Leser halfen bei Aufklärung mit

Wie kam Aral auf diese Idee? Rätsel um Tankstelle in Dreieich ist gelöst

Kleine und große Leute kamen am 13. März 1968 zur Einweihung. Wo das Aral-Schild hängt, entstand später der Anbau.
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Kleine und große Leute kamen am 13. März 1968 zur Einweihung. Wo das Aral-Schild hängt, entstand später der Anbau.

Die Bilder sagen schon alles: Im Odenwaldring in Dreieich-Dreieichenhain konnte dereinst getankt werden. Und nicht nur das.

Dreieich – Auch eine Kfz-Werkstatt gehörte zum Betrieb von Bernd und Brigitte Sander. Und später noch ein Minimarkt – Anfang der 70er Jahre der erste, den die Aral AG in Deutschland einrichtete. Bei dieser Geschichte fügt sich ein Puzzleteil ans andere. Am vergangenen Samstag hatten wir berichtet, dass Jürgen Pfeifer seinen kleinen Lebensmittelladen nach 14 Jahren im Sommer schließt. Die Aussage, dass dort früher eine Tankstelle betrieben wurde, weckte Zweifel bei unserem Leser Stephan Heinsius. Nach seiner Erinnerung und der seiner Mutter wurde eine solche zwar gebaut, aber nie eröffnet. Grund genug für die Redaktion, die Leser um Hinweise zu bitten und der Sache auf den Grund zu gehen.

Der erste Fingerzeig lässt nicht lange auf sich warten. Monika Lenhard ist sich sicher, dass dort in den 70ern eine Tankstelle existierte. „Ich habe dort mit unserem R 4 getankt. Sie war aber wohl nur ein paar Monate geöffnet“, sagt die 76-Jährige. Sie bedauert im Übrigen – wie viele andere auch – die Schließung des Lädchens.

Aral-Tankstelle: Viele schöne Erinnerungen von Dreieichenhainern

Jochem Liebermann legt nach: „Wir wissen, dass es eine Aral-Tankstelle war. Meine Frau hat in der Nähe gewohnt. Auf jeden Fall hat ihr Bruder dort für sein Taschengeld Süßigkeiten gekauft.“ Peter Graff erinnert sich dunkel an Aral-Schilder, ist sich aber ganz sicher, dass an dem Standort ein Zigarettenautomat war. „Ich musste dort mit dem Fahrrad HB für meinen Vater holen“, erzählt der 61-Jährige, der in der Parkstraße groß geworden ist. Eines weiß Graff aber ganz genau: „Auf einmal stand da ein Pommes-Automat. Das war eine Sensation!“ Für eine Mark konnte man sich ‘ne Portion zubereiten lassen.

Ein Bild aus den Anfangstagen der Tanke: Bernd und Brigitte Sander (links) mit einer Kundin und einem legendären Käfer.

„Stimmt“, sagt Bernd Sander und lacht. „Den hab’ ich mir damals aufbabbeln lassen. Der war von der Firma Vierlande.“ Der heute 76-Jährige, auf dessen Spur uns sein Bruder Leo gesetzt hat, der wiederum selbst bei der Aral AG arbeitete, betreibt die Tankstelle mit seiner Frau Brigitte vom 13. März 1968 bis zur endgültigen Schließung Ende 1975. Der Pommes-Automat überlebt nicht lange. „Er lief ein Jahr ganz gut, dann nicht mehr“, berichtet Bernd Sander.

Er hat vorher bei VW Straub in Langen eine Ausbildung zum Tankwart gemacht. „Das war damals ein Lehrberuf“, erzählt Sander. 1968 eröffnet er mit seiner Frau die Tankstelle in Dreieichenhain, der Odenwaldring heißt noch Berliner Ring. Neben dem Kerngeschäft Benzinverkauf – der Liter Super kostet 54,9 Pfennige – bietet er Dienstleistungen wie Wagenpflege, Ölwechsel und Reparaturen an.

Ende 1971, Anfang 1972 feiern die Sanders eine deutschlandweite Premiere: Auf dem Millionenhügel, wie die Gegend auch genannt wird, machen sie in einem neuen Anbau den ersten Aral-Minimarkt auf. Dort verkaufen sie nicht nur Lebensmittel, sogar Fahrräder gehören zum Sortiment. In Kommission. „Wir haben zehn Prozent vom Umsatz bekommen“, schildert Brigitte Sander.

Aral-Tankstelle in Dreieichenhain: Umstrittenes Straßenprojekt

Wie aber kam ein Mineralölkonzern auf die Idee, eine Tankstelle in einem Wohngebiet zu bauen, in dem ja noch deutlich weniger Häuser standen als heute? Mehrere Leser berichten übereinstimmend, es sei eine Durchfahrtsstraße geplant gewesen, die den Dreieichenhainer Ortskern entlasten und in Verlängerung von Neurothweg und Kennedystraße bis nach Sprendlingen führen sollte. Das Projekt sei höchst umstritten gewesen, so Detlef Odenwald, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins. Die Idee einer „Hengstbachtalstraße“ wird vermutlich auch aus Kostengründen verworfen. Der zusätzliche Verkehr, den sich die Aral erhofft, bleibt folglich aus.

Heute würde man vermutlich von „Aral to go“ sprechen. Ende 1971, Anfang 1972 eröffnete der Konzern seinen ersten Minimarkt. Dort konnte man auch Fahrräder kaufen. 

Und dann ist da noch die Ölkrise, die für viele Tankstellen das Ende bedeutet. Auch für die im damaligen Berliner Ring. Bernd Sander übernimmt eine Kfz-Werkstatt in Sprendlingen und wechselt nach zwei Jahren zur Lufthansa. Aus der Tankstelle wird nach einer Umwidmung 1977 ein reiner Einkaufsladen, den zunächst eine Familie Müller betreibt. Dieses Kapitel endet im Sommer, wenn Jürgen Pfeifer zumacht. Dann könnten dort Häuser gebaut werden. (Frank Mahn)

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