Homeschooling

Unruhestifter sorgt für massive Störungen des Onlineunterrichts an Grundschule

Der Onlineunterricht an den Schulen hat auch in Dreieich so seine Tücken. (Symbolbild)
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Der Onlineunterricht an den Schulen hat auch in Dreieich so seine Tücken. (Symbolbild)

Beim Distanzunterricht an einer Grundschule in Dreieich ist es wiederholt zu Störungen gekommen. Bei TikTok gibt es einen regelrechten Wettbewerb dazu.

Dreieich - Distanzunterricht und Beschulung am heimischen Computer sind für die hessischen Schüler seit mehr als zwei Wochen Alltags-Realität. Dass die Beschulung via Videokonferenz auch ihre Tücken hinsichtlich des Datenschutzes haben kann, zeigen zwei Fälle an der Sprendlinger Schillerschule. Schulleiter Leiter Ruwen Guggenberger spricht in einem der Redaktion vorliegenden Elternbrief von einem „fatalen Fehlverhalten“ zweier Schüler während des Videounterrichts einer Lerngruppe.

Was war passiert? Ein Kind hatte im Vorfeld den Einladungs-Internetlink zur Videokonferenz an eine dritte Person weitergeleitet. Diese Person, kein Schüler der Schillerschule, wie Guggenberger bestätigt, wählte sich zur Videokonferenz mit ein und störte den Ablauf durch mündliche Äußerungen massiv. Zudem wurden von dieser Person Videosequenzen aufgezeichnet und auf der Internetplattform TikTok veröffentlicht. „Es gab wohl auf TikTok regelrecht einen Aufruf zu mehreren Challenges, dort möglichst viel Videounterricht zu posten“, berichtet der Schulleiter. Es ist allerdings verboten, bewegte Bilder aus dem Unterricht, inklusive der Gesichter von Kindern und Lehrern, in die weite Welt des Internets zu verbreiten.

Dreieich: Störungen im Onlineunterricht - Schule prüft Strafanzeige

Nach Recherchen von Elternbeiräten sind diese Videos inzwischen aus dem Netz genommen. Der „Unruhestifter“ wurde ausfindig gemacht und die Eltern wurden aufgefordert, den Mitschnitt von der Plattform und auch vom Handy zu löschen. Zudem erwartet die Schulleitung mindestens eine Entschuldigung seitens des Jungen. Derzeit werde geprüft, ob dieser Vorfall zu einer Strafanzeige kommt. Das Staatliche Schulamt und das Kultusministerium sind informiert.

In einem zweiten Fall geht es ebenfalls um aufgezeichnete Videosequenzen aus dem Unterricht. Diese wurden, so teilt die Schillerschule in dem Elternbrief mit, von den Eltern bereits gelöscht. Hier bleibe es bei einer Verwarnung.

Dreieich: Schule weiter von Konzept des Onlineunterrichts überzeugt

Guggenberger erinnert die Eltern in seinem Brief daran, dass sie für das Handeln der Kinder verantwortlich sind – auch auf der Schulplattform. Die Eltern müssen die Nutzungsvereinbarungen und einen Online-Knigge unterschreiben, bevor die Kinder wieder am Onlineunterricht teilnehmen können. Der Schulleiter bedauert die Vorfälle sehr. „Was ich nicht möchte, ist, dass das Instrument Videounterricht jetzt in Frage gestellt wird. Wir nutzen SchoolFox durch eine Elterninitiative seit April 2020 und ich finde, es ist ein gewinnbringendes und verlässliches Kommunikationsmedium. Wir können so seit April gewährleisten, dass alle Klassen während der Lockdown-Phasen täglich Videounterricht bekommen – es funktioniert einwandfrei“, sagt Guggenberger.

Ebenso werden seit Beginn des Schuljahres zwei Schüler einer vierten Klasse über diese Plattform dauerhaft im Distanzunterricht beschult, da sie aufgrund von Risikopatienten im Haushalt mittels eines Attests dem Unterricht fernbleiben müssen. Das WLAN an der Sprendlinger Grundschule sei inzwischen so weit ausgebaut, dass alle Schüler in zwei Schichten unterrichtet werden können. „Wir haben so den persönlichen Kontakt zu den Kindern“, ist Guggenberger vom Konzept des Unterrichts über die Schulplattform in Zeiten der Pandemie überzeugt.

Störungen im Onlineunterricht in Dreieich: Hoffen auf Machtwort von ganz oben

Dr. Volker Stürzer, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamtes in Offenbach, sagt auf Anfrage, dass kein weiterer Vorfall dieser Art im Bereich Stadt und Kreis Offenbach im Zusammenhang mit dem Videounterricht bekannt sei. „Es ist natürlich ärgerlich und überflüssig, was an der Schillerschule passiert ist. Es zeigt aber auch, wie verletzlich diese Systeme sind. Wir lernen immer noch dazu.“

Schulleiter in Dreieich haben Konsequenzen daraus gezogen: „Wir haben jetzt noch einmal ein Handout für die Eltern gemacht, das wir uns auch unterschrieben lassen“, sagt Michael Holzkämper von der Offenthaler Wingertschule. Die Schulleiterin hofft auch, dass das Kultusministerium handelt: „Da müsste jetzt zum Umgang mit dem Onlineunterricht schon noch mal eine Ansage von ganz oben kommen“, findet Holzkämper.

Onlineunterricht in Dreieich: Anwesenheitskontrollen sollen helfen

Auch Anette Melms, Leiterin der Gerhart-Hauptmann-Schule, hat erneut schulinterne Regeln zum Umgang mit dem Onlineunterricht aufgestellt, die an die Eltern gehen. In ihrer Schule machen die Lehrer über die Plattform Microsoft Teams vor dem Unterricht Anwesenheitskontrollen, bei denen auffallen würde, wenn sich jemand Fremdes eingeloggt hat. Alle angefragten Schulleiter sind sich einig, dass der Onlineunterricht ein wichtiges Instrument ist, um in diesen schwierigen Zeiten mit den Schülern in Kontakt zu bleiben. (Von Nicole Jost)

Am KulturCampusDreieich soll schon bald eine Singschule an den Start gehen – wenn es die Pandemie erlaubt.

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