Maschinen fliegen mit leisen Elektromotoren

Deutsche Meisterschaften beim Flugsportverein Dreieich

Ab jetzt gilt höchste Konzentration: Viele Piloten lassen sich von einem Partner bzw. einer Partnerin die zu fliegenden Muster soufflieren. Frauen am Joystick sind indes selten.
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Ab jetzt gilt höchste Konzentration: Viele Piloten lassen sich von einem Partner bzw. einer Partnerin die zu fliegenden Muster soufflieren. Frauen am Joystick sind indes selten.

Hohe Auszeichnung für den Flugsportverein Dreieich: Auf dem Gelände in Sprendlingen ging die erste Wertungsrunde in einer Kategorie der Deutschen Meisterschaften über die Bühne.

Dreieich – Es ist höchste Konzentration, die Suche nach der hundertprozentigen Präzision und ein Quäntchen Glück mit den Windbedingungen ist zum Erfolg beim Fliegen mit den Modellflugzeugen ebenfalls nötig. Die Wiese des Flugsportvereins Dreieich, unweit des Sprendlinger Hundevereins, ist an diesem Wochenende kurz gemäht wie ein Golfrasen. Der Verein, der schon seit 1952 besteht, ist Gastgeber für die erste Wertungsrunde der Deutschen Meisterschaften des Deutschen Modellfliegerverbandes Motorkunstflug.

„Wir sind natürlich stolz, dass wir hier auf unserem schönen Platz einen Teil der Meisterschaften ausrichten dürfen“, erklärt Peter Albert, Vorsitzender des Flugsportvereins, selbst seit 50 Jahren Modellflieger. 20 Piloten aus dem ganzen Bundesgebiet sind angereist, um in den drei Klassen Experten, Sportflieger und Hobbyflieger an den Start zu gehen. Deutlich weniger als bei den vergangenen Meisterschaften. „Das liegt daran, dass viele Plätze über die Pandemie gesperrt waren und die Modellflieger nicht üben konnten“, so Peter Albert.

Die maximal zwei auf zwei Meter großen Flugzeuge sind zumeist mit leistungsstarken Elektromotoren ausgestattet, weil sie leiser sind als Verbrennungsmotoren. In aller Regel sind die Modelle nicht selbst gebaut. „Wir kaufen sie fertig, meist vom chinesischen Markt. Ein Flieger kostet zwischen zwei- und viertausend Euro, dazu kommen der Motor und Zubehör, das sind rund 800 Euro on top“, erläutert der Vorsitzende.

Dann geht es auch schon los: Die kunterbunten Maschinen – so farbig, damit man sie in der Luft gut erkennt – starten auf dem ebenen Rasen. Ein fünfköpfiges Wertungsgericht, vergibt die Noten von 0 bis zehn für die geflogenen Figuren, die über einen Katalog genau und in einer bestimmten Reihenfolge vorgegeben sind. Der Pilot steht bei seinem Start mittig auf der Wiese, meist einen Partner hinter sich, der die Figuren ansagen kann und der kleine Ratschläge geben darf. „Dann sind es Details, die über die guten Noten entscheiden“, weiß Albert.

Der Flieger setzt zu einer Acht im Himmel an. Mit zwei Joysticks kann der Pilot Höhenruder, Seitenruder, Querruder und Gas bedienen. Wichtig ist, dass das Flugzeug bei der Acht, beim Bogen nach oben, genau den gleichen Schnittpunkt trifft wie zuvor beim Bogen nach unten. Das Flugzeug setzt zum Steilflug senkrecht nach oben an. Nach etlichen Metern scheint es in der Luft zu stehen. Mit den richtigen Bewegungen an der Fernsteuerung dreht sich die große Maschine in der Luft um 180 Grad und fliegt in der gleichen Geschwindigkeit ebenso senkrecht nach unten. Eine Drehung in der Hochachse nennen die Fachleute diese Figur.

Rund sieben Minuten dauert ein Rundflug, bei dem alles möglichst gleichmäßig, ohne ruppige Übergänge und Windwackler aussehen soll. Die höchste Klasse, die Experten, fliegt zum Pflichtprogramm und einer Kür, bei der die Reihenfolge selbst bestimmt werden kann, zusätzlich eine sogenannte Unbekannte. Dabei bekommen die Piloten die Choreografie erst am Tag des Wettbewerbs und können die Abfolge zuvor nicht üben – eine besondere Herausforderung. Und so sieht man die Piloten konzentriert in ihren Klappstühlen sitzen und mit Miniholzfliegern in der Hand zumindest die Abfolge proben.

Was ist der Reiz des Modellfliegens? „Die Handhabung ist aus technischer Sicht anspruchsvoll. Wir müssen die Aerodynamik im Auge haben und das Flugzeug muss perfekt sein, damit wir es so dirigieren können, dass die Figuren perfekt präzise geflogen werden können“, erläutert Jens Vonhoegen, der aus Aachen zur Deutschen Meisterschaften der Sportklasse angereist ist. „Es ist ein bisschen wie beim Golf, der perfekte Abschlag, oder ein Klavierstück, das man nach langem Üben endlich fehlerfrei und harmonisch spielt“, ergänzt Peter Albert, der in der Expertenklasse am Start ist.

Der FSV Dreieich hat rund 110 Mitglieder – und ist ein Männerklub. „Was ich eigentlich gar nicht verstehe, denn Muskelkraft ist nicht gefragt“, sagt Albert, der gerne ein paar technik- und flugaffine Frauen im Verein begrüßen würde. War die Nachwuchsförderung in den vergangenen Jahren sehr zäh, hat der Verein derzeit ein paar begeisterte Jungs, die regelmäßig zum Training auf den Platz kommen.

Infos im Internet

fsv-dreieich.de

Von Nicole Jost

Was für eine Maschine: Seit 50 Jahren ist Peter Albert begeisterter Modellflieger. Der Vorsitzende startete in der höchsten Klasse.

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