„Start würde sich um Jahre verschieben“

Diskussion um RTW: Endstation in Dreieich oder Langen?

Symbolbild
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Aktuell ist der Buchschlager Bahnhof als Endstation für die Regionaltangente West vorgesehen. (Symbolbild)

Nach derzeitigem Stand ist der Buchschlager Bahnhof südlicher Endhaltepunkt der Regionaltangente West (RTW). Eine Reihe von Anwohnern hält diese Planung für verfehlt, aus ihrer Sicht ist der Langener Bahnhof wesentlich geeigneter als Endstation (wir berichteten). Deshalb mache es keinen Sinn, das Planfeststellungsverfahren in seiner aktuellen Fassung weiter voranzutreiben.

Dreieich – Er habe Verständnis für die Sorgen der Anwohner vor zusätzlichen Lärmemissionen und für ihre Forderung nach einer Verlängerung der Linie, so Alex Müller. Der ehemalige Geschäftsführer der IG Dreieichbahn, der sich noch nicht gänzlich zur Ruhe gesetzt hat, wundert sich indes über den Zeitpunkt des Protests. „Die aufgeflammte Diskussion um eine eventuelle Verlängerung nach Langen kostet wieder viel Zeit – und noch mehr Zeit, wenn die Idee von den Zuständigen aufgegriffen wird und es zu Umplanungen, Machbarkeitsstudien, erneuten Offenlagen und Anpassungen bei der Finanzierung kommt“, befürchtet der ÖPNV-Experte. Der sowieso schon deutlich in Verzug geratene RTW-Start würde sich wieder um Jahre verschieben.

Leider, so Müller, sei aber auch die in der Planfestellung bevorzugte Variante eines Stumpfgleises am östlichen Rand des Buchschlager Bahnhofs als Wende für die RTW-Züge nicht wirklich als zukunftsorientiert zu bezeichnen. „Der Intention einer späteren Verlängerung auf die Dreieichbahn wurde mit dem Schwenk der RTW-Gleise auf die Ostseite der Main-Neckar-Strecke zwar gefolgt, in Buchschlag selbst aber nicht mehr stringent fortgeführt. Der logische Bau eines Mittelbahnsteigs mit Weichenverbindungen auf beiden Seiten – gleichsam für RTW und Dreieichbahn, was als Variante für das Anhörungsverfahren eingereicht wurde, fand allein aus Kostengründen keine Gehör bei der Planungsgesellschaft.“ Ein Fauxpas, der sich nachträglich nach Müllers Meinung aber noch korrigieren ließe.

An sich sei es sehr erfreulich, wenn Langen und Dreieich um eine Verlängerungsoption der RTW buhlten, zeige dies doch das Interesse an einer nachhaltigen Aufwertung des öffentlichen Verkehrsangebots. Allerdings sei Langen schon mit dem heute aktuellen Zug-Angebot ungleich besser ausgestattet als die Stadtteile von Dreieich und Rödermark, meint Müller. Die Langener verfügten über einen Viertelstundentakt mit den beiden S-Bahn-Linien S3 und S4 und über einen Halbstundentakt mit der Regionalexpresslinie. Müller: „Wenn sie clever sind, bemühen sich die Langener zusätzlich um einen Halt der Odenwaldbahn-Züge (Erbach/Odw. - Darmstadt-Nord - Frankfurt), momentan rauschen diese noch durch ihren Bahnhof durch.“ Somit bliebe als einziger wirklicher Zusatznutzen einer RTW-Verlängerung nach Langen die umsteigefreie Verbindung zum Flughafen und in die westlichen Frankfurter Stadtteile.

Von einer „derart gediegenen“ Grundausstattung seien die Anrainer der Dreieichbahn weit entfernt. Sie sei nur eingleisig gebaut, nicht elektrifiziert, fahre nur zweimal die Stunde und nur stündlich bis zum Frankfurter Hauptbahnhof durch. Für Müller steht fest: „Wer für alle Bürger im Kreisgebiet ein gleichwertig attraktives Angebot auf allen Schienenstrecken will, steckt sein Engagement in jene Linien, die Nachholbedarf haben.“ (fm)

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