Sicherheit auf Radwegen

„Dort radeln ist lebensgefährlich“

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Radweg zwischen Neu-Isenburg und Götzenhain trotz Zusage vom Land Hessen nicht in Sicht.

Dreieich - Radfahren boomt. Immer mehr Menschen wählen angesichts von Benzinpreisen im Dauerhoch diese günstige Alternative zum Auto. Doch das birgt auch Gefahren, wenn es an Radwegen mangelt, die ein sicheres Fortkommen möglich machen. Von Barbara Hoven

In Dreieich hat der „Runde Tisch Radverkehr“ nun den fehlenden Radweg entlang der Neuhöfer Straße zwischen dem Hofgut Neuhof und dem abgebundenen Teilstück der ehemaligen L 3317 als besonders bitteres Übel für Radler ausgemacht. Und gefordert, dass die Lücke zwischen dem Götzenhainer und Neu-Isenburger Radwegenetz dringend geschlossen und so die für Radler „lebensgefährliche Situation“ endlich beseitigt werden muss.

Neu ist das Ansinnen nicht. Seit Jahren wird von Radfahrern gefordert, dass an der viel befahrenen Strecke etwas für ihre Sicherheit getan werden müsse. Ebenfalls seit Jahren verlangt die Stadt vom Land den Bau eines Radwegs zwischen Neu-Isenburg und Götzenhain. Und eine Zusage aus Wiesbaden gibt es auch längst. „Das Land hatte vor einigen Jahren für 2011/12 den Ausbau dieses Teilstücks avisiert“, erinnert Erster Stadtrat Martin Burlon. Nur passiert sei eben nichts. Bis heute habe die Stadt weder einen Termin für den Baubeginn genannt bekommen, noch sei die Finanzierung, die dem Land obliegt, gesichert. Selbst bereits für 2010 angekündigte Untersuchungen und Planungen gab es laut Burlon bis heute nicht.

Jahrelange Forderungen werden lauter

Sowohl die Stadt als auch der Radler-Lobbyverband Allgemeiner Deutscher Fahrad-Club (ADFC) haben sich in der Vergangenheit immer wieder auch an den Minister mit der Bitte gewandt, das Projekt zu beschleunigen. Wie wichtig das wäre, dafür findet Thomas Müller, Leiter des städtischen Fachbereichs Bürger und Ordnung, besagte drastische Worte: „Auf dieser Straße mit dem sehr hohen Verkehrsaufkommen stehen die Radfahrer im Niemandsland, mit dem Rad dort zu fahren ist lebensgefährlich.“ Es müsse dringend etwas passieren.

Derzeit bietet sich keine echte Ausweichalternative. Wem es nicht geheuer ist, auf der maximal sechs Meter breiten Fahrbahn ohne Seitenstreifen „mit teils kaum mehr als 20 Zentimetern Abstand“ von Autos überholt zu werden, der muss große Umwege in Kauf nehmen. Und dennoch: Man könne trotz des regen Schriftverkehrs mit Wiesbaden „nicht guter Dinge“ sein, dass auf dem etwa zwei Kilometer langen kritischen Stück bald etwas passiert, bilanziert Burlon. Der Radweg sei nun mal nicht weit genug oben angesiedelt auf der Prioritätenliste des Landes. Erst kürzlich hatte Bernd Kiefer, der Vorsitzende der ADFC-Ortsgruppe Dreieich, sich im Gespräch mit unserer Zeitung bezüglich des baldigen Baubeginns ähnlich pessimistisch geäußert. „Doch wir bleiben allesamt am Ball“, versichert Burlon.

Weitere Forderungen von „Runde Tisch Radverkehr“

Der „Runde Tisch Radverkehr“ – mit Vertretern von Verwaltung, Politik, ADFC – hat nach seiner jüngsten Rundfahrt noch weitere für ihn drängende Themen auf seine Agenda gesetzt. So soll der Schutzstreifen in der neu gestalteten Eisenbahnstraße in Richtung Bahnhof Sprendlingen verlängert werden. Der Radweg Richtung Buchschlag soll so freigegeben werden, dass schnelle Radfahrer auch die Straße benutzen dürfen. Hier steht jedoch ebenfalls eine Einigung mit dem Land aus – denn ohne müsste die Stadt womöglich einen Teil des für die Umgestaltung erhaltenen Fördergeldes zurückzahlen.

Des Weiteren hat sich der Runde Tisch eine Öffnung der Einbahnstraße in der Lessingstraße für Radfahrer in beide Fahrtrichtungen zum Ziel gesetzt, ebenso möchte man einen Schutzstreifen auf der Darmstädter Straße zwischen Ludwigstraße und Hengstbachbrücke in beiden Richtungen einrichten. Mit Schutzstreifen auf beiden Seiten soll auch die Sicherheit für Radler in der Fichtestraße verbessert werden; einen Radstreifen bekommt die Südseite der Buchschlager Allee. Die Markierungsarbeiten sind ausgeschrieben und sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

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