„Ich will Moderator sein“

Bürgermeister-Kandidat Thomas Schüller setzt auf mehr Transparenz

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Thomas Schüller

Dreieich - In der Stadtpolitik liegt für Thomas Schüller einiges im Argen. Die Art und Weise, wie die Stadt in den vergangenen zehn Jahren größere Projekte politisch behandelt habe, sei der Ausgangspunkt für seine Kandidatur als Bürgermeister gewesen. Von Holger Klemm 

„Ein Bürgermeister sollte ein Moderator sein“, betont Schüller. Die Bürger sollten frühzeitig mit allen Informationen vertraut gemacht werden. Doch in Dreieich würden Projekte erst öffentlich, wenn die Fahrtrichtung vorgegeben sei. Als Beispiel nennt der 56-Jährige den Abriss der teilweise denkmalgeschützten Zahnfabrik in Sprendlingen. Die damalige Vorgehensweise habe wenig gemein, wie „ich mir eine offene, sensible und dem Heimatschutz verpflichtete Politik wünsche“. Bezogen auf die Neue Mitte in Sprendlingen habe ihm die Ergebnisoffenheit gefehlt, die er für nötig hält, um eine Lösung zu finden, die möglichst allen entgegenkommt.

Besonders kritisch sieht er das Projekt Lettkaut: „Egal wer wie welche Meinung zu den dortigen Entwicklungsmöglichkeiten hat, in einer funktionierenden Demokratie hat die Politik sich für Transparenz, Offenheit und Fairness im politischen Prozess zu verwenden.“ Und da hapere es oft in Dreieich. Ein Bürgermeister könne zwar seine Meinung haben, ein politischer Prozess müsse aber ergebnisoffen sein.

Zudem müsse man für die Bürger ein offenes Ohr haben. Deshalb plädiert Schüller für mindestens ein bis zwei Bürgerversammlungen im Jahr, und für Diskussionsforen zur Stadtpolitik im Internet, die eine niedrigschwellige Beteiligung ermöglichen würden.

Aber nicht alles am bisherigen Amtsinhaber Dieter Zimmer, den Schüller vor zwölf Jahren noch gewählt habe, sei schlecht gewesen. Er lobt die Konsolidierungspolitik, die mit den Stadtverordneten umgesetzt worden sei. Da habe man gezeigt, dass man über den Schatten springen kann. Der Schlendrian vergangener Jahre sei überwunden worden. „Die Stadt hat gezeigt, dass sie es kann.“ An der Konsolidierung müsse unbedingt festgehalten werden. Aber Schüller ist sich darüber bewusst, dass die nächsten Jahren nicht einfach werden, selbst bei weiter anhaltender günstiger Konjunktur. Das habe Biotest und der damit verbundene Einbruch bei der Gewerbesteuer gezeigt. Dagegen müsse man sich wappnen.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Auch die aktuelle Herausforderung der Kinderbetreuung werde Geld kosten. Das gelte auch für einen weiteren seiner Schwerpunkte, die Seniorenpolitik. Auch die werde es nicht zum Nulltarif geben. Als weitere Schwerpunkte nennt er unter anderem die Umwelt- und Verkehrspolitik. Dabei hebt der Kandidat die Dreieichbahn hervor, bei der die Bahn stärker in die Pflicht genommen werden sollte. Zudem sollte die Idee einer sozialen Stadt weiterentwickelt werden.

Wie will sich Schüller bekannter machen? Er setzt auf den Straßenwahlkampf mit Ständen, kündigt Veranstaltungen in allen Stadtteilen an und will Facebook nutzen. Schon beim Sammeln seiner Unterstützerunterschriften habe er großen Gesprächsbedarf in der Bevölkerung festgestellt. Diesem will er entgegenkommen: „Ich möchte Präsenz zeigen.“

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