FDP warnt vor sozialem Brennpunkt

Baugebiet auf den Weg gebracht

Dreieich -  Das Baugebiet Hainer Chaussee 49-55 mit sozial gefördertem Wohnungsbau nimmt konkrete Formen an. Die Stadtverordneten gaben grünes Licht für die Magistratsvorlage zur Investitionsplanung und weiteren Vorgehensweise. Von Holger Klemm 

Lediglich bei der FDP waren die Bedenken so groß, dass sie dagegen stimmte. „Wir sind nicht gegen sozialen Wohnungsbau an dieser Stelle“, versicherte FDP-Fraktionschef Alexander Kowalski, um sofort ein Aber hinterherzuschieben. Die Liberalen hätten sich statt des geplanten Mixes von 80 Prozent geförderten und 20 Prozent frei finanzierten Wohnungen ein Verhältnis von 60:40 oder 70:30 gewünscht. Wegen der Lage an der Hainer Chaussee drohe ein sozialer Brennpunkt. Weiterer Knackpunkt sei die Wirtschaftlichkeit. Die zu erwartende Rendite sei schon stark gesunken und könnte unter null Prozent rutschen. Angesichts dieser Entwicklung sieht sich die FDP in ihren Befürchtungen bestätigt. „Uns geht es um eine solide Finanzierung“, so Kowalski. Zudem würden solche Gebiete heutzutage nicht mehr entwickelt.

SPD-Fraktionschef Holger Dechert entgegnete, dass die Dreieich-Bau AöR von der Stadt nicht gegründet worden sei, um Rendite zu erwirtschaften, sondern um dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Er verwies darauf, dass das zuständige Ministerium lange von der FDP geführt worden sei, die eben auf Rendite gesetzt habe. Deshalb fehlten jetzt Sozialwohnungen. Die Stadt müsse handeln, schon um sich in einigen Jahren nicht dem Vorwurf auszusetzen, nichts gegen die Misere getan zu haben – wie aktuell bei den fehlenden Kitaplätzen. Die FDP entferne sich mit ihrer Befürchtung, dass ein sozialer Brennpunkt geschaffen werden könnte, von der Realität. Denn heutzutage seien auch Berufsgruppen wie Krankenschwestern oder Feuerwehrleute auf geförderten Wohnraum angewiesen.

CDU-Fraktionschef Hartmut Honka wollte nicht so weit gehen wie sein SPD-Kollege. Die Dreieich-Bau AöR als städtische Gesellschaft müsse sich auf Dauer tragen – angesichts der finanziellen Situation der Stadt. Das Problem sei, dass die neu gegründete AöR gleich ein so großes Projekt angehen müsse und nicht erst mal kleine Vorhaben umsetzen könne. Man müsse sich das weitere Vorgehen anschauen. Die CDU sei aber zuversichtlich.

Die FDP solle mit ihrer Bemerkung zum sozialen Brennpunkt aufpassen, warnte Roland Kreyscher (Grüne). Damit würden die zukünftigen Bewohner stigmatisiert. Mit geeigneten Maßnahmen könne man Fehlentwicklungen gegensteuern. In Dreieich gebe es verschiedene Gebiete mit Sozialwohnungen, aber keinen einzigen sozialen Brennpunkt. Die Grünen seien zwar gegenüber der Form der AöR skeptisch gewesen, aber nun gebe es kein Zurück mehr. Kreyscher erinnerte aber auch an die Versäumnisse der Verwaltung und der Stadtverordneten. Das letzte Gebiet mit Sozialwohnungen sei Anfang der 90er Jahre die Säuruh gewesen. Beim Heckenborn und der Albert-Schweitzer-Straße habe man nicht darüber diskutiert, dort geförderten Wohnraum auf städtischen Grundstücken zu ermöglichen.

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Marco Lang (FWG) sprach sich ebenfalls dafür aus, das Projekt voranzutreiben. Die Stadtverordneten hätten es in der Hand, zu sehen, wie sich das Ganze entwickele und könnten nötigenfalls reagieren.

Auf dem alten Opelgelände an der Hainer Chaussee sind 99 Wohnungen für 300 bis 350 Menschen geplant. Die Dreieich-Bau will das Gebiet in zwei Phasen bis Ende 2020 entwickeln.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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