Schreibtisch zu vermieten

Coworking boomt: Sebastian Schmidt bietet jetzt auch in Dreieich eine flexible Arbeitsheimat

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Seinen elften Sleeves Up-Standort hat Sebastian Schmidt (links) im Februar in Dreieich eröffnet. Christoph Müller ist einer der Kunden, der das Büro besonders jetzt während der Corona-Krise schätzt.

Die Idee ist nicht neu und in Frankfurt und anderen Großstädten in der Republik schon seit einigen Jahren im Trend: sogenannte Co-Working-Spaces.

Dreieich – Das sind oft kurzfristig und sehr flexibel anmietbare Arbeitsplätze, bei denen die Mieter sich weder um eine schnelle Internetanbindung, noch um Büroreinigung oder eine funktionierende Kaffeemaschine und Milch im Kühlschrank kümmern müssen.

Seit Februar gibt es dieses Angebot auch in Dreieich. Sebastian Schmidt eröffnete seinen elften Standort von Sleeves Up in der Robert-Bosch-Straße 5. Dort bietet er mit seinem Team 122 Arbeitsplätze auf 1400 Quadratmetern. Die Mieter, ganz gleich aus welcher Branche, haben die Wahl zwischen einem Platz im Open Space, ein Großraumbüro mit zwölf Arbeitsplätzen, und wer ein ruhigeres Arbeitsklima in Zweier- oder Vierer-Büros vorzieht, wird ebenfalls fündig. Meeting-Räume und Teeküche gehören auch zu dem Konzept. „Dreieich bot sich für mich als Standort an, weil es sehr gut an die Autobahn angeschlossen ist und viele Menschen hier aus dem Umland vielleicht nicht unbedingt jeden Tag in die Innenstadt rein fahren möchten und es auch immer ausreichend Parkplätze gibt“, erklärt Schmidt, der seine anderen Bürostandorte in Frankfurt, Offenbach, Bad Homburg, Darmstadt, Gießen oder Hannover betreibt.

Der promovierte Betriebswirtschaftler hat selbst – noch in Studententagen – ein Start-up gegründet und stand vor dem Problem, ein geeignetes Büro für sein Unternehmen zu finden. „Alles was wir gefunden haben war eigentlich zu groß für uns. Die Mietverträge zu langfristig und zu teuer. Wir sind das Risiko in Rödelheim damals eingegangen und haben schnell untervermietet, um Kosten zu teilen“, erzählt Schmidt.

Damit war also schon die Idee zur nächsten Geschäftsidee geboren. Neben kurzfristigen Mietverträgen und immer der Option, flexibel Arbeitsplätze dazu- oder abzubuchen, sei auch das Klima in einem Co-Working-Space ein besonderes: „Egal ob es ein Gründer ist, ein Kleinstunternehmer oder eine Agentur, die die Flexibilität schätzt, sie alle haben etwas gemeinsames, was sie antreibt: die Art, unternehmerisch zu denken, und der Wunsch, etwas zu bewegen und erfolgreich zu sein. Da entsteht schnell eine Community, die voneinander profitiert“, hat Schmidt die Erfahrung an seinen anderen Standorten gemacht. Da ist ein Marketingexperte, der den Rat eines Versicherungsmaklers braucht, und ein IT-Spezialist, der dem Gründer beim Erstellen einer Homepage helfen kann. Spätestens an der Kaffeemaschine kommen die Menschen zusammen und lernen sich kennen.

Der Start in Dreieich war vielversprechend – und dann kam Corona. Die Sorge vor der Infektionsgefahr war bei Sleeves Up natürlich spürbar: „Das war erst einmal ein Dämpfer“, gibt Schmidt zu. Aber in den Gesprächen mit seinen Kunden hat er gemerkt, dass seine Arbeitsplätze auch in der Krise eine Chance bieten könnten. „Wir haben schon die Rückmeldung von Kunden, die jetzt erst einmal ins Homeoffice gezogen sind, dass das keine Dauerlösung ist“, erzählt Katja Müller, Space-Managerin in Dreieich.

„Wir haben jetzt entschieden, mit noch mehr Flexibilität auf die Krise zu reagieren. Die Kunden haben statt einer Kündigungsfrist von drei Monaten nur noch einen Monat und sie können vom Open Space in die abschließbaren Büros umziehen“, will Schmidt auf diese besondere Situation reagieren. Die Büros seien groß genug, um die Tische zwei Meter voneinander entfernt zu stellen, sodass auch Firmen mit Großraumbüros in dem Dreieicher Bürokomplex mit kleinen Einheiten eine Alternative sehen. „Wie wollen Lösungen anbieten, dass die Menschen weiterarbeiten können“, so Schmidt.

Für Christoph Müller ist sein bei Sleeves Up angemietetes Büro auch in diesen Zeiten ein guter Rückzugsort: „Ich kann die Tür abschließen und arbeiten. Homeoffice ist für mich einfach keine Alternative und ich habe hier alles, was ich brauche – und mag die Atmosphäre“, sagt der Gründer, der gerade ein Logistik-Unternehmen nach Saudi-Arabien aufzieht.

Der Dreieicher Sven Frenzen ist Chef der Tiger Marketing Group GmbH: „Ich war schon zwischen 2017 und 2019 Kunde von Sleeves Up und habe jetzt mein zwischendurch angemietetes Büro wieder aufgegeben und nutze den Space in Offenbach und in Dreieich. Das Konzept bietet mir erheblich größere Flexibilität – gerade jetzt in dieser Situation können sich meine fünf Mitarbeiter noch besser verteilen“, sagt Frenzen. Dabei seien es außerdem die kleinen Dinge im Büroalltag, die er zu schätzen weiß: „Wenn sich ein Kunde anmeldet, muss ich nicht hektisch den Staubsauger rausholen oder noch schnell Milch einkaufen gehen. Dafür ist hier verlässlich gesorgt. Und ich habe auch schon von den Veranstaltungen und den Kontakten profitiert“, ist Frenzen froh über die Möglichkeit, sich flexibel Arbeitsplätze anzumieten.

VON NICOLE JOST

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