Bewerbung für Bundesprogramm

Dreieich will mehr naturnahe Grünflächen in der Stadt

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Sie benötigen wenig Pflege und sorgen für blühende Abwechslung: In Dreieich setzt man an verschiedenen Stellen auf Staudenmischpflanzungen – wie hier in der Rathausstraße in Sprendlingen.

Dreieich - Um biologische Vielfalt und ein ökologisches Grünflächenmanagement geht es beim neu aufgelegten bundesweiten Label „StadtGrün naturnah“ für Städte und Gemeinden.

Dreieich wurde mit einer ersten Bewerbung nicht berücksichtigt, will aber am Ball bleiben und es im kommenden Jahr wieder versuchen. Mehr als 50 Kommunen bewarben sich für das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz geförderte Labeling-Verfahren, Dreieich kam noch nicht zum Zuge. „Das Label ‘StadtGrün naturnah‘ unterstützt die ausgewählten Kommunen bei der Umsetzung eines ökologischen Grünflächenmanagements. Es lenkt den Blick auf die positiven Effekte naturnaher Grünflächen in der Stadt und zeigt weitere potenzielle Handlungsspielräume auf“, erklärt Erster Stadtrat Martin Burlon. „Aber auch wenn es in diesem Jahr nicht geklappt hat, bedeutet das nicht, dass wir den eingeschlagenen Weg nicht weiter gehen.“

Die AG Umwelt- und Naturschutz, der BUND, der Bienenzuchtverein sowie der Biologe Andreas Malten hatten bereits ihre Bereitschaft signalisiert, den Prozess im Falle eines Zuschlags in einer Lokalen Arbeitsgruppe zu begleiten. Neben einer Bestandserfassung und dem Vor-Ort-Besuch einer Kommission des zertifizierenden Projektbüros wären weitere Aufgaben wie die Erstellung eines Maßnahmenkatalogs und einer Gesamtstrategie zu erledigen gewesen.

„In den vergangenen fünf Jahren wurden richtungsweisende Veränderungen im Bereich des ökologischen Grünmanagements vorgenommen. Wir haben bereits einiges vorzuweisen, aber in einem straffen Labeling-Prozess mit fachlicher Begleitung könnten wir sicherlich noch brachliegende Potenziale erschließen“, erläutert Sylvio Jäckel vom DLB.

Eine Auswahl von Aktivitäten in der Bewerbung zeigt auf, warum sich Dreieich durchaus Hoffnungen machen darf, im nächsten Jahr dabei zu sein: So wurde die Anzahl der Mähgänge auf den Rasenflächen reduziert, teilweise erfolgt die Mahd als Mulchmahd, bei der das Schnittgut nicht entfernt wird. Bei der Naturwiesenmahd wurde der erste Zeitpunkt auf Juni, nach der Blüte, festgesetzt. In den kommenden Jahren sollen weitere Rasenflächen in Naturwiesenbereiche umgewandelt werden. 2014 erfolgte die erste maschinelle Blumenzwiebelpflanzung für Blühstreifen. Auf den Einsatz von Pestiziden wird auf den öffentlichen Grünflächen seit vielen Jahren verzichtet.

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Die teilweise sterilen Wechselflorbeete wurden in den vergangenen fünf Jahren komplett durch Dauerbepflanzung ersetzt. Wechselflor ist im Stadtgebiet somit lediglich noch in Form von Pflanzkübeln anzutreffen, die ebenfalls reduziert wurden. Seit 2013 wurden mehrere dynamische Staudenmischpflanzungen (SMP) angelegt – an der Langener Straße in Götzenhain, in Dreieichenhain am Friedhof und in Sprendlingen, Rathausstraße. Ende 2017 entstand durch die Verbreiterung eines Mittelstreifens in der Robert-Bosch-Straße mit 580 Quadratmeter eine der größten zusammenhängenden Pflanzungen dieser Art im Kreis.

Die knapp 8000 kartierten Bäume werden in einem digitalen Kataster verwaltet. Höhlenbäume werden seit zwei Jahren mittels einer Plakette markiert, um die Baumpfleger auf eine erhöhte Achtsamkeit hinzuweisen. Bei Maßnahmen wird versucht, Baumhöhlen so lange wie möglich zu erhalten. Sind Bäume nicht mehr zu halten und müssen gefällt werden, erfolgt eine Prüfung, ob Stümpfe stehen bleiben können oder Stammholz am Fällort verbleiben kann, da diese Biotopstrukturen im städtischen Kontext immer seltener werden. Hinsichtlich der Baumarten wird eine Verwendung von stresstoleranten heimischen und im Zuge des Klimawandels standortgerechten Arten angestrebt.

Teile des 193 Hektar großen Stadtwaldes ziehen sich in den Innenbereich von Buchschlag hinein. Seit 2014 ist dieser nach Richtlinien zu einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung zertifiziert. Im Bereich der Fließgewässer existieren für den Hengstbach Pläne zur Beseitigung von Störstellen und Hindernissen, die baldmöglichst umgesetzt werden sollen. Im Fritzenwiesengraben, der ehemals komplett in Halbschalen verlief, werden Teilabschnitte, wie in der Borngartenstraße, renaturiert.

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Auch hinsichtlich der Beteiligung von Bürgern hat der DLB neue Wege beschritten und gute Erfahrungen gesammelt. Staudenmischungen wurden mit Interessierten gepflanzt. Für die Umgestaltung des Bürgerparks enstand das Konzept mit Bürgern. Auch in der Umsetzung soll es wieder Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung geben – beispielsweise durch Pflanzaktionen. Auch die Insel in der Liebknechtstraße ist ein aktuelles, gutes Beispiel.

Hilfreich sind auch die Bebauungspläne und die Baumschutzsatzung. Während in den Bebauungsplänen wertvolle Grünflächen- und Baumbestände festgesetzt werden und auch die Gehölzverwendung mit heimischen und standortgerechter Gehölzauswahl vorgegeben wird, erfolgt mit der Satzung ein Schutz von alten Laubbäumen mit Stammumfang ab 90 Zentimetern. (hok)

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