90. Geburtstag

Büchner-Schüler erinnern an Anne Franks Leben und Schicksal

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Ein Modell des Verstecks in Amsterdam veranschaulichte den Schülern, wie Anne Frank und ihre Familie unter der Naziherrschaft leben mussten. Klassenlehrer Thomas Groß besprach es mit seinen Schülern.

Dreizehn rote Rosen und Pfingstrosen stehen in Vasen auf der weißen Tischdecke. Im Klassenraum der Georg-Büchner-Schule flackert auch eine Geburtstagskerze auf dem dekorierten Tisch. Zum Gedenken an Anne Frank.

Dreieich – Genauso hat Anne Frank vor 77 Jahren ihren 13. Geburtstag im holländischen Exil in Amsterdam gefeiert. Damals bekam sie ihr – später weltberühmt gewordenes – Tagebuch geschenkt. Das Mädchen aus Frankfurt wäre gestern 90 Jahre alt geworden. „Anne Frank könnte noch leben, hätten sie die Nazis nicht umgebracht“, erklärt Religionslehrerin Claudia Ribarovic ihren Schülern.

Sie hat gemeinsam mit Kollegen in den vergangenen Wochen die Ausstellung in der Schule mit Förderschwerpunkt Lernen vorbereitet. In Kooperation mit dem Anne-Frank-Haus in Berlin, das die Plakate mit den eindringlichen Fotografien aus dem Leben des Mädchens bereitgestellt hat, haben die Schüler Arbeitsmaterialien zum Leben und dem Tod von Anne Frank bekommen. Sie starb im März 1945 im KZ Bergen-Belsen. „Wir haben uns mit den Helfern befasst, die Anne und ihre Familie in Amsterdam versteckt haben. Die Jugendlichen sind tief betroffen, über den Verrat, der fast die ganze Familie das Leben gekostet hat“, sagt Ribarovic.

Das Tagebuch eigne sich wie wohl keine zweite Schrift aus dieser Zeit, um den Schülern das unfassbare Leid der Juden im Holocaust nahezubringen. „Anne war lebenslustig und neugierig, sie hatte Lust auf das Leben und die Liebe, sie war aufmüpfig und hatte Träume, Wünsche und Erwartungen. All das haben unsere Schüler auch, sie können sich mit Anne identifizieren. An ihrem Schicksal können wir die heute noch unfassbaren Taten der Nationalsozialisten erzählen“, sagt die Pädagogin.

Die Schüler lasen die Gedanken Annes als Lektüre im Deutschunterricht, sahen Verfilmungen ihres Lebens und diskutierten über die Hoffnungen und den unnötigen Tod des Mädchens. Bei der Ausstellungseröffnung betonte Schulleiter Lukas Kracht, wie wichtig ihm die Schau über Anne Frank an seiner Schule ist: „Wir müssen das Leben von Anne Frank kennen. Es darf niemals wieder passieren, dass Menschen Angst haben müssen, umgebracht zu werden“, ruft er gegen das Vergessen auf. Die in der Schule großformatig ausgestellten Fotos zeigen das Leben von Anne und ihrer Familie eindrücklich: Zusammen mit ihrer Mutter Edith und Schwester Margot vor der Frankfurter Hauptwache, ein Familienfoto in Amsterdam und das beklemmende Bild von Otto Frank, wie er im Dachgeschoss des Verstecks steht – als er schon von dem Tod seiner Familie erfahren hat.

Besonderes Gedenken: Das Projekt liegt dem Schulleiter Lukas Kracht, seiner Stellvertreterin Angelika Gallwas und Religionslehrerin Claudia Ribarovic am Herzen.

Die Jugendlichen haben ein Modell von Annes Versteck –ein Hinterhaus in Amsterdam – nachgebaut und wissen um die wichtige Rolle von Miep Gies. Die Helferin hatte die Aufzeichnungen des Mädchens gerettet und es so erst ermöglicht, dass wir heute wissen, dass Anne aus dem Fenster auf einen blühenden Baum blickte und von romantischen Begegnungen mit ihrer ersten Liebe Peter träumte. Einzelne Georg-Büchner-Schüler haben Anne Frank auch zum Thema ihrer Projektarbeit für den Hauptschulabschluss gemacht: „Manche von uns wissen nicht, wer Anne Frank war. Das ist ein Thema, das wir nicht ignorieren sollten. Jeder hier an der Schule muss wissen, wer sie war und was sie erlebt hat“, erklärt Schüler Isac seine Motivation für seine Präsentation.

Ausstellung

Die Schau über Anne Frank ist noch bis zum morgigen Freitag in der Georg-Büchner-Schule, Konrad-Adenauer-Straße 22, zu sehen. Wer sie besichtigen möchte, sollte sich allerdings im Sekretariat, Telefonnummer 373064, im Schulgebäude anmelden.

VON NICOLE JOST

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