Dreieich

Lockerung der Corona-Regeln könnte neue Gefahren für Pflegeheime bedeuten

Bewohner und Angehörige sind froh, dass sie – mit Abstand – wieder die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung haben.
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Bewohner und Angehörige sind froh, dass sie – mit Abstand – wieder die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung haben.

Zwischen Isolation, Ansteckungsgefahr und Lockerungen müssen Pflegeheime in Dreieich Lösungen finden.

  • Pflegeheime kritisieren den Vorlauf der Lockerung des Besuchsverbots
  • Personal hat erhöhten Arbeitsaufwand durch Desinfektion in der Corona-Krise
  • Menschen in Pflegeheimen tut der Kontakt zu Angehörigen gut

Dreieich – Eine Unterhaltung mit Mund-Nasen-Schutz am geöffneten Fenster oder doch lieber eine Videokonferenz via Skype? Alten- und Pflegeheime sind während der Corona-Pandemie einem besonderen Risiko ausgesetzt. Eine Infektion mit dem Virus ist gerade für alte Menschen eine tödliche Gefahr. 

Die soziale Isolation der Bewohner solcher Einrichtungen ist aber zunehmend ein Thema. Seit dieser Woche hat die hessische Landesregierung Besuche in Altenheimen unter besonderen Auflagen wieder genehmigt. Das stellt die drei Dreieicher Häuser, den Ulmenhof und das Kursana Domizil in Sprendlingen und das Johanniter-Haus Dietrichsroth in Dreieichenhain, vor besondere Herausforderungen.

Manche Pflegeheime in Dreieich brauchen nach Corona noch Zeit

Die beiden Sprendlinger Einrichtungen haben die Pforten noch geschlossen. „Diese Mitteilung kam so kurzfristig von der Politik, wir müssen jetzt erst einmal die Voraussetzungen schaffen, dass unsere Bewohner Besuch empfangen können“, sagt Jana Kirchner, Einrichtungsleiterin von Kursana. 

Mit dem Zugang direkt an der Eisenbahnstraße könnten die Mitarbeiter nach vorne hin keinen Begegnungsbereich schaffen, in den Garten hinten könnten Besucher nur über einen Privatweg gelangen. „Aber wir werden eine Lösung finden“, kündigt Kirchner für die 103 Bewohner und deren Angehörige an. Anfang nächster Woche, hofft sie, können Besucher empfangen werden.

Corona in Dreieich: Pflegeheime haben erhöhten Arbeitsaufwand

Der Ulmenhof verspricht seinen Bewohnern schon für Ende dieser Woche die Möglichkeit von Begegnungen mit den nächsten Angehörigen. „Bei uns sind die räumlichen Gegebenheiten für einen Besucherbereich vorhanden“, sagt Ulmenhof-Chef Eric Winkler. Natürlich bedeute dies einen hohen personellen Aufwand, da jeder Besuch der Begleitung durch einen Mitarbeiter bedürfe, um Hilfestellung zu geben, da die Angehörigen den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern wahren müssen.

Auch der erhöhte Arbeitsaufwand für die Raumdesinfektion nach jedem Besuch müsse berücksichtigt werden. „Bei schönem Wetter bevorzugen wir den Kontakt im Außenbereich“, betont Winkler. Damit alle 75 Bewohner auch Besuch bekommen können, benötige es eine gute Terminabsprache, die die Mitarbeiter organisieren. Auch für die bettlägerigen Bewohner sollen bald Besuche ermöglicht werden. Das Team arbeite noch an einem Konzept, um die Sicherheit für alle zu gewährleisten, so der Einrichtungsleiter.

Besuche trotz Corona: Pflegeheime setzen Terminplan ein

Im Haus Dietrichsroth sind die Türen ebenfalls noch nicht geöffnet – aber zumindest die Fenster. Seit Montag schon können die Angehörigen ihre Liebsten in Dreieichenhain wieder besuchen. Auch hier nach einem genau getakteten Terminplan. Die Mitarbeiter haben vier Besuchsfenster eingerichtet, die den Sicherheitsabstand gewährleisten.

Jeder Besucher wird in die Hygieneregeln, das korrekte Tragen der Masken und in die Besuchsdauer (maximal eine halbe Stunde) eingewiesen. „Die Alltagsbetreuer und Mitarbeiter bleiben bei dem Besuch dabei, um zu helfen, aber auch um die Einhaltung der Hygiene- und Distanzregeln zu kontrollieren“, erläutert Gabriele Roettger, Leiterin im Haus Dietrichsroth. In dem Haus leben derzeit 124 Menschen, nur fünf von ihnen sind so immobil, dass sie nur im Bett bleiben können. Aber bei den Spezialbetten sei es möglich, sie ans Fenster zu schieben.

Corona in Dreieich: Isolation von Angehörigen belastet Menschen in Pflegeheimen

Alle drei Pflegeheime versuchen alles, um die Bewohner in dieser äußerst schwierigen Zeit psychisch stabil zu halten und nutzen die technischen Möglichkeiten, um viele Telefonanrufe und Videotelefonie mit den Angehörigen zu ermöglichen. Auch Briefe erlebten in diesen Tagen eine Renaissance. 

„Wir gehen dazu verstärkt nach draußen in den Garten. Das Sonnenlicht, die Tiere und die frische Luft sorgen für Freude“, weiß Gabriele Roettger. Hofkonzerte und Kontakte unter den Bewohnern, mit den Pflegern und dem Reinigungspersonal seien gut gegen das Gefühl der Einsamkeit.

Corona-Isolation ist eine Belastung für Bewohner des Pflegeheims in Dreieich

Dennoch sei die derzeitige Isolation von den Angehörigen für die Bewohner eine psychische Belastung, berichtet Eric Winkler. Deshalb sei ihm daran gelegen, den Austausch innerhalb der Familien zu fördern – unter Aufrechterhaltung der hohen Schutzstandards. 

Jana Kirchner erzählt, dass einige ihrer Bewohner schon gesagt haben: „Wir haben den Krieg überlebt, wir schaffen auch das.“ Es gebe aber den ein oder anderen, der „ganz schön durchhänge“. Bei allen Bemühungen – den Besuch von nahen Angehörigen könnten die Mitarbeiter nicht ersetzen, so die Kursana-Chefin. Auch sie und ihr Team sind froh, wenn wieder (vorsichtige) Kontakte möglich sind.

Von Nicole Jost

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