Bunker-Fund in Dreieich 

Denkmalschützer schalten sich ein

Das Landesamt für Denkmalpflege hat den Bunker nach Angaben einer Kreissprecherin als Bodendenkmal eingestuft. Foto: strohfeldt

Die Bauaufsicht des Kreises Offenbach hat in Zusammenhang mit dem Innenstadtprojekt Neue Mitte einen Baustopp verhängt.

Dreieich - Er gilt allerdings nicht für das gesamte, gut 7 000 Quadratmeter große Areal an der Sprendlinger Hauptstraße, sondern nur für den Bereich des Geländes, auf dem vergangene Woche ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurde (wir berichteten). Das heißt: Mit dem Abriss des Gebäudes Hauptstraße 36 kann die Schoofs Immobilien GmbH als Bauherr wie geplant beginnen.

Von dem Relikt aus Kriegszeiten* aber hat das Unternehmen zumindest vorläufig die Finger zu lassen. Am Freitag hatte die Schoofs GmbH noch mitgeteilt, in dieser Woche den verschütteten Eingang öffnen zu wollen. Doch dem hat das Landesamt für Denkmalpflege einen Riegel vorgeschoben. Nach Angaben von Sandra-Kristin Klauß, Pressesprecherin beim Kreis Offenbach, hat die Behörde mit Sitz in Wiesbaden den Bunker als Bodendenkmal eingestuft. 

Dreieich: Denkmalschützer verhindern Öffnung von Bunker aus Zweitem Weltkrieg 

Nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz sind das Kulturdenkmäler, „die Zeugnisse menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Lebens von wissenschaftlichem Wert darstellen“. Die Denkmalfachbehörde ist zudem berechtigt, den Fund zu bergen, auszuwerten und zur wissenschaftlichen Bearbeitung vorübergehend in Besitz zu nehmen. Sie hat auch die Möglichkeit, die wirtschaftliche Nutzung eines Grundstücks zu beschränken, in dem sich Bodendenkmäler befinden.

Ob diese Paragrafen konkrete Auswirkungen auf das Projekt Neue Mitte haben, war gestern nicht zu erfahren. Eine Anfrage in Wiesbaden blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Wie es weitergeht, soll bei einem Vor-Ort-Termin mit dem Landesamt für Denkmalpflege geklärt werden, so Sandra-Kristin Klauß.

Dreieich: Bunker aus Zweitem Weltkrieg als Denkmal eingestuft 

Ob sich vor diesem Hintergrund die Prognose von Mohamed Younis halten lässt, ist zumindest fraglich. „Zu größeren Verzögerungen wird es bei der weiteren Projektrealisierung nicht kommen, das eventuelle Freilegen eines Bunkers war bei den Aushubarbeiten für die zukünftige Tiefgarage eingeplant“, hatte der Schoofs-Geschäftsführer noch am Donnerstag gesagt.

von Frank Mahn

Eine Frau erzählt, wie sie im Bunker in Dreieich als Baby Schutz vor Luftangriffen fand.

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