Film gewährt Einblick in die Geschichte / Neue Mitte wächst zunächst in die Tiefe

Dreieich: Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg - So geht es jetzt weiter

Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg: Der Bunker bleibt erhalten, die Nutzung ist noch unklar.
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Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg: Der Bunker bleibt erhalten, die Nutzung ist noch unklar.

Das hört man selten in dieser krisenintensiven Zeit. „Es gibt keine schlechten Nachrichten, es läuft weiter auf der Baustelle“, sagt Mohamed Younis mit Blick auf das Projekt Neue Mitte in der Sprendlinger Innenstadt.

Dreieich - „Wir haben die Arbeiten so aufgeteilt, dass sich bei den jeweiligen Tätigkeiten keine Gruppen von Bauarbeitern bilden“, berichtet der Geschäftsführer der Schoofs Immobilien GmbH. „Wir achten streng darauf, dass nie mehr als zwei Arbeiter am selben Ort tätig sind, sie maximal zu zweit in einem Fahrzeug zur Arbeit kommen, die Hygienevorschriften einhalten und die Regel von mindestens 1,5 Metern Abstand zueinander berücksichtigen. “.

Riesig ist die Grube im hinteren Bereich des etwa 7 000 Quadratmeter großen Geländes an der Hauptstraße. Hier laufen die Arbeiten für die Tiefgarage der Neuen Mitte.

Die Erd- und Verbauarbeiten in Dreieich seien aktuell etwa zur Hälfte abgeschlossen, schildert Younis. „Wir haben uns dazu entschieden, technisch und logistisch in zwei Bauabschnitten zu arbeiten. Der zur Hauptstraße gelegene Abschnitt wird momentan für die Baustelleneinrichtung genutzt, dort beginnen wir voraussichtlich Ende des Jahres mit den Arbeiten. Im ersten Bauabschnitt, der Richtung Bachstraße liegt, haben wir mit den Arbeiten an der Tiefgarage begonnen.“

Dreieich: Bunker aus Zweitem Weltkrieg soll besichtigt werden können

Vor Ausbruch der Coronakrise hatte Schoofs geplant, den von Bauarbeitern im Oktober entdeckten Luftschutzbunker, der in den neuen Baukörper integriert wird, für Besichtigungen zur Verfügung zu stellen. „Wir haben auch geprüft, ob wir dem Bunker eine Funktion beziehungsweise Nutzung zuordnen können, wie zum Beispiel einen Teil der Gastronomie dort anzusiedeln, ähnlich einem Gewölbekeller“, erzählt Younis. Eine Untersuchung habe aber ergeben, dass diese Idee nicht realisiert werden könne, da im Bunker keinerlei Brandschutzeinrichtungen vorhanden seien. 

Auch die geringe Höhe des Dreieicher Bunkers mit 1,95 Meter mache ihn für eine solche Nutzung ungeeignet. „Eventuell werden wir Teile der Haustechnik dort unterbringen. Und nach Beendigung der Einschränkungen wegen Corona* werden wir einen zweiten Anlauf unternehmen, um Besichtigungen für Schulklassen und interessierte Bürger zu ermöglichen. Dabei können wir auf die Unterstützung des Heimatkundevereins Freunde Sprendlingens bauen.“

Manchmal geht es mit Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg ganz unerwartet weiter. So erfüllt ein alter Weltkriegsbunker in einem Garten in Rodgau* im Gegensatz zu den Plänen in Dreieich heute ganz banale Zwecke. Die Besitzer funktionierten das Relikt zu einem Getränkelager um. 

Dreieich: Bunker aus Zweitem Weltkrieg könnte ein Museum werden

Dessen Vorsitzender Wilhelm Ott hofft weiterhin, in dem 17,6 mal sechs Meter großen Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg ein kleines Museum einrichten zu können. Die Freunde Sprendlingens seien bereit, eine Ausstellung zum Bombenkrieg im Dreieichgebiet zu konzipieren, so Ott. Ob das klappt, werden weitere Gespräche zeigen. Wer einen Blick in den Bunker werfen möchte, kann das locker von der heimischen Couch aus tun. 

Wilhelm Ott bei der Spurensuche: Im Bunker fanden sich alle möglichen Überbleibsel.

Gemeinsam mit Lothar Pape vom Film- und Videoclub Dreieich hat Ott eine Begehung unternommen. Das Ergebnis ist ein gut siebeneinhalb-minütiger Film, der bei YouTube zu sehen ist; bei der Suche einfach „Bunker Neue Mitte Sprendlingen“ eingeben. Der 1943 gebaute Betonkoloss diente nach dem Krieg unter anderem der Brillenfabrik Hofmann als Lagerraum. Viele leere Flaschen deuten zudem darauf hin, dass dort ausgiebig gefeiert wurde.

Dreieich und der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg: 50 Wohnungen sollen angeboten werden

Zurück in die Neuzeit: Die mehr als 50 barrierefreien Wohnungen werden nach ihrer Fertigstellung im nächsten Jahr zur Miete angeboten. Außerdem ist Mohamed Younis in Verhandlungen mit Ärzten zur Ansiedlung von Praxen. „Das Herz der Anlage ist die Gastronomiefläche an der Hauptstraße. Hier sind wir sehr selektiv unterwegs, führen Gespräche mit Gastronomen. 

Wir werden noch etwas Zeit benötigen, um den richtigen Betreiber zu finden“, meint der Geschäftsführer. Schon seit Längerem steht hingegen fest, dass Peter Kossytorz mit seinem Naturwarenzentrum von der Fichte- in die Hauptstraße ziehen, die Drogeriekette Rossmann einen Markt eröffnen und die Sparkasse Langen-Seligenstadt ihre Dreieicher Hauptstelle dorthin verlegen wird.

„Wir wissen, dass so eine Großbaustelle mitten in der Stadt Einschränkungen und Belästigungen vor allem für die Anwohner mit sich bringt. Wir versuchen, auf entsprechende Hinweise und Beschwerden einzugehen und die Unannehmlichkeiten zu beseitigen, soweit es möglich ist“, versichert Mohamed Younis. Von Frank Mahn (*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.)

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