„DFL macht doch immer, was sie will“

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Seit der Hinrunde spielen die Bundesligavereine auch sonntags um 15.30 Uhr - für viele Amateurvereine ein Grund, Klagen gegen die neue Regelung der Deutschen Fußball Liga einzureichen.

Dreieich ‐ Seit der Hinrunde spielen die Bundesligavereine auch sonntags um 15.30 Uhr - für viele Amateurvereine ein Grund, Klagen gegen die neue Regelung der Deutschen Fußball Liga einzureichen. Ihr Vorwurf: Den Amateurvereinen gehen die Zuschauer aus. Wir haben sechs Dreieicher Fußballvereine gefragt, wie sich die neue Regelung bei ihnen auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt hat. Von Christian Endecott

Es war eigentlich ein ganz normaler Sonntag für die meisten Fußballfans im September vergangenen Jahres. Nur das Spiel begann etwas früher als gewohnt in der Commerzbank Arena. Mit fünf verschiedenen Anstoßzeiten hat die DFL nämlich zu Beginn dieser 47. Saison dem Wunsch der Pay-TV-Plattform Sky entsprochen. So auch die ungewohnte Zeit, sonntags um 15.30 Uhr zu spielen. Und als Marco Russ in der 32. Minute den 1:1-Ausgleich für die Eintracht schoss, gab es große Freude bei den Frankfurter Anhängern. Doch auf den Fußballplätzen in Dreieich war die Stimmung nicht besonders groß über den gewonnenen Punkt der Eintracht gegen den Hamburger Sportverein. Denn einige Zuschauer fehlten an diesen Spieltag. Sie waren nämlich entweder in der Commerzbank Arena oder schauten sich das Bundesligaspiel zu Hause an.

„Man merkt schon, dass Zuschauer fehlen, wenn die Eintracht ein Heimspiel hat“, sagt Jochem Liebermann, Fußball-Abteilungsleiter beim SV Dreieichenhain. „Und bei schlechtem Wetter bleiben sie zu Hause und gucken gemütlich Sky oder gehen während des Spiels unserer ersten Mannschaft in der Kreisoberliga Offenbach ins Clubhaus.“

Sollte es künftig öfters Terminüberschneidungen mit der Eintracht geben, will Liebermann Konsequenzen ziehen: „Wenn es sein muss, dann beantragen wir eine Verschiebung unseres Spiels auf einen anderen Tag. Doch einfach ist das nicht.“

Gravierende Unterschiede nicht festzustellen

Nicht viel anders sieht es bei der SKG Sprendlingen aus. „Große Auswirkungen sind nicht zu bemerken, aber ein Unterschied ist nicht zu übersehen,“ beklagt sich Abteilungsleiter Klaus Schmidt. „Viel kann man nicht machen, denn die DFL macht doch immer, was sie will.“ Von 100 Zuschauern seien an dem Spieltag der Gruppenliga Frankfurt Ost etwa 20 nicht gekommen. Einen großen Unterschied mache es nicht aus, aber langfristig könne es dem Verein schaden.

Weniger beklagen kann sich die SG Götzenhain in der Kreisliga A West. „Es gibt nur sehr geringe Auswirkungen bei uns“, erzählt der dortige Abteilungsleiter Andreas David. „Natürlich haben einige Zuschauer und auch Spieler Dauerkarten für die Eintracht, doch gravierende Unterschiede sind nicht festzustellen. Ich kann mir aber vorstellen, dass Amateurvereine, die in den höheren Klassen spielen, ihre Schwierigkeiten damit haben.“ Es komme oft bei der SG Götzenhain vor, dass Zuschauer fehlen, aber es halte sich in Grenzen.

Die neue Regelung der DFL hat auch den SC Buchschlag nicht getroffen. „Wir spielen in der Kreisliga B um den Aufstieg. In großen Strömen kommen die Menschen sowieso nicht, aber unsere Stammkunden sind uns treu geblieben“, so Herbert Salomon, erster Vorsitzender. „Bei uns hat es sich wirklich nicht ausgewirkt.“ Dennoch hoffe die Mannschaft auf mehr Zuschauer, vor allem wenn der Aufstieg klappt. „Wir wollen wieder ins Gespräch kommen“, kündigt Salomon an.

FC Offenthal hat aber noch ganz andere Sorgen

Der FV 06 Sprendlingen sieht die Sache etwas anders. „Die Zuschauerzahlen der Amateurvereine in unserer Region haben schon vorher nachgelassen“, räumt Helmut Wahl, zweiter Vorsitzender, ein. „Wir leiden nicht darunter, dass Zuschauer lieber zur Eintracht gehen, denn das wird immer vorkommen. Aber schön ist es auch nicht für uns.“ Noch will der Verein bis zum Sommer abwarten. „Wir müssen sehen, wie sich die Situation entwickelt und können dann endgültig über die Entscheidung der DFL urteilen.“

Der FC Offenthal hat aber noch ganz andere Sorgen als die sinkende Zahl der Zuschauer. „Nicht nur Fans, auch Betreuer und sogar Spieler fehlen uns“, beklagt sich Abteilungsleiter Jürgen Schnell. „Ich bin wirklich sauer, dass die DFL mitmacht. Die kleinen Vereine sind in der Überzahl, werden aber umso mehr vernachlässigt.“ In der Kreisliga A seien die Zuschauerzahlen ohnehin ziemlich beschränkt, doch Spieler und vor allem Betreuer sind laut Schnell schwierig zu ersetzen. „Immer weniger Menschen sind bereit, ehrenamtlich zu arbeiten und die DFL macht die ganze Situation noch unangenehmer.“

Erst einmal hat die Eintracht an einem Sonntag um 15.30 Uhr gespielt; die Wahrscheinlichkeit, dass es nochmal passieren wird, ist groß. Noch sind aber nicht alle Spiele terminiert worden. Wenn aber der FSV Frankfurt den Klassenerhalt in der zweiten Bundesliga schafft und wenn den Kickers aus Offenbach der Aufstieg gelingen sollte, dann werden sie oft sonntags spielen. Das könne die Dreieicher Vereine dann heftig treffen und die Zuschauer fern halten.

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