Das große Aufräumen

Dreieich: 150 Helfer bereiten Waldstück für Aufforstung vor

Jede helfende Hand wurde gebraucht: Die Stämme, die mit großen Schlingen mit dem Traktor gehoben wurden, musten justiert werden. Kleineres Altholz wurde einzeln auf die Unimogs geladen.
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Jede helfende Hand wurde gebraucht: Die Stämme, die mit großen Schlingen mit dem Traktor gehoben wurden, musten justiert werden. Kleineres Altholz wurde einzeln auf die Unimogs geladen.

Die Motorsägen kreischen im sonst so ruhigen Wald am Dreieichenhainer Schützenhaus. Die Motoren der Unimogs blubbern und ein Traktor fährt den Weg am Waldrand unermüdlich auf und ab, um die zerkleinerten Baumstämme und das kleinere Totholz abzutransportieren. Der Schweiß der Männer fließt am Samstag in Strömen. Jürgen Graf steht beinahe ein bisschen gerührt am Nachmittag vor dem sauber abgeräumten Waldstück. Seine Idee, der ausgefallenen 302. Kerb mit 302 gepflanzten Bäumen eine besondere Erinnerung zu schenken, hat sich längst selbst überholt.

Dreieich – „Wir haben einen Nerv getroffen bei den Dreieichern. Die Dynamik hat uns sehr positiv überrollt. Durch die Fallböe im August vergangenen Jahres haben wir extrem viel Wald verloren. Wir haben jetzt bei 1800 gespendeten Bäumen einen Stopp eingelegt, weil wir hier am Schützenhaus an der uns vom Forstamt Langen zugewiesene Fläche gar nicht so viele Bäume pflanzen können“, erklärt der Initiator der Hainer Kerbborschen Waldfreunde (HKB).

Bevor allerdings gepflanzt werden kann – voraussichtlich Anfang November – muss der reichlich verwüstete Wald aufgeräumt werden. Gut 150 Helfer sind im Einsatz. 70 Ehrenamtliche, darunter auch einige Kinder, befreien den umliegenden Wald von Müll. Rund 30 Aktive im Besitz eines Kettensägen-Führerscheins leisten die wichtige Vorarbeit, die umgestürzten Bäume zu zerteilen. 50 weitere Helfer schleppen das Holz aus dem Wald, werfen die Scheite in die großen Schaufeln der Traktoren. Mit den Schlepperfreunden und dem Unimog-Club Gaggenau sind die nötigen Pferdestärken unterwegs, um das Holz dann abzutransportieren.

Die Aufräumarbeiten zur Wiederaufforstung in Dreieich laufen.

Als Fachmann ist Joergen Deutschmann mit am Start. Er fällt hauptberuflich Bäume und ist am Samstag der Ansprechpartner für die Kettensägen-Führer rund um die richtige Technik und die Sicherheit. „Was für eine tolle Aktion, da bringe ich mein Wissen doch gerne ein“, sagt der Mann aus Rödermark, während er die Zähne einer stumpf gewordenen Kettensäge schärft. Das Wichtigste: Es gibt keine Unfälle, die beiden DRK-Mitarbeiter bleiben am Samstag glücklicherweise arbeitslos.

Frank Ehrenheim fährt mit seinem 416er Unimog stundenlang Holz hin und her: „Ich freue mich, dass ich mein Spielzeug einsetzen kann und für die Arbeit im Wald wurde er doch gebaut“, sagt der Unimogfahrer strahlend.

Die Aufräumarbeiten zur Wiederaufforstung in Dreieich laufen.

Ursprünglich hatte Jürgen Graf mit seinem 14-köpfigen Organisationsteam drei Aufräumtage eingeplant. „Keiner von uns konnte erwarten, was heute hier passiert ist. Es bereitet mir Gänsehaut, es ist gigantisch“, ist Graf überwältigt. 20 Tonnen Holz, so schätzen die Fachleute, haben die Ehrenamtlichen am Samstag bewegt. Lediglich zwei große Haufen Äste und Altholz müssen noch weggeräumt werden – ansonsten ist der Waldboden perfekt für die Pflanzaktion vorbereitet.

Die Liste der Helfer, bei denen sich Graf am Nachmittag bedankt, ist lang: Alle, die mit angepackt haben, die Mitarbeiter des Dienstleistungsbetriebs, die die Müllsäcke entsorgt haben, die Kelterer aus Dreieichenhain, die die Bewirtung übernommen haben, und nicht zuletzt die Bürgermeister aus Dreieich und Langen, Martin Burlon und Jan Werner, die am Samstag vorbeigeschaut haben und die die Aktion unterstützen. Am Ende ist Jürgen Graf noch lange nicht. Die Hainer Kerbborschen Waldfreunde stehen kurz vor einer Vereinsgründung, Projekte mit Kindern sind ebenso geplant wie weitere Aufforstungen. (Von Nicole Jost)

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