Drei Viertel Durchgangsverkehr

Aufgebrachte Anwohner in der Albert-Schweitzer-Straße

Dreieich - Der Aufschrei kam prompt: Nach der Empfehlung des Bauausschusses, die vom Magistrat im 2018er Haushalt eingesetzten 100.000 Euro für verkehrsberuhigende Maßnahmen in der Albert-Schweitzer-Straße zu streichen, gehen Anwohner auf die Barrikaden. Von Frank Mahn

Sie fordern die CDU auf, den von ihr initiierten Antrag zurückzuziehen. Sie sei fassungslos, sagt Uta Zilly-Linke und hält den Befürwortern vor, die Glaubwürdigkeit von Politik aufs Spiel zu setzen. Nicht nur ihr ist die Argumentation der CDU völlig unverständlich. Die Behauptung, in der Albert-Schweitzer-Straße gebe es keinen massiven Schleichverkehr, „ist schlicht falsch und wird wider besseren Wissens in den Raum gestellt“. Sie stehe im klaren Widerspruch zu den Feststellungen in dem von den Stadtverordneten – mit den Stimmen der CDU – im März 2015 beschlossenen Bebauungsplan „Nördlich der Albert-Schweitzer-Straße“, führt Zilly-Linke aus: Darin heiße es zum Beispiel, dass die Stadt durch Markierungen versetzt angeordneter Parkplätze eine Verkehrsberuhigung umsetzen wolle. Mehr noch: Wie Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos) sagt, sollen auch die Einmündungsbereiche baulich verändert werden – mit dem Ziel, das Durchfahren unattraktiver zu machen. Die Stadt, so Burlon, stehe bei den Anwohnern im Wort.

Sowohl Zilly-Linke als auch ihr Nachbar Kai Kächelein verweisen auf zwei von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten, die übereinstimmend festgestellt haben, dass 75 Prozent des Fahrzeugaufkommens als Durchgangsverkehr einzuordnen sind. Die – momentan gesperrte – Straße nutzen sonst viele als Abkürzung zwischen Dreieichenhain und der L 3317 (Bleiswijker Straße) beziehungsweise der A 661. Täglich sind in der Schweitzer-Straße normalerweise knapp 2 500 Autos unterwegs. Die durch die Gutachten testierte Tagesbelastung überschreite nachweislich die durchschnittliche Verkehrsbelastung einer normalen Straße in einem Wohngebiet, so Zilly-Linke. Durch die Erschließung des Neubaugebiets sei mit etwa 100 weiteren Fahrzeugen zu rechnen.

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Die Anwohner klagen darüber, dass viele Autofahrer sich nicht an die vorgeschriebenen 30 km/h hielten und zudem sehr häufig über die Gehwege gefahren werde. Die Stadt hat deshalb schon Pfosten installiert. Es komme immer wieder zu gefährlichen Situationen, gerade auch für Kinder, die auf dem Weg zur Schule seien, berichtet Kächelein. Und schildert einen Vorfall, bei dem er und seine Tochter um ein Haar vor der eigenen Haustür angefahren wurden. Womöglich habe die CDU ein veraltetes Bild von der Anwohnerstruktur, mutmaßt Kächelein. Tatsächlich lebten heute sehr viele Familien mit kleinen Kindern in der Straße. In dem Wohngebiet habe sich ein Generationenwechsel vollzogen, der durch das Neubaugebiet noch verstärkt werde, ergänzt Zilly-Linke. Die Sicherheit der Anwohner, insbesondere der Kinder, müsse gewährleistet werden, fordert die Anwohnerin. Für ihre Familie sei es unmöglich, gefahrlos den Bürgersteig vor dem Haus zu betreten; es sei denn, ein Auto sei als Schutz davor geparkt. Zilly-Linke nennt noch ein Beispiel, das ihrer Auffassung nach den dringenden Handlungsbedarf dokumentiert. Ein Anwohner baue vor dem Schneiden der Hecke aus Leitern eine Art Schutzmauer auf, weil er Angst habe, umgefahren zu werden.

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Kai Kächelein ist dermaßen empört über die Entwicklung, dass er ankündigt, alle Register ziehen zu wollen, „um diesen immensen Verlust an Lebensqualität und Sicherheit zu verhindern“. Es sei denn, die CDU besinne sich eines Besseren. Gegen den Antrag hatte im Übrigen nur die SPD gestimmt. Er steht am Dienstag, 14. November (19 Uhr, Rathaus), im Haupt- und Finanzausschuss auf der Tagesordnung.

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