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Trotz Hitze: Wöchentliche Leerung der Biotonne in Dreieich kein Thema

Biotonne
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Biomüll sorgt in Dreieich bei diesen Temperaturen für Ekel.

Bei hohen Temperaturen kommen die Nachteile der Biotonne zum Tragen. Dennoch ist eine wöchentliche Leerung in Dreieich nicht vorgesehen.

Dreieich – Biomüll liefert Biogas und trägt dazu, Kunstdünger in der Landwirtschaft zu sparen. Doch die extreme Hitze beschleunigt die Zersetzung der organischen Abfälle. Die Folgen kennt jeder: Üble Gerüche machen sich breit und Maden krabbeln am Tonnenrand und in der Tonne. Oder anders gesagt: Da ist jede Menge Leben in der Bude. Und nicht wenige ekelt es vor den Fliegen und ihren Larven.

Seit Anfang 2015 ist die Biotonne bundesweit Pflicht. Für die flächendeckende Sammlung in Dreieich und Neu-Isenburg ist der städtische Dienstleistungsbetrieb (DLB) zuständig. In Dreieich holten die Mitarbeiter im vergangenen Jahr gut 2 800 Tonnen ab, in der Hugenottenstadt nicht ganz 2 000. „Die Grundakzeptanz ist da“, sagt Frank Ullrich, Leiter Abfallwirtschaft beim DLB. Die meisten Bürger würden ihre Abfälle gewissenhaft trennen. Die Diskrepanz zwischen den beiden Kommunen erklärt sich unter anderem durch die unterschiedlichen Einwohnerzahlen, aber auch dadurch, dass es in der Hugenottenstadt mehr Großwohnanlagen gibt. Dort ist die Akzeptanz fürs Trennen erfahrungsgemäß geringer.

Biotonne: Isenburg leert wöchentlich - Dreieich alle 14 Tage

Bei der Abfuhr des organischen Abfalls gibt es zwischen beiden Kommunen einen nicht zu verachtenden Unterschied. In den Sommermonaten – genauer zwischen Mai und September – erfolgt die Leerung in Neu-Isenburg wöchentlich, während die Tonnen in Dreieich im 14-tägigen Rhythmus geleert werden. Gerade angesichts der momentanen Situation fragt sich mancher Dreieicher, warum sein Abfall nicht auch wöchentlich eingesammelt wird.

„Die wöchentliche Leerung war ein Wunsch des Isenburger Parlaments“, sagt DLB-Chefin Petra Klink. „Und sie kostet richtig Geld!“ Dafür müssten die Bürger unter dem Strich auch mehr zahlen. „Wir müssen in diesen Monaten eine zusätzliche Mannschaft bilden und ein zusätzliches Fahrzeug anmieten“, ergänzt Frank Ullrich. Manchmal müsse man auch mit Zeitarbeitskräften auffüllen. Für die fünf Monate mache das einen fünfstelligen Betrag aus, so Ullrich. Und der werde auf die Gebührenzahler in Neu-Isenburg umgelegt.

Um eine wöchentliche Leerung in Dreieich auf den Weg zu bringen, müsste von den Stadtverordneten eine Änderung der Abfallsatzung beschlossen werden. Der Dienstleistungsbetrieb ist zwar für die Abfallbeseitigung in beiden Städten verantwortlich, aber eine einheitliche Abfallsatzung gibt es nicht.

Im Dreieicher Rathaus sieht man keinen Handlungsbedarf, was den Biomüll angeht. „Aktuell gibt es keine Überlegungen, die Abfallsatzung zu ändern, da keinerlei Beschwerden oder Wünsche von Bürgern vorliegen“, teilt Pressesprecherin Claudia Scheibel auf Anfrage mit. Zudem stünden Aufwand und Kosten für einen wöchentlichen Abholrhythmus für ein paar Monate im Sommer „leider in keinem Verhältnis“.

Praxistipps für die hochsommerlichen Temperaturen

Der städtische Dienstleistungsbetrieb für Dreieich und Neu-Isenburg hat einige Tipps zum Umgang mit der Biotonne parat. Küchenabfälle sollte man in Zeitungs- oder Küchenpapier einwickeln. Der DLB empfiehlt, den Boden der Tonne mit Zeitungspapier auszulegen, das reduziert Fäulnisprozesse. Flüssige Speisereste haben in dem Behälter nichts verloren. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte die Biotonne bei den aktuellen Temperaturen in den Schatten stellen. Das verlangsamt geruchsintensive Abbauvorgänge. Der Deckel sollte stets geschlossen halten werden, weil dadurch die Ansiedlung von Insekten verhindert wird. Grasschnitt vor dem Einfüllen immer anwelken lassen. Er verklebt schnell, heizt sich auf, fängt an zu stinken und wirkt außerdem wie eine luftundurchlässige Schicht. Schließlich sollte der Biomüll in der Tonne nicht verpresst werden.

Bei einer Änderung müssten die Dreieicher mit einer Erhöhung der Müllgebühren von zwei bis zweieinhalb Prozent rechnen, da jeder Monat mit wöchentlicher Abholung des Biomülls schätzungsweise etwa 20 000 Euro zusätzlich kosten würde, so Scheibel weiter.

Biotonne: Wöchentliche Leerung in Dreieich wäre „nicht nachhaltig“

Sie verweist darauf, dass im Sommer nicht mehr organische Abfälle anfielen. „Das würde bedeuten, dass unter Umständen halbvolle Tonnen wöchentlich entleert würden, was nicht wirklich nachhaltig ist.“ Zumal die Sommermonate die Haupturlaubszeit seien. „Wer den Biomüll bei den hohen Temperaturen nicht ökologisch entsorgen möchte, dem steht als Kompromiss immer noch die Restmülltonne zur Verfügung“, empfiehlt Scheibel.

DLB-Chefin Petra Klink wohnt selbst in Dreieich und kennt das Problem. „Ich finde es nicht ganz so schlimm. Bei mir steht die Biotonne normalerweise vor dem Haus. Jetzt steht sie im Garten im Schatten. Das bringt extrem viel.“ Sie führt noch einen anderen Aspekt an. „In der Restmülltonne leben ja auch Tierchen.“

Von Frank Mahn

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