Stadt reagiert auf Befürchtungen von Anwohnern

Abriss der Milchküche: „Ordnungsgemäß entsorgt“

Schon weit gediehen sind die Abrissarbeiten an der Milchküche in Offenthal. Der zusätzliche Platz soll für besondere Anlässe wie Weihnachtsmarkt und Gemaafest genutzt werden. 
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Schon weit gediehen sind die Abrissarbeiten an der Milchküche in Offenthal. Der zusätzliche Platz soll für besondere Anlässe wie Weihnachtsmarkt und Gemaafest genutzt werden. 

Die Offenthaler warten schon lange auf die Umgestaltung der alten B486 durch ihre Ortsmitte. Um die Ecke ist jetzt der erste „Baustein“ gut sichtbar. In der Kirchgasse, auf der anderen Seite des Kirchgartens, ist die alte Milchküche dem Bagger zum Opfer gefallen.

Dreieich - Dort, wo jetzt noch die großen Container mit den Trümmerteilen stehen, wird ein Platz entstehen, der zu besonderen Anlässen wie Weihnachtsmarkt oder Gemaafest genutzt werden kann.

In den vergangenen Tagen hatte es durch den Abriss Verunsicherung bei einigen Nachbarn gegeben. Die Entsorgung des Dachs der in den 50er Jahren gebauten Sammelstelle für Milch zog die Aufmerksamkeit auf sich. Denn die Offenthaler verbauten in dem kleinen Haus einst Eternitplatten, die asbestbelastet sind. Für den Rückbau braucht es eine fachgerechte Entsorgung, damit keine Giftstoffe in die Umwelt gelangen. Als die von der Stadt beauftragte Firma Tahiri aus Groß-Umstadt mit ihrem Kleinbus mit dem Aufdruck „Garten- und Landschaftsbau“ anrückte und die ersten Vorkehrungen zum Abriss traf, meldeten Anwohner Befürchtungen an, dass zu sorglos mit den krebserregenden Stoffen umgegangen werden könnte.

Harald Piazzi vom städtischen Gebäudemanagement gibt Entwarnung: „Natürlich wurde das Dach ordnungsgemäß entsorgt von einem Unternehmen mit entsprechender Sachkunde. Eternit ist ja erst einmal nicht gefährlich. Asbest wird erst frei, wenn die Platten zerbrechen und Staub entsteht. Deswegen wurde das Dach sehr vorsichtig mit Hilfe eines Krans abgehoben, damit die Platten nicht zerbrechen und einzeln verpackt und auch mit Entsorgungsnachweis sicher abgelagert“, stellt Piazzi klar. Er sei „lange genug im Geschäft“, um zu wissen, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass in einem Bau aus den 50er Jahren Eternit verwendet wurde. Bei jeder Baustelle der Stadt gebe es auch aus diesem Grund Voruntersuchungen eines Ingenieurbüros, das auf Schadstoffe spezialisiert sei. Dabei wurde das Dach begutachtet und sogar in die Bodenplatte gebohrt - diese sei aber unbedenklich.

Die Firma Tahiri habe bei der Planung der Baustelle mit der Firma Heinemann aus Grünberg ein Subunternehmen beauftragt, die Eternitteile zu entsorgen. „Die Mitarbeiter von Heinemann haben sogar Zettel in der Nachbarschaft verteilt, dass sich die Leute direkt unter einer Telefonnummer melden können, wenn es Fragen zur Baustelle gibt“, sagt Firmenchef Shemsi Tahiri. Er berichtet auch von kritischen Nachfragen von Nachbarn bezüglich des Dachs. Aber zu keinem Zeitpunkt habe „echter Ärger“ in der Luft gelegen. „Überhaupt haben wir hier viele Besucher, die uns bei der Arbeit beobachtet haben. Die meisten waren positiv gestimmt und mancher erzählte von der Geschichte der Milchküche. Ein Nachbar hat sogar von seinen Erinnerungen berichtet, wie er als Junge gemeinsam mit seinem Vater an dem Gebäude gebaut hat. Das war auch schön zu hören“, so Shemsi Tahiri.

Die Baustelle in der Kirchgasse wird noch bis Ende nächster Woche eingerichtet bleiben. Zwei der Außenwände müssen noch abgetragen werden und die dicke, für die Ewigkeit gebaute Bodenplatte wird aufgebohrt und entsorgt. Wenn der letzte Stein abgetragen ist, sind 100 Tonnen Schutt in einigen Containern verschwunden und die alte Milchküche nur noch ein Stück Geschichte.

VON NICOLE JOST

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