungen und Sportlern zu halten. Finanziell sei der TVD zwar nur wenig beeinträchtigt, da Mitgliedsbeiträge und die Pacht der Vereinsgaststätte einen Großteil der Einnahmen ausmachen. Aber: „Leider verzeichnen wir im Corona-Jahr einen Mitgliederrückgang“, muss Lenhard berichten.

Gerade Kinder würden unter den fehlenden Sportangeboten leiden, meint Bettina Schmidt. Als Vorstandsmitglied bei der SKG Sprendlingen hat sie bereits im vergangenen Jahr festgestellt, dass die Kinder „turnen und sich bewegen wollen.“ Aufgrund der Beschränkungen seien gerade die Heranwachsenden auf der Strecke geblieben. Und auch ein Teil der erwachsenen Mitglieder erwarte, dass der Verein wieder „normale Stunden anbiete“.

Corona Lockdown in Hessen verlängert: Dauert er weiter an „droht allen der Kollaps“

Große Sorgen machen sich die Vorsitzenden von SKG, STG und SVD zudem um die Gastronomie in ihren Vereinsheimen. Obwohl die Vereine ihren Wirten finanziell so gut es geht entgegenkommen: Sollten die Gaststätten nicht bald wieder für Besucher öffnen dürfen, dann – da sind sich die Verantwortlichen einig – droht allen der Kollaps.

Doch es gibt auch Positives zu berichten: Trotz des schwierigen Jahres 2020 und dem erneuten Lockdown zu Beginn des neuen Jahres könne der SVD bereits jetzt einen leichten Anstieg der Mitgliederzahl vermelden, berichtet Sportvorstand Jürgen Dechert. Und auch bei den anderen Vereinen sind die meisten Mitglieder an Bord geblieben. Susgo-Chef Reinhard Arndt ist deshalb davon überzeugt, „dass der Verein die Pandemie gut übersteht“.

Den Vereinen dabei geholfen, ihre Mitglieder zu behalten, haben sicher auch die Trainingspläne und -videos, die Trainer und Kursleiter aufgenommen und an die Sportlerinnen und Sportler gesendet haben. Die Susgo schickte ihren Jugendfußballern per Mail Übungseinheiten, die Jugendkicker der SKG haben gar einen eigenen Youtube-Kanal aufgebaut. Der Verein möchte 2021 zudem für den Kinderturnbereich ein einfaches Trainingsprogramm anbieten. Das ist für Bettina Schmidt allerdings kein gleichwertiger Ersatz zum Training mit den Teamkollegen: „Immer nur Online-Training geht auch bei den besten Sportlern an die Substanz.“ (Joshua Bär)

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