Anwohner-Initiative warnt vor teurer Fehlinvestition

Radschnellverbindung: Dreieicher BI fordert Verzicht auf die Beule

Seit ein paar Wochen ist die Route durch Sprendlingen ausgeschildert – was Misstrauen geweckt hat.
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Seit ein paar Wochen ist die Route durch Sprendlingen ausgeschildert – was Misstrauen geweckt hat.

Gegen die projektierte Route der Radschnellverbindung durch Dreieich hat sich offiziell Widerstand formiert. Die Bürgerinitiative mit Namen „Die Radschnellwegfreunde in Dreieich“ will die sogenannte Sprendlinger Beule durch Wohngebiete verhindern und fordert eine Streckenführung entlang der Bahntrasse Frankfurt-Darmstadt. Manfred Ockel versucht, die Wogen zu glätten. „Die Route ist nicht in Stein gemeißelt. Wir prüfen auch Alternativen“, sagt der Geschäftsführer der für den Raddirektweg zuständigen Regionalpark Rhein-Main Südwest GmbH.

Dreieich – In einer Pressemitteilung und einem Flugblatt beklagt die BI mangelnde Transparenz. Viele Anwohner und Radfahrer fühlten sich schlecht informiert. Im August sei man dann vom unangekündigten Aufstellen der Radschnellwegschilder überrascht worden. „Ein Dialog und eine gemeinsame Suche nach den besten Lösungen mit den Bürgern hat in Dreieich anders als in Nachbargemeinden bisher nicht stattgefunden.“

„Wir fahren alle gerne Rad und haben uns sogar auf das Radfahren in einer neuen Qualität gefreut“, sagt Dr. Hans-Hartwig Löwenstein, einer der Initiatoren aus der Erich-Kästner-Straße. Die geplante Zickzack-Route bringe den Anwohnern aber nichts als Nachteile und den Radfahrern nicht die erwarteten Vorteile. Statt eines Vorzeigeprojekts der Verkehrswende drohe in Dreieich eine Fehlinvestition ohne angemessenen Nutzen, orakelt die BI und spricht von schmerzhaften Opfern. Die Gegner der Beule zählen auf: aufwendige Umgestaltung von Kreuzungen, Wegfall von Parkplätzen, erschwerte Zufahrt zu Grundstücken, Einrichtung von Einbahnstraßen und gefährliche Durchmischung der Verkehrsarten. Nach Recherchen der Freunde des Radschnellwegs müssten an der Lettkaut Kleingärtner und im Tannenweg (Höhe Gerhart-Hauptmann-Schule) Privatleute Teile ihrer Grundstücke aufgeben, damit die Breite eines Radschnellweges von vier Metern erreicht werden könne.

Die blaue Route kommt aus Sicht der Bürgerinitiative nicht infrage. Der Radschnellweg gehört nach ihrer Auffassung an die Bahnstrecke.

Diese teure und schlechte Planung könne keinem Dreieicher egal sein, meint die BI, „denn die Stadt muss sich mit einem sechsstelligen Eigenanteil samt Folgekosten beteiligen“. Und das obwohl die Kassen durch Corona klamm seien. „Wir befürchten, dass durch bereits laufende Planungsarbeiten und die jüngst aufgestellten Schilder vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen.“ Die Meinung der Bürger müsse gehört werden, fordert die BI. Von den Stadtverordneten erwartet sie, dass sie die vorgesehene Route aufgeben. Der Radschnellweg gehöre an die Bahnstrecke und nicht in Wohngebiete.

Infos und Kontakt

Auf einer Internetseite hat die Initiative Informationen, Grafiken und Links zusammengestellt. Eine Kontaktaufnahme ist per Mail an keinebeule@web.de oder unter z 0157 72170592 möglich.

Manfred Ockel versichert, dass die Routenführung keinesfalls schon feststehe. Die ausgeschilderte Route basiere auf einem Beschluss des Stadtparlaments. Derzeit schaue man sich die Strecke im Detail an und „dabei fragen wir uns auch, ob sie der Weisheit letzter Schluss ist“, so der Geschäftsführer der Regionalpark GmbH. Ockel verweist darauf, dass in Langen auch Änderungen vorgenommen wurden. „Selbstverständlich prüfen wir, ob alternative Routen denkbar sind.“ Ende Oktober könne man dazu voraussichtlich mehr sagen. Und dann, so Manfred Ockel, würden auch die Anwohner beteiligt. (Von Frank Mahn)

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