Diakonisches Werk sucht Helfer

Erste Schritte in fremder Umgebung

Dreieich - Mit einem neuen Modellprojekt möchte das Diakonische Werk weitere Freiwillige dafür gewinnen, sich für Flüchtlinge einzusetzen. Mit „Ankommenspatenschaften“ sollen die ersten Schritte der Neuankömmlinge in der ihnen noch fremden Umgebung erleichtert werden. Von Holger Klemm

Trotz des noch überschaubaren Interesses beim ersten Infoabend am Donnerstagabend gibt sich Patricia Goetz, die beim Diakonischen Werk in der Winkelsmühle für die „Ankommenspatenschaften“ zuständig ist, optimistisch. „Das muss sich erst weiter herumsprechen.“ Die Freiwilligen, die in die Winkelsmühle gekommen sind, werden schon heute Abend in lockerer Atmosphäre mit Flüchtlingen aus der neuen Gemeinschaftsunterkunft des Kreises, die sich im ehemaligen Gebäude der Max-Eyth-Schule befindet, zusammenkommen und das Projekt auf den Weg bringen. Weitere „Ankommenspatenschaften“ sollen folgen. Patricia Goetz strebt die ehrgeizige Zahl von 150 in diesem Jahr in Dreieich, Neu-Isenburg, Langen und Obertshausen an.

Das Konzept wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) entwickelt und ist Teil des Programms „Menschen stärken Menschen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Insgesamt peilen 26 Freiwilligenagenturen in ganz Deutschland 3000 Patenschaften an. Die Idee ist einfach: Ein Freiwilliger zeigt einem Flüchtling seine Stadt, erzählt mit Händen und Füßen über den Alltag und führt zu wichtigen Einrichtungen, Kultur- und Bildungsstätten sowie Sportvereinen. „Bei drei Erkundungsgängen lernen sich beide Seiten kennen“, erzählt Goetz. Danach können die Beteiligten gemeinsam weitermachen, sie müssen es aber nicht.

Dieser Aspekt ist der Mitarbeiterin des Diakonischen Werks wichtig. „Wir wollen gerade auch Berufstätige und Studenten ansprechen, die für eine langfristige Patenschaft nicht die Zeit haben, die aber trotzdem für Flüchtlinge aktiv werden möchten“, führt sie weiter aus. So lautet denn auch der Untertitel des Projekts „Sinnvolles Engagement für vielbeschäftigte Menschen“. Momentan wird es nach Angaben von Goetz schwerer, Menschen für eine dauerhafte Patenschaft zu gewinnen. Das liege daran, dass diejenigen, die sich auf diese Weise engagieren möchten, schon dabei sind. „Dreieich ist da sehr aktiv“, weiß sie zu berichten. Mit dem Modellprojekt sollen weitere Freiwillige gewonnen werden, sich ihren zeitlichen Möglichkeiten entsprechend einzubringen.

Den Teilnehmern bleibt es weitgehend selbst vorbehalten, was sie den Flüchtlingen von ihrer Stadt zeigen möchten. Einige Anlaufpunkte sollten laut Goetz aber schon dabei sein. „Beim ersten Mal sollte es auch zum Rathaus gehen, um den Flüchtlingen die Schwellenangst zu nehmen.“ Bei der zweiten Zusammenkunft könnte dann das Busfahren geübt und der Weg zum Kreishaus nach Dietzenbach eingeschlagen werden, das für die Neuankömmlinge ebenfalls sehr wichtig ist. Freizeitmöglichkeiten oder Sportvereine sollten ebenfalls nicht zu kurz kommen. Denn viele Sportvereine haben spezielle Angebote für Flüchtlinge im Programm. Für das heutige Treffen wird eine Vorauswahl der Teilnehmer in der Flüchtlingsunterkunft getroffen. „Einige Frauen möchten gerne Frauen durch die Stadt führen“, berichtet Goetz. Allerdings seien gerade Frauen in den Unterkünften schwer für solche Projekte zu gewinnen, da sie Angst hätten, in die Öffentlichkeit zu gehen.

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Die neue Dreieicher Gemeinschaftsunterkunft, für die das Diakonische Werk die Trägerschaft unternommen hat, ist für das Modellprojekt ausgesucht worden, um den dortigen Bewohnern eine Beschäftigung zu bieten. Das sei angesichts der Unterbringung in Zimmer mit bis zu 14 Betten besonders wichtig. In der Unterkunft, die am vergangenen Montag eröffnet wurde, sind aktuell 50 Personen untergebracht, darunter elf Familien und drei alleinstehende Frauen, weiß Goetz. „Alle hätten sofort gefragt, wo sie Deutsch lernen können.“

Deshalb sucht das Diakonische Werk neben den Alltagspaten auch Sprachmittler. Gefragt sind Leute mit Migrationshintergrund, die Farsi, was in Afghanistan gesprochen wird, oder Arabisch können. Daneben sind alle willkommen, mit den Bewohnern zu lernen. „In der Unterkunft gibt es eigens einen Schulungsraum, der sich dafür eignet“, so Goetz. Willkommen sind zudem Freiwillige, die sich mit den Kindern beschäftigen möchten.

Weitere Informationen gibt es bei Patricia Goetz (Tel.: 06103/987523 oder afpe@diakonie-of.de). Wer sich für die „Ankommenspatenschaften“ interessiert, kann auch zum heutigen Kennenlerntreffen mit Flüchtlingen um 19 Uhr in die Winkelsmühle kommen. Bei Interesse werden weitere Bewohner der Unterkunft für Rundgänge vermittelt.

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Rubriklistenbild: © dpa

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