Jürgen Graf hat eine Baumpflanzaktion angeschoben – mit überwältigender Resonanz

Dem Wald auf die Beine helfen

Engagierte Truppe: Jürgen Graf (Vierter von rechts) hat in wenigen Tagen viele Helfer zusammengetrommelt, die ein Stück Dreieichenhainer Wald gemeinsam aufräumen und aufforsten wollen.
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Engagierte Truppe: Jürgen Graf (Vierter von rechts) hat in wenigen Tagen viele Helfer zusammengetrommelt, die ein Stück Dreieichenhainer Wald gemeinsam aufräumen und aufforsten wollen.

Dreieich – Es ist eine großartige Idee, die in Pandemie-Zeiten Mut macht, Gemeinsamkeit schafft und dem sturmgebeutelten Wald von Dreieichenhain nachhaltig hilft: Jürgen Graf hat die Haaner Kerbborschen Waldfreunde (HKB Waldfreunde) ins Leben gerufen. Sein erstes Ziel war es, für die 302. Kerb, die in diesem Jahr still gefeiert wurde, 302 Bäume zu pflanzen. Inzwischen hat ihn die Welle der Hilfsbereitschaft überwältigt: Die Dreieicher sind begeistert von der Idee und die Anzahl der Bäume, für die es Patenschaftszusagen gibt, geht inzwischen weit über die 302 hinaus.

Aber von vorn: Als die Corona-Pandemie Anfang März aufflammt, ist Jürgen Graf sehr beunruhigt. Der Dreieichenhainer ist gerade mit seiner Familie aus einem Hochrisikogebiet vom Skifahren zurückgekehrt und alle liegen krank zu Hause. Graf erfährt in diesen Tagen viel Hilfe: Freunde und Bekannte versorgen die Familie mit Essen und übernehmen Erledigungen. Er selbst ist ständig mit dem Gesundheitsamt des Kreises in Kontakt und letztlich heilfroh, als sich nach einigen Tagen des Wartens herausstellt: Familie Graf ist negativ.

„Das Jahr ging mit dem Virus schwierig weiter, es gab den Lockdown, Homeoffice, die Ungewissheit und unsere Kerb haben wir als Kerbborsche nur als stille Kerb feiern können. Schon lange habe ich das dringende Bedürfnis, mal wieder gute Nachrichten zu hören, Gutes zu tun und auch ein bisschen davon zurückzugeben, was ich in dieser Phase als Hilfe erhalten haben“, schildert Graf die Motivation für die Aktion.

Bei den Kerbborschen-Jahrgängen stößt seine Idee auf Begeisterung und die Männer steigen direkt in die Planung ein. Sie möchten einem Waldstück, das bei dem Unwetter im August vergangenen Jahres zerstört wurde, wieder auf die Beine helfen. Die erste Idee ist, einen Haaner Kerbborschen-Wald zu schaffen. 302 Bäume sollen es sein – für die Kerb in diesem so eigenartigen Jahr.

Graf wendet sich an Bürgermeister Martin Burlon, dieser stellt den Kontakt zum Forstamt in Langen her. Auch dort sind die Verantwortlichen für die Idee zu haben. „Wir wollen nicht bloß Geld spenden, wir wollen selbst helfen, den Wald aufzuräumen und wir wollen beim Pflanzen helfen“, betont Graf, dass die Kerbborschen bereit sind, Zeit und Muskelkraft in das Projekt zu investieren.

Unter dem Stichwort HKB Waldfreunde ist inzwischen in den sozialen Netzwerken eine Gruppe online und Graf kann selbst kaum glauben, was er „angerichtet“ hat: „Ich bin überwältigt von der großartigen Resonanz. Die Leute wollen Bäume spenden und helfen, bedanken sich für die gute Idee und bieten Getränke- und Kuchenspenden für die Arbeitseinsätze an.“ Organisatorisch hat er Unterstützung von der Interessengemeinschaft Haaner Kerbborsche. Ein in den vergangenen Tagen gegründetes Orga-Team koordiniert die nächsten Schritte. Aufgrund der zahlreichen Paten können weit mehr als die ursprünglich angedachten 302 Bäume gepflanzt werden.

„Die ganze Aktion bietet so viele Möglichkeiten, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Wir können die Kinder mit ins Boot holen, es gibt beim Forstamt eine Mitarbeiterin, die sich um Projekte mit Kindern und Jugendlichen kümmert. Aktionen mit Kindergärten und Schulen sind denkbar. Wenn ich darüber nachdenke, können wir gemeinsam eine richtig tolle Sache daraus machen“, freut sich der Dreieichenhainer, dass seine Idee auf so fruchtbaren Boden gefallen ist.

Bevor im November die Setzlinge mit einer Höhe von 50 bis 80 Zentimetern gepflanzt werden können, muss der Wald aber erst einmal aufgeräumt werden. Das ausgewählte Waldstück liegt in unmittelbarer Nähe des Dreieichenhainer Schützenhauses. Die erste Aktion startet am Samstag, 10. Oktober, um 9 Uhr. Wer tatkräftig anpacken oder spenden möchte – Graf spricht explizit auch die in Dreieich ansässigen Unternehmen an – kann sich per E-Mail an hkbwaldfreunde@gmail.com melden. Die Facebookgruppe ist unter HKB Waldfreunde zu erreichen.

Von Nicole Jost

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