Mehr als nur Nachbarn

Erfolgsgeschichte: HLL bündelt seit zehn Jahren Bildungseinrichtungen unter einem Dach

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Das Haus des Lebenslangen Lernens bündelt mehrere Bildungseinrichtungen (Symbolbild)

Trauben von Jugendlichen auf dem Weg zum Unterricht, dazwischen Erwachsene, die sich weiterbilden oder ihren Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachholen – auf dem Campus des Haus des Lebenslangen Lernens (HLL) ist gut was los – auch noch in den Abendstunden.

Dreieich – Seit 2009 gibt es die Bildungseinrichtung an der Frankfurter Straße. „Dieses erste Jahrzehnt ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt Landrat Oliver Quilling.

Aus dem ursprünglichen Trio, das im Schuljahr 2008/2009 das Haus bezog – Max-Eyth-Schule (MES), Kreis-Vhs und Schule für Erwachsene (SfE) – ist inzwischen ein Konglomerat aus unterschiedlichsten Bildungseinrichtungen geworden. Unter anderem sind das Asklepios-Bildungszentrum, die städtische Musik- und Volkshochschule und das Medienzentrum von Stadt und Kreis in den Häusern angesiedelt.

„Aber wir sind nicht nur unter einem Dach, sondern arbeiten auch wirklich zusammen“, sagt Frank Roters, Leiter des Fachdiensts Volkshochschule beim Kreis. So springen schon mal kurzfristig Lehrkräfte bei einem Nachbar-Institut ein oder Vhs-Dozenten sind an der Berufsschule zu Gast. Besonders gefragt war diese Zusammenarbeit 2015, als die vielen Flüchtlinge kamen: Die Integrationsklassen der MES waren voll, die Deutschkurse der Vhs gefragt. „Das Haus hätte aus allen Nähten platzen müssen, aber wir haben es geschafft, einen geordneten Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagt Roters. Das sei nur durch die Zusammenarbeit auf engem Raum möglich.

Einmal im Monat trifft sich die Koordinationsgruppe Hessencampus/HLL, zu dem die Leiter des Gründungstrios gehören. „Da besprechen wir alles, was im Haus anliegt – das ist ein Riesenvorteil“, sagt Bernadette Bork, Chefin der SfE. Dass es ein Miteinander und kein reines Nebeneinander ist, liege auch daran, dass MES, Kreis-Vhs und SfE am Konzept mitgefeilt haben. In Dreieich wurde die Hülle Hessencampus – landesweit gibt es 21 von ihnen – nicht einfach übergestülpt. „Wir haben das Selbstlernzentrum, das jährlich über 20 000 Nutzer hat, gemeinsam entwickelt“, erklärt Wolf Dieter Gäbert, Leiter der MES. Auch die Bildungsberatung der Vhs haben die Gründungspartner erarbeitet. Natürlich mussten noch Kreis und Land vom Konzept überzeugt werden und die Finanzierung stemmen. Als das Personal bewilligt war, konnte es losgehen.

Heute gibt der Kreis pro Jahr knapp acht Millionen Euro für Miete und Bewirtschaftung des Gebäudes aus. Aus Sicht von Landrat Quilling eine lohnende Investition: „Die Zahl der Nutzer und der Einrichtungen ist kontinuierlich gestiegen. Das HLL hat einen Namen weit über die Grenzen des Kreises hinaus.“ Delegationen aus anderen Regionen Hessens, aber auch den USA und China waren schon zu Besuch.

Denn dass alle Bildungseinrichtungen nur in einem Gebäude agieren, wie in Dreieich, sei ungewöhnlich. Ursprünglich gab es sogar Pläne, dass die Einrichtungen auf dem Campus ihre Eigenständigkeit einbüßen. So weit kam es nicht. Jedoch werden gerade Gespräche geführt, inwiefern man die Zusammenarbeit zwischen der städtischen Volkshochschule und der Kreis-Vhs intensivieren kann, sagt Quilling. „Dass das zwei getrennte Einrichtungen sind, ist für unsere Besucher schwer nachvollziehbar“, meint auch Roters. Das merke er immer wieder, wenn jemand „die“ Vhs auf dem Campus suche. Doch die Planung zu etwaigen „Synergien“ stehe noch am Anfang.

Eine Herausforderung für die Zukunft wird es sein, das HLL digitaler aufzustellen. Activeboards haben Kreidetafeln längst ersetzt: Der nächste Schritt sind interaktive Beamer. Zudem soll noch in diesem Jahr das gesamte Gebäude mit WLAN versorgt werden. Das sei eine wichtige Voraussetzung, sagt Gäbert: „Unser Ziel ist es, dass jeder Schüler mit seinem Smartphone oder Tablet am Unterricht teilnehmen kann.“ Finanziert werden soll das hauptsächlich aus Mitteln des Digitalpakts der Bundesregierung.

VON JULIA RADGEN

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