Im September startet einjähriger Roadtrip

Die Dreieicher Noelle Demirci und Maximilian Schulz reisen ein Jahr durch Europa

Noelle Demirci und Maximilian Schulz in ihrem Sprinter
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Die große Fahrt kann beginnen: Noelle Demirci und Maximilian Schulz haben den Sprinter in den vergangenen zwei Jahren umgebaut – ab 1. September geht es ein Jahr durch Europa. Noelles Eltern spendieren zum Abschied einen Satz neue Sommerreifen.

Das Abitur gerade in der Tasche, brechen Noelle Demirci und Maximilian Schulz zu einer einjährigen Reise auf.

Dreieich – Die Innenausstattung des Sprinters ist fertig. Auf der Sitzbank liegen gemütliche Kissen, die Küchenzeile hat gemusterte Fliesen und sogar Pflanzen haben Noelle Demirci (19) und Maximilian Schulz (20) auf den hölzernen Regalbrettern dekoriert. Sie sind mit Klettband am Boden befestigt, damit sie in der Kurve nicht umfallen. „Na klar, wir wollen es auf der Reise ja schön haben, wir wollen uns in dem Auto wohlfühlen“, erklärt Maximilian Schulz.

Die beiden jungen Leute haben gerade ihre Abiturzeugnisse entgegengenommen – Noelle in der Weibelfeldschule, Maximilian in der Max-Eyth-Schule – und jetzt soll es auf große Reise gehen. Ein Jahr lang mit dem Sprinter quer durch Europa. „Wir sind seit vier Jahren ein Paar, verbringen sehr viel Zeit miteinander und haben keine Angst davor, dieses Abenteuer jetzt gemeinsam anzugehen“, sagt Noelle Demirci mit glänzenden Augen.

Es ist keine spontane Idee der beiden – ganz im Gegenteil, sie haben die große Fahrt akribisch vorbereitet. „Den Sprinter haben wir schon vor zwei Jahren gekauft – von unseren Ersparnissen. Wir mussten lange suchen. Es war das Fahrzeug eines Schreinermeisters, ist Baujahr 2007 und hat 180 000 Kilometer auf dem Tacho“, berichtet die Abiturientin.

In hunderten von Arbeitsstunden haben sie die Einrichtung aus dem Mercedes-Bus herausgerissen und komplett umgebaut. „Wir hatten wenig Ahnung und haben auch manchen Fehler gemacht. Aber all die Unzulänglichkeiten, die unser Reisemobil jetzt hat, passen genau zu uns“, ist Noelle Demirci glücklich und auch ein bisschen stolz.

Neuer Fußboden, Isolation, eine platzsparende Küche mit einem gebrauchten Kühlfach, sogar eine Holzdecke mit Strahlern hat das Mini-Wohnzimmer bekommen. Zwei Solarmodule auf dem Dach sorgen für Strom, ein Tank versorgt die beiden mit Trinkwasser. Die Bank lässt sich zu einem kuscheligen 1,20 Meter breiten Bett ausklappen und auf den Luxus einer Toilette verzichten die jungen Leute. „Wir müssen auch zum Duschen Campingplätze oder Seen anfahren – das klappt schon irgendwie“, ist Maximilian Schulz überzeugt.

Und wo soll’s hingehen? Ganz zu Beginn ihrer Planung haben die jungen Abenteurer von anderen Kontinenten geträumt. Die Kosten für das Verschiffen des Sprinters würden aber jedes Budget sprengen. Außerdem soll Eurasier Lui auch mit – und einen Flug wollte Noelle Demirci dem Hund ersparen. „Jetzt wird es eben die Entdeckung Europas“, sagt die junge Frau. „Uns zieht es in die Natur, an schöne Seen, in die Berge!“ Sie wollen Orte entdecken, an die sie zufällig geraten und wo normale Touristen vielleicht gar nicht hinkommen.

Die Folgen von Corona haben die geplante Route ein bisschen verändert. „Wir wollten ursprünglich mit Dänemark, Schweden und Norwegen starten, aber in Dänemark gibt es noch Einreisebeschränkungen, wenn man kein Hotel oder kein Ferienhaus gebucht hat“, weiß Maximilian Schulz. Deswegen geht es mit Deutschland los. An die Nordsee, von dort aus wieder Richtung Süden über die Alpen nach Italien und Kroatien. „Zum Winter hin sind Spanien und Marokko vorgesehen. Und zum Frühjahr dann in den Norden, unter anderem nach Schweden“, beschreibt die 19-Jährige den Plan.

Am 1. September soll es losgehen. Der Bus ist soweit fertig, seit drei Monaten arbeiten die Buchschlagerin und der Dreieichenhainer so viel es geht, um sich noch ein finanzielles Polster zu verschaffen. Noelle ist für 30 Stunden plus Extraschichten als Altenpflegehelferin in einem Heim in Neu-Isenburg beschäftigt, Maximilian als Radfahrer bei einem Lieferdienst – rund 45 Stunden in der Woche bringt er Frankfurtern ihr Essen auf zwei Rädern.

„Wenn wir das jetzt nicht machen, machen wir es wohl nie“, sagt Maximilian Schulz. Im nächsten Jahr um diese Zeit will er eine Lehre als Schreiner beginnen, Noelle möchte Agrarwissenschaften studieren. Wer die beiden Dreieicher auf ihrer Reise virtuell begleiten will, kann das auf dem Instagramkanal advanture_abroad tun. (Von Nicole Jost)

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