Vorstandsvorsitzender Michael Ramroth gewährt Einblicke

Biotest-Welt: Sicherheit ist das oberste Gebot

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Wir gehen mit den Kontrollen weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Dirk Neumüller Unternehmenskommunikation Stolz ist Vorstandsvorsitzender Michael Ramroth auf die neue Produktionsanlage, in der 1,4 Millionen Liter Blutplasma verarbeitet werden können.

Die „Woche der Industrie“ hat die Firma Biotest zum Anlass genommen, den Dreieichern einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Dr. Michael Ramroth, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, das Arzneimittel aus menschlichem Blutplasma herstellt, kann die gut 50 Besucher, die sich angemeldet haben, natürlich nicht in die hochsensiblen Produktionsanlagen führen. Spannend ist es trotzdem.

Dreieich – Ramroth berichtet von der Entwicklung des Unternehmens, erläutert die Produkte, zeigt einen Film und gibt einen Einblick in die neue Produktionsanlage „Biotest Next Level“, durch die sich bis 2021 die Produktion der medizinischen Präparate nahezu verdoppeln wird.

Stammsitz ist auch nach dem Verkauf an den chinesischen Blutplasmaproduzenten Creat Dreieich. Biotest hat Tochtergesellschaften in neun Ländern, rund 1800 Mitarbeiter, von denen rund drei Viertel in Deutschland arbeiten. Das komplette Geschäft – Forschung und Entwicklung, die Produktion der Präparate, Marketing und Vertrieb – ist in Dreieich beheimatet und wird von hier aus gesteuert.

Ramroth erläutert, welche Medikamente hinter Namen wie Haemonine, Haemoctin, (zur Behandlung der Bluterkrankheit), Intratect (bei Antikörpermangel und Autoimmunerkrankungen) oder Albumin (Wiederherstellung und Aufrechterhaltung des Blutvolumens bei großem Blutverlust oder schweren Operationen) stecken, die aus dem Industriegebiet Dreieichenhain in über 90 Länder der Erde vermarktet werden. „Unsere Produkte retten Leben und geben chronisch kranken Menschen neue Perspektiven“, sagt der Chef.

Wie wichtig das Geschäftsfeld mit dem menschlichen Blutplasma und die damit verbundene Forschung ist, zeigt das Beispiel der Bluter-Krankheit: Um 1900 starben die Patienten durchschnittlich mit zwölf Jahren an dem Mangel des Gerinnungsfaktors, 1960 wurden sie 20 Jahre alt, heute haben betroffene Menschen dank der Medikamente eine Lebenserwartung von über 70 Jahren. In Deutschland gibt es 4 000 Patienten, die auf diese Medikamente angewiesen sind.

Sicherheit steht beim Umgang mit dem Blutplasma, das Biotest aus eigenen Sammelzentren bezieht, im Mittelpunkt. Bei Biotest wird streng kontrolliert, fünffach auf das HIV-Virus, Hepatitis A, B und C sowie Parvo B19 geprüft. „Das ist ein unglaublich hoher Aufwand. Wir gehen damit weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, aber dafür ist auch seit über 25 Jahren kein einziger Patient mehr durch einen Virus angesteckt worden“, erläutert Dirk Neumüller, Leiter der Unternehmenskommunikation. Bis zur weiteren Verarbeitung wird das Plasma bei minus 35 Grad eingelagert: „In dem Gebäude ohne Fenster, das ist ein riesiger Gefrierschrank“, so Ramroth.

Die neue, 2017 in Betrieb genommene Energiezentrale versorgt das Firmengelände mit drei Blockheizkraftwerken und drei Heizdampferzeugern, die zur Reinigung der Anlagen benötigt werden. Die neue Produktionsanlage, seit 2018 in Betrieb, hat eine Verarbeitungskapazität von 1,4 Millionen Litern Blutplasma – damit kann Biotest die Produktion von Immunglobulinen von sechs auf 12,5 Tonnen im Jahr hochfahren und 75 statt bisher 42 Tonnen Albumin herstellen. Auch die nachhaltigere Nutzung von einem Liter Plasma von bisher drei auf fünf Produkte ist mit der neuen Anlage möglich. „Aber bis wir unsere Produkte ausliefern können, müssen wir noch durch die aufwendigen Genehmigungsverfahren. Für jedes Medikament gibt es 25 dicke Ordner voll Unterlagen, die die Behörden bearbeiten müssen“, erläutert Ramroth. Mehr Produkte und eine höhere Kapazität verlangen auch nach neuen Fachkräften: Zwischen 2019 und 2021 sollen in Dreieich 300 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Sorge eines Besuchers, ob die Gewinne nach China abgeführt werden müssen, räumt Ramroth aus. Als börsennotiertes Unternehmen zahle Biotest eine Dividende und eine Verlagerung von Gewerbesteuer nach China sei nicht zu befürchten.

VON NICOLE JOST

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