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ADFC-Chef Bernd Kiefer findet E-Scooter gut, sieht aber auch Probleme

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Von: Frank Mahn

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In seiner Freizeit ist Bernd Kiefer fast ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs. Foto: p
In seiner Freizeit ist Bernd Kiefer fast ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs. © p

In anderen Ländern gehören E-Scooter längst zum Straßenbild. Schon bald werden die elektrischen Tretroller auch in Deutschland unterwegs sein.

Dreieich – Es gilt als sicher, dass der Bundesrat für die entsprechende Verordnung der Bundesregierung grünes Licht gibt und die kleinen Flitzer spätestens ab Juni auf unseren Straßen und Gehwegen erlaubt sind. Das Mindestalter beträgt zwölf Jahre, dabei gilt ein Tempolimit von zwölf km/h. Wer mindestens 14 ist, darf E-Scooter mit einer Höchstgeschwindigkeit bis zu 20 km/h fahren. Die Roller schonen die Umwelt, sagen die einen; sie werden für ein Verkehrschaos sorgen, halten die anderen dagegen. Wir haben den Dreieicher ADFC-Vorsitzenden Bernd Kiefer nach seiner Meinung gefragt.

Herr Kiefer, demnächst werden in Deutschland vermehrt E-Scooter im Straßenbild auftauchen. Ist diese Entwicklung aus Ihrer Sicht begrüßenswert?

Ja, die Entwicklung ist gut, denn es ist ein weiteres Verkehrsmittel für die Nahmobilität und durch die Größe und Klappbarkeit besonders gut mit dem ÖPNV kombinierbar.

Aber wird das nicht gefährlich, denn bis zu einer Geschwindigkeit von zwölf km/h dürfen die Elektroroller ja auf dem Bürgersteig gefahren werden. Da sind doch Konflikte mit Fußgängern programmiert.

Das stimmt. Aus meiner Sicht haben E-Scooter auf Gehwegen nichts zu suchen. Diese Fläche ist für die Menschen reserviert, die zu Fuß unterwegs sind.

Das heißt, sie sollten auf die Straße beziehungsweise den Radweg. Befürchten Sie, dass sich Radler und Rollerfahrer ins Gehege kommen und die Unfallgefahr steigt?

Nur auf Radweg und Straße macht es Sinn. Leider haben wir große Lücken in der Infrastruktur und in der Qualität der Wege. Zum Beispiel von Sprendlingen nach Neu-Isenburg entlang der Frankfurter Straße. Der kombinierte Rad-/Fußweg ist in einem schlechten Zustand und viel zu schmal! Städte und Politik müssen endlich handeln und in die Infrastruktur für Nahmobilität investieren. Das passiert leider viel zu zögerlich.

Lassen Sie uns noch mal auf die Unfallgefahren eingehen. Haben Sie da keine Befürchtungen?

Ich erwarte für Dreieich jetzt nicht den totalen Rollerboom. Aber wenn immer mehr Menschen Fahrrad und Roller nutzen, wird es zwangsläufig enger. Das sorgt in der Tat für mehr Gefahrenpotenzial. Deshalb brauchen wir ja unbedingt mehr Fläche für die Nahmobilität.

Für E-Scooter muss eine Versicherung abgeschlossen werden. Wäre es nicht konsequent, bei E-Bikes genauso zu verfahren? Wo ist der Unterschied?

Da müssen wir in die Begriffserklärung einsteigen. Ein E-Bike fährt mit Gasgriff und braucht eine Versicherung. Ein S-Pedelec fährt bis 20 km/h ohne Tretunterstützung, bis 45 km/h mit Tretunterstützung und braucht eine Versicherung. Ein Pedelec unterstützt elektrisch bis 25 km/h nur wenn man in die Pedale tritt und ist juristisch mit dem Fahrrad gleich gestellt. Ein Fahrrad fährt nur, wenn man tritt und manche Nutzer sind schneller als alle vorher genannten. Aus meiner Sicht wäre es zielführend, dass jeder Bürger eine private Haftpflichtversicherung haben muss.

Herr Kiefer, noch ein anderes Thema: Dreieich hat beim Fahrrad-Klimatest vergleichsweise gut abgeschnitten, aber Sie selbst sagen, dass noch viel Luft nach oben ist. Wo sehen Sie die größten Defizite in der Stadt?

Ein großer Schwerpunkt ist das Sicherheitsgefühl. Nur wer sich sicher fühlt, fährt gerne Rad. Das würde zunehmen, wenn die Wege breiter wären oder wenn es überhaupt welche gäbe und diese nicht zugeparkt sind. Als zweites der Komfort. Je komfortabler ich es als Radfahrer habe, desto mehr nutze ich es. Weiterhin fehlen gute Abstellmöglichkeiten, was den Diebstahl schwieriger machen würde. Hier sind aber alle gefragt, auch die Vermieter und Arbeitgeber.

Das Interview führte Frank Mahn

INFO

Fachmann in Sachen Mobilität

Bernd Kiefer ist passionierter Radfahrer, aber keiner, der das Autofahren verdammt. Das wäre in seinem Beruf auch schwierig: Der 55-Jährige ist im Vertrieb eines deutschen Autoherstellers tätig. Nach eigenen Angaben hat der seit 2008 amtierend ADFC-Vorsitzende schon 1,5 Millionen Autokilometer zurückgelegt. „Ich kenne beide Seiten und weiß um die Konflikte“, sagt Kiefer. In seiner Freizeit ist er fast nur mit dem Rad unterwegs und setzt sich für die Förderung des Radverkehrs ein. „Mich interessiert Mobilität in jeder Form und ich freue mich immer dann, wenn Menschen ihre Entscheidung bei der Verkehrsmittelwahl vernünftig treffen.“ Die vernünftige Wahl besonders im Nahbereich, also bis fünf oder zehn Kilometer, ist aus seiner Sicht ganz klar das Fahrrad.

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