Eindringliches Zeichen gegen Antisemitismus

Abschluss der Interkulturellen Wochen mit Filmvorführung „Wir sind Juden aus Breslau“

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Zu den Zeitzeugen gehört im Film Anita Lasker-Wallfisch, die junge Menschen durch den Gefängnishof von Wroclaw führt.

Der Anschlag in Halle hat auf schockierende Weise deutlich gemacht, welche verheerenden Folgen Antisemitismus und Hass haben. Von aktueller Brisanz ist deshalb eine schon vorher geplante Filmvorführung zum Abschluss der Interkulturellen Wochen am Montag, 4. November.

Dreieich –  Gezeigt wird der preisgekrönte Dokumentarstreifen „Wir sind Juden aus Breslau – Überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933“ von Karin Kaper und Dirk Szuszies – um 10 Uhr für Schulen im Rex Palast, Frankfurter Straße 52, und um 19 Uhr im Viktoria-Kino, Offenbacher Straße 9a. Regisseurin Karin Kaper wird jeweils anwesend sein, eine Einführung geben und anschließend für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Gemeinsame Veranstalter sind die Kreis-Vhs sowie die Integrationsbüros der Stadt Dreieich und des Kreises.

Anlass ist der 81. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 1938, die den Übergang der Diskriminierung der deutschen Juden zur systematischen Verfolgung markierte. Der Dokumentarfilm porträtiert 14 Überlebende des Holocaust, die in ihrer Jugend erwartungsfroh in die Zukunft blickten und sich in Breslau, der Stadt mit der drittgrößten jüdischen Gemeinde, ganz selbstverständlich beheimatet fühlten. Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 flohen manche ins Exil, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Ihrer einstigen Heimat beraubt, bauten sie sich in den USA, England, Frankreich, aber auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt. Die Zeitzeugen erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau, sondern auch an die Reichspogromnacht.

Dreieich: Eine emotionale Brücke von der Vergangenheit zur Verantwortung

Ihre späteren Erfahrungen ergeben ein facettenreiches Porträt einer von Krieg und Verfolgung geprägten Generation. Zu den Protagonisten zählt Anita Lasker-Wallfisch, die im vergangenen Jahr die Rede bei der Holocaust-Gedenkfeier im Bundestag hielt und mit dem Deutschen Nationalpreis geehrt wurde.

Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt „Wir sind Juden aus Breslau“ eine emotionale Brücke von der Vergangenheit hin zu der besonderen Verantwortung, die Deutschland in Bezug auf den Schutz jüdischen Lebens hat. Der Film setzt ein eindringliches Zeichen gegen stärker werdende nationalistische und antisemitistische Strömungen in Europa und zeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Anhand der Lebensschicksale der Protagonisten wird auch die Gründung des Staates Israel mit den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung gesetzt.

Dreieich: Ein "filmisches Denkmal"

Kritiker wie Peter von Becker sprechen von einem „filmischen Denkmal, erschütternd und erhellend. Um das Aufeinandertreffen der letzten Zeugen mit Mädchen und Jungen von heute ziehen die Filmemacher ihre behutsamen Kreise“. Björn Schneider lobt das „Kaleidoskop an ergreifenden, sprachlos machenden Einzel- und Familienschicksalen, die der Film klug, mitreißend und – zu keiner Sekunde langatmig – miteinander verwebt“.

Der Film wurde unter anderem mit dem Deutsch-Polnischen Kulturpreis sowie der Ehrenmedaille der Stadt Wroclaw, dem einstigen Breslau, ausgezeichnet und war weltweit auf bedeutenden Filmfestivals zu sehen. Der Eintritt zur Abendvorstellung am 4. November in Dreieich kostet acht Euro (nur Abendkasse). Um Anmeldung unter z 06074 8180-4166 wird gebeten.  

hok

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