Eltern fordern Rücknahme der Kosten

Ärger um Gebühr für Windelsäcke

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Babywindel

Seit Anfang des Jahres kosten Windelsäcke bei der Stadt Geld. Dreieich war bis dato eine der letzten Kommunen im Kreis, die Müllsäcke noch kostenlos angeboten hat. Die Gebühr sorgt bei Eltern für großen Unmut. Sie fordern, dass die Säcke wieder kostenlos sind.

Dreieich – Dafür wurde nun sogar eine Online-Petition ins Leben gerufen. „Dreieich hat schon erhebliche Mängel in Sachen Familienpolitik, aber das schlägt dem Fass den Boden aus“, regt sich eine junge Mutter bei Facebook auf. „Ich hatte mich auch für die Säcke interessiert. Als ich den Preis las, war das Thema durch“, kommentiert eine andere Frau. Und ein Mann spottet „familienfreundliche Stadt“.

Dass die Windelsäcke beim Wertstoffhof nun kosten, regt viele Eltern von kleinen Kindern – und Angehörige von Pflegebedürftigen, die Windeln benötigen – auf. Die Säcke sollen die Restmülltonne entlasten. Nun werden für die Tüten auf dem Wertstoffhof des Dienstleistungsbetriebs (DLB) zwei Euro pro Sack fällig beziehungsweise 50 Euro für eine ganze Rolle. In Facebookgruppen machten viele Eltern ihrem Ärger Luft. Und in einer Petition wird gefordert, dass die Winkelsäcke wieder kostenlos sind.

Den Aufruf eines Dreieichers auf der Petitions-Plattform change.org haben bereits 265 Unterstützer unterschrieben. Gerichtet ist er an die Stadt und Bürgermeister Martin Burlon. Dieser schaltete sich direkt in die hitzige Diskussion ein: „Zuvor hat der DLB eine kostenfreie Leistung faktisch ohne Mengenbegrenzung angeboten, wie man sie so in der Region wohl kaum gefunden hat“, erklärte Burlon.

Er wendet sich gegen den Vorwurf, dass Familien dadurch übermäßig belastet werden. „Man sollte auf der anderen Seite nicht vergessen, dass die Millionenbeträge zum Ausbau der Kinderbetreuung, der Attraktivitätssteigerung des Erzieherberufs und dem Ausbau der Schulkindbetreuung überwiegend aus kommunalen Steuergeld aller Bürger stammen und wir nicht zuletzt durch die Sanierung etlicher Spielplätze jüngst von Jahr zu Jahr mehr Geld für Kinder und Familien ausgegeben haben“, relativiert der Bürgermeister.

Die Gebühr für Windelsäcke haben die Stadtverordneten im Winter als Teil der neuen Abfallsatzung für Dreieich (und Neu-Isenburg) verabschiedet. „Wir haben der Stadt damals gesagt, dass die Kosten für die Windelsäcke nicht über die Abfallgebühr laufen können“, erklärt Frank Ullrich, Leiter Abfallwirtschaft beim DLB. Also stand das Parlament vor der Wahl, eine Gebühr zu erheben oder die Kosten durch den städtischen Haushalt auszugleichen. Der Posten würde mit etwa 70 000 Euro zu Buche schlagen. Bekanntlich favorisierten die Stadtverordneten Ersteres. Warum die Empörung jetzt hochkocht, ist auch Ullrich ein Rätsel. „Die Stadt ist quasi nur nachgezogen, mir ist sonst keine Kommune in der Nähe bekannt, in der es noch Windelsäcke kostenlos gibt“, sagt er.

Ob die Petition das Rad zurückdrehen kann, ist fraglich. Eltern und Pflegenden bleibt vorerst nur übrig, die Gebühr zu bezahlen – oder eine größere Restmülltonne zu bestellen, um die Windeln darüber zu entsorgen. So mancher Betroffene kann die Aufregung aber gar nicht verstehen. „In anderen Städten muss man von Anfang an eine größere Tonne bestellen. Hier war das also Luxus für Familien auf Kosten aller Stadtbewohner“, relativiert eine junge Mutter. „Vielleicht einfach mal so rum sehen!“

VON JULIA RADGEN

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