Geld für Vereinszwecke verwendet

Amtsrichter stellt Verfahren gegen Kleingärtnerchef gegen Auflage ein

Amtsrichter stellt Verfahren gegen Kleingärtnerchef gegen Auflage ein
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Amtsrichter stellt Verfahren gegen Kleingärtnerchef gegen Auflage ein

Ein Strafverfahren gegen den Vorsitzenden eines Dreieicher Vereins, in dem es um den Vorwurf der Veruntreuung von Vereinsvermögen geht, ist vor dem Amtsgericht Langen nach Paragraf 153 a eingestellt worden.

Dreieich – Rückblende: Der Zwist innerhalb des Sprendlinger Kleingärtnervereins dauert schon geraume Zeit an, als der Konflikt im Mai 2018 eskaliert. In einer äußerst turbulenten Mitgliederversammlung werden massive Anschuldigungen gegen Günter Neukirch laut. Der Vorsitzende soll Vereinsvermögen veruntreut haben. Von finanziellen Unregelmäßigkeiten und undurchsichtigen Transaktionen ist die Rede.

Staatsanwalt Moritz Teschner erklärt den Sachverhalt: Die Kleingärtner haben im Januar 2017 einen Sturmschaden, bei dem ein Pavillondach des Vereinsheims kaputtgeht. Der Versicherungsmakler der Kleingärtner ist vor Ort und sichert die Schadensregulierung zu. Statt der Vereinskontonummer gibt Neukirch seine private Bankverbindung an. 2 800 Euro fließen am 13. Januar 2017 auf das Konto des Vorsitzenden. Mit Material im Wert von 284 Euro, die der Angeklagte bezahlt, reparieren die Mitglieder das Dach selbst. Die 2 516 Euro, die übrig geblieben sind, überweist Neukirch nicht weiter. Am 13. November 2017 gehen lediglich 218,88 Euro auf dem Vereinskonto ein.

In der Verhandlung erklärt der Vorsitzende, er habe seine Bankverbindung angegeben, weil er die des Vereins nicht auswendig parat gehabt habe. Dies sei dem Versicherungsmakler bekannt gewesen und auch die Vorstandskollegen hätten davon gewusst. „Es war sonst immer so, dass ich mein privates Geld vorlegte und die Auslagen dann später bei unserem Schatzmeister wieder zurückholte“, erläutert der Vorsitzende.

Deutlich wird in dem Verfahren, dass Neukirch die zweieinhalbtausend Euro nicht für private Zwecke ausgegeben, sondern zwischen Januar und November 2017 für den Verein verwendet hat. Die 218,88 Euro sind der Rest der Versicherungssumme, die Ende 2017 auf das Vereinskonto eingehen. Der Vorsitzende hat den Löwenanteil des Geldes für Gutscheine ausgegeben, die bei einem vereinsinternen Sommerfest an die Mitglieder verteilt werden, für Anschaffungen und für Materialien, die für Reparaturen notwendig sind.

Richter und Staatsanwalt stellen klar: Das Verhalten war nicht richtig. Amtsrichter Volker Horn wirft die Frage auf, inwiefern das Umleiten von Vereinsgeldern auf private Konten eine Verletzung der Vermögensbetreuungspflicht ist, die der Vorsitzende gegenüber dem Verein habe. „Der Vorwurf der Untreue ist nicht von der Hand zu weisen. Sie hätten das Geld der Versicherung an den Verein zurückgeben müssen. Aber welche Ausgaben abzugsfähig sind und welche nicht, entscheide nicht ich“, stellt Horn klar. Streitigkeiten über Geld bei Vereinen müssten innerhalb des Vereins geklärt werden und seien kein Fall für das Strafgericht. „Möglicherweise müssen Sie sich Hilfe beim Zivilgericht suchen, wenn Sie sich nicht einig werden“, sagt Horn. Der Anwalt des Angeklagten, Prof. Jürgen Rath, sieht bei seinem Mandanten „nicht den Vorsatz, das Vermögen des Vereins zu schädigen“, wie er seinen Antrag auf Einstellung des Verfahrens begründet.

In der Verhandlung wird deutlich, wie zerstritten der Verein ist. Eine reguläre Jahreshauptversammlung hat es schon länger nicht gegeben, das Verhältnis zwischen einzelnen Vorstandsmitgliedern und Neukirch ist so zerrüttet, dass eigentlich keine richtige Vereinsführung mehr möglich ist. Etwa zehn Mitglieder, die die Verhandlung verfolgen möchten, dürfen nicht dabei sein, weil der Anwalt des Angeklagten davon ausgeht, sie könnten als Zeugen wichtig werden. Volker Horn holt die Gruppe aber vor der Urteilsverkündung wieder in den Saal und erläutert auch, wie die Einstellung des Verfahrens zustande gekommen ist. Günter Neukirch muss als Auflage für die Einstellung 900 Euro an das Tierheim Dreieich überweisen. Staatsanwalt und Richter sind sich einig, dass eine Überweisung an die Kleingärtner bei dieser Sachlage keinen Sinn macht.
VON NICOLE JOST

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