Karnevalsvereine

Kein Verzicht auf närrischen Spaß: Auf der Suche nach Plan B

Eines ist sicher: es wird in der Kampagne 2020/21 ein Lebenszeichen von uns Narren geben.
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Eines ist sicher: es wird in der Kampagne 2020/21 ein Lebenszeichen von uns Narren geben.

Auch ohne Umzüge und Sitzungen in der Karnevalszeit sollen Narren ihren Spaß in Dreieich haben.

Dreieich – Schunkeln im Bürgerhaus, Tanzen bis weit nach Mitternacht in der Sektbar der Bremser, eine jubelnde Menschenmenge beim sonntäglichen Umzug in der Götzenhainer Rheinstraße – das Szenario des Dreieicher Faschings der vergangenen Jahrzehnte ist in Pandemie-Zeiten undenkbar. Nachdem die vier Dreieicher Karnevalsvereine (Die Bremser, SG Götzenhain, Sprendlinger Karnevalverein und TSC Bimmbär) mit Bürgermeister Martin Burlon zusammensaßen, ist klar: Es wird weder Umzug noch Sitzungen geben können (wir berichteten).

Aber die vier Vereine sind in Gesprächen, wie die närrische Zeit zu retten ist: „Eines ist sicher: Es wird in der Kampagne 2020/21 ein Lebenszeichen von uns Narren geben“, kündigt Bianca Göckes, Vorsitzende der Karnevalabteilung der SG Götzenhain, an. Ihr Verein habe lange darüber nachgedacht, wie eine corona-taugliche Sitzung möglich sein könnte. Trotz Hygiene-Konzept und eigener Halle mit bester Lüftung, sei ein Faschingsvergnügen mit 58 zulässigen Zuschauern weder besonders vergnüglich noch finanzierbar.

Die Götzenhainer Garden trainieren und das Bühnen-Team ist nach dem gelungenen Prinzenjahr 2019/20 motiviert bis in die Haarspitzen. „Wir brauchen einen Plan B, um die eigene Motivation hochzuhalten“, sagt Göckes. Keinesfalls werden die Dreieicher Narren „für die Tonne“ trainieren. Sie alle tüfteln gerade daran, wie die Dreieicher zumindest ein bisschen närrischen Spaß trotz Pandemie genießen können. „Wir wollen noch nicht zuviel verraten, es soll ja auch eine Überraschung sein“, so Göckes weiter. Denkbar sei beispielsweise ein Konzept mit einer närrischen Box mit Prosecco, Konfetti und Luftschlangen – eben mit den Zutaten, die ein Faschings-Gefühl verbreiten.

Vom Willen, den Fasching zu zelebrieren berichtet auch Karin Forner, Pressesprecherin der Bremser: „Es ist wichtig, jetzt die Trainingszeiten weiter anzubieten. Schließlich wollen wir die Mädels bei der Stange halten. Wenn wir jetzt ein Jahr lang gar nichts machen würden – auch wenn das „Wie“ der Kampagne in den Sternen steht – würden wir sicher einige verlieren und das wollen wir natürlich nicht“, erläutert Forner. Die Bremser seien zu allen Schandtaten bereit: „Ob es mit kleinen, internen Veranstaltungen gelingt, unsere Faschingskultur sichtbar zu machen, oder ob es eine gemeinsame virtuelle Veranstaltung geben kann – wir werden sehen“, sagt Forner, dass die Kommunikation zwischen den Vereinen eng sei.

Der TSC Bimmbär trennt in dieser Ausnahme-Saison die sportlichen Ziele sehr genau von denen auf der Bühne: „Unsere Mädchen trainieren alle konzentriert, denn die Turniere werden stattfinden. Natürlich mit besonderen Auflagen, aber die Gruppen, die im Turniergeschehen aktiv sind, kommen auch in diesem Jahr zum Einsatz“, erklärt Jürgen Friedrich, Vorsitzender des Tanzsport-Clubs. Er macht sich aber Sorgen um die finanzielle Zukunft der Bimmbären. „Wir haben etliche Ausgaben, wie die Kosten für eine Lagerhalle, die Trainingszeiten kosten Geld. Ja, wir haben Rücklagen, aber wir haben im Gegenzug in diesem Jahr vermutlich keine Einnahmen, die wir eben nur über die Veranstaltungen generieren, die jetzt ja ausfallen. Das geht schon an unsere Substanz“, sorgt sich Friedrich.

Der vierte närrische Verein in Dreieich ist noch im „Sommerschlaf“: Der Sprendlinger Karneval Verein (SKV) hat in Corona-Zeiten erst gar keinen Trainingsbetrieb in Vorbereitung auf die Kampagne aufgenommen. Dabei steht der Verein in der Kampagne 2020/2021 eigentlich im Fokus: Der SKV sollte in diesem Jahr das Prinzenpaar stellen. „Wir haben unser Paar zurückgezogen. Es wird in vier Jahren dann unser Prinzenpaar sein. Die Kosten für Kostüme und Kampagne sind einfach zu hoch, wenn es weder Sitzungen noch Umzüge geben wird. Es stehen einfach zu viele Fragezeichen im Raum. Und das Paar für zwei Jahre zu stellen, war für uns auch keine gute Option“, erläutert Christina Heil, stellvertretende SKV-Vorsitzende, diese Entscheidung. Aber gemeinsam tüftele man an einer Geschichte, wie man den närrischen Fans Trost spenden könnte. „Der SKV sucht schon im Märchenland nach einer Vertretung für Prinz und Prinzessin.“ Mehr möchte Christina Heil noch nicht verraten. Aber der SKV will auf jeden Fall seinen Teil zu ein bisschen Faschingsstimmung beitragen.

Eines ist übrigens in gemeinsamer Planung: Einen Rathaussturm der Narren sollen es im Jahr 2021 garantiert geben und Bürgermeister Martin Burlon wird seinen Sessel in der fünften Jahreszeit räumen müssen. Der närrische Überfall ist natürlich nicht mit allen Garden denkbar. Aber in Sicherheit sollte sich der Rathauschef nicht wiegen. „Wir lassen wir uns schon was Lustiges einfallen, um an den Goldenen Schlüssel zu kommen“, kündigt Bianca Göckes an. (Nicole Jost)

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